Kein Thema für Nostalgiker

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Das Votum zum zügigen Block-1-Abriss zugunsten einer Kita und eines Discounters kann nur ein Anfang sein. 3500 Wohnungen sollen verschwinden. (…)

Quelle: wp.de

Anmerkung: WPWR-Autor Martin Weiske bezieht sich auf die Wohnungsmarktstudie und verumglimpft gleichzeitig die Abriss-Kritiker als „Nostalgiker“. Das ist in gleich zweierlei Hinsicht bemerkungswert.

Erstens ist es doch das Weiske-Blatt, das mit schöner Regelmäßigkeit seinen Lesern dörfliche Sitten („Brauchtum“) schmackhaft zu machen versucht. Rituale aus vergangenen Zeiten wie Schützenfeste und Kirmesumzüge, die das andererseits gerne herbeigeschriebene Bild einer modernen Großstadt geradezu konterkarrieren.

Zweitens hat Weiske die Studie, auf die er sich bezieht, offenbar gar nicht gelesen (was man der großen Mehrheit der Ratsmitglieder ebenso unterstellen darf). Wäre es anders, hätte er Folgendes gefunden (Hervorhebungen: DW):

Der Rückbau sollte sich dabei zunächst auf einfache Gebäudebestände aus der Nachkriegszeit in peripher gelegenen Lagen (z.B. Oege/Nahmer) oder Gemengelagen (z.B. in Eckesey und Delstern) konzentrieren. Zudem gilt es, zusammen mit Investoren Konzepte für den Abriss einfacher Nachkriegsbauten mit anschließendem höherwertigem Neubau in den zentralen Innenstadtlagen zu entwickeln.

Ein Rückbau der historischen Blockrandbebauung in den Gründerzeitvierteln stellt aus städtebaulicher sowie auch aus finanzieller Sicht in der Regel keine sinnvolle Option dar.

Allerdings erscheinen einige einfache Wohnlagen, die beispielsweise durch eine starke Verkehrsbelastung (Straße, Schiene), eine unattraktive Nachkriegsbebauung oder immissionsintensive Gemengelagen geprägt sind, vor dem Hintergrund der mittel- und langfristigen Bevölkerungsprognose als wenig zukunftsfähig.

Aus strategischer Perspektive ist ein Rückbau von außen nach innen sinnvoll, um ggf. auch die städtische Infrastruktur stärker konzentrieren zu können und Kosten zu sparen.

Es handelt sich also keineswegs um pure „Nostalgie“, wenn Wehringhauser Bürger den Abriss des Blocks verhindern wollen – der Widerstand gegen das Vorhaben ist sehr wohl begründet.

Und noch etwas ist auffällig und erklärt vielleicht die Vehemenz, mit der vor allem die CDU und ihre medialen Helfershelfer so schnell in Wehringhausen zum Abriss kommen wollen: Professor Spars sieht „vor allem in den nördlich und östlich gelegenen Wohnbezirken“ Rückbaupotentiale.

Das sind zum großen Teil Hochburgen der CDU.

Eine Antwort to “Kein Thema für Nostalgiker”

  1. hansimäuschen Says:

    Es ist bei Weiske nicht das erste Mal, daß er diejenigen, die Neuem, vor allem jeglichem neumodischen Kiki ( Baumwipfelpfad, Hensteysee-Bereich ) auch kritisch gegenüber stehen, als Nostalgiker und an alten Zöpfen hängend nach dem Motto, was neu ist, ist auch schon gut oder besser, bezeichnet.
    Vielleicht möchten er und seine Kumpane ja auch den Denkmalschutz abgeschafft wissen. Und gerne wird auch unterstellt, daß etliche Menschen “ früher war alles gut “ proklamieren. Gehört habe ich das bisher von niemand, wobei dann allerdings unter geht, daß früher in der Tat einiges besser war. Der Zeitgeist ist es m. E. nicht.

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