Der Vorhaller Herrenreiter

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Ratsherr will Busfahrer für die Müllentsorgung einspannen

„Der Vorhaller CDU-Ratsherr Stefan Ciupka hat einen dicken Hals“, war in der WPWR vom Freitag (21.12.2018) zu lesen. Stimmt, es gibt wahrlich schlankere Hälse. Aber mit der Formulierung waren natürlich keine körperlichen Merkmale gemeint; es ging – immer wieder ein beliebtes Thema im heimischen Blätterwald – um Müll.

Diesmal um den in Ciupkas Vorhaller Heimat. Genauer gesagt, um Müll an einer Bushaltestelle: „Ich habe einfach den Eindruck, dass beim Thema Stadtsauberkeit viel geredet, aber am Ende weiterhin einfach viel zu wenig unternommen wird“, ließ er sich vom Einheitsblatt zitieren.

Das ist wohl wahr, aber was unternimmt der CDU-Ratsherr dagegen? Nun, er versucht das Problem auf die sowieso schon stressgeplagten Lenker der Hagener Linienbusse abzuschieben.

Die Erzählung in der WPWR geht ungefähr so: Ciupka hat schon länger einen „beliebten Müllablagerungsplatz“ in seiner Heimat ins Auge gefasst. Dort fänden sich „sich mit schöner Regelmäßigkeit im Gehölz direkt neben einer Bushaltestelle der Hagener Straßenbahn AG die illegal abgekippten Hinterlassenschaften unbekannter Schmutzfinken“.

Ciupka wünscht sich: „Es muss doch mit Blick auf das große Ganze möglich sein, dass jeder Beteiligte in Hagen seinen Teil leistet, um der zunehmenden Vermüllung im Stadtgebiet entgegenzuwirken.“ Ja, müsste es. Aber der Blick ins Kleingedruckte zeigt, dass die Formulierung „jeder Beteiligte“ nicht ganz so wörtlich zu nehmen ist. Sich selbst hat der „Beteiligte“ Ciupka nämlich nicht gemeint, andere sollen es statt seiner richten.

Der naheliegende Weg wäre jetzt eigentlich folgender gewesen: den Mängelmelder auf der Homepage der Stadt betätigen (Ciupka hat bestimmt mindestens 1 internetfähiges Mobiltelefon) oder die Hotline des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB) anrufen (zur Erinnerung: Ciupka hat bestimmt mindestens 1 Mobiltelefon).

Aber damit wäre die Vorstadtgröße natürlich nicht in die Zeitung gekommen. Also lässt er den Müll Müll sein (und liegen) und beschreitet einen anderen Weg. Nach Herrenreiter-Manier den nach ganz oben. Er kontaktiert Oberbürgermeister Erik O. Schulz sowie Christoph Köther, den Chef der Hagener Straßenbahn AG. Der hat mit Müllentsorgung eigentlich gar nichts zu tun.

Das sieht Ciupka allerdings ganz anders. Die Busfahrer sollten sich doch bitteschön auch noch um den am Wegesrand illegal entsorgten Müll kümmern: „Die Busfahrer kommen an diesen Orten zigmal am Tag vorbei, und es kostet sie exakt einen Funkspruch, auf illegale Müllkippen hinzuweisen. Ich glaube, das ist nicht zu viel verlangt.“

Noch viel weniger verlangt wäre es, wenn Ciupka einfach sein Mobiltelefon gezückt hätte. Aber damit hätte er es eben nicht in die Zeitung geschafft. Stattdessen möchte er lieber die Busfahrer mit zusätzlichen Aufgaben betrauen, für die andere Akteure zuständig sind: der HEB und das Ordnungsamt, dessen Mitarbeiter sich seit einiger Zeit mit polizeiähnlichen Fahrzeugen produzieren dürfen, aber die Müllkippen am Straßenrand offenbar trotzdem nicht sehen.

Und damit muss man auf die Herrenreiter-Allüren des Vorhallers zurückkommen: Ciupka als Herr des Geschehens und die Busfahrer als seine Hilfstruppen. In einem Management-Lehrbuch werden der Begriff und die Interaktion am Beispiel von Projektteams erklärt:

„In Projektteams entwickelt sich nicht selten eine Struktur, in der einige eloquente oder bereits mit Status und spezifischer Geltung in die Gruppe eingetretene Mitglieder aus Dünkel, Faulheit oder Berechnung jene Aufgaben an sich ziehen, die mikropolitische Wertigkeit aufweisen, also zum Beispiel mit externer Kommunikation, Präsentation vor der obersten Ebene oder ähnlichen bedeutsamen Aktionen zu tun haben.

Der operative Rest, also die eigentliche Projektarbeit, wird jenen zugeteilt, die ohnehin das meiste machen, den Acker- und Arbeitspferden, den sogenannten Projekt-Indianern. (…)

Das Engagement der einfachen Projektmitglieder für das Projektziel wird von den Herrenreitern ausgebeutet. Sie (re-)präsentieren und kommunizieren Ergebnisse, die sie nicht selbst erzeugt haben. Die Indianer sind von der Darstellung und Verwertung sowie von deren weiterer Entwicklung abgekoppelt.“

Quelle: Klaus Doppler et al.: Unternehmenswandel gegen Widerstände: Change Management mit den Menschen

Das ist die Welt des gelernten Sparkassenfachwirts Stefan Ciupka, Mitglied der CDU-Fraktion im Hagener Stadtrat. Die Parallelen sind nicht zu übersehen.

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