Sex mit Bob Dylan und der Feuerwehr

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von Christoph Rösner

Was haben zwei so unterschiedliche Gebäude wie eine Kirche und ein Feuerwehrgerätehaus gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Aber: Beide stehen in Hagen.

Und jetzt wird´s interessant.

Einschränkend muss konstatiert werden, dass das eine, die Johannis-Kirche, bereits als ältestes Gotteshaus an ihrem Platz steht. Gott sei Dank! (Man stelle sich vor, es müsste erst ein Bauantrag …) Das andere, das Feuerwehrgerätehaus in Halden, würde gerne stehen, darf aber nicht.

Ich will es mal so sagen: wir Älteren wissen, was es bedeutet, wenn etwas gerne stehen würde aber nicht darf oder kann. Ich denke, dieses Phänomen ist auch in Kantoreikreisen nicht ganz unbekannt.

Und deshalb hat nun am 24. November Roland Pröll, seines Zeichens neuer Chorleiter für sakrale Kirchenmusik, kraftvoll und mit Stütze stimmlich unterstützt von seinem Chorleiter Klaus Beermann, radikal klargestellt, dass Popmusik nicht in die Kirche gehört, denn, Zitat: „ … beim Pop gehe es um Sex.“ Wow!

Und deshalb, so der Vorkämpfer der reinen Hagener Kirchenlehre weiter im selben Artikel der WP vom 24.11.: „ …gehören Bob-Dylan-Songs nicht in die Kirche.“

Basta!

Nur mal für jene sexfreien Kirchenkreise zur Aufklärung oder zur Erhellung: Einer von Bob Dylans größten Songs lautet NICHT: Fuckin´on heavens floor …, er lautet: Knockin´on heavens door … in dem eine Strophe übersetzt soviel bedeutet wie:

Mama, leg meine Waffen auf den Boden
Ich kann mit ihnen nicht mehr schießen
Diese lange schwarze Wolke kommt herunter,
Ich fühle mich als klopfe ich an die Himmelspforte.

(Mama, put my guns in the ground
I can’t shoot them anymore
That long black cloud is comin‘ down
I feel I’m knockin‘ on Heaven’s door)

Jetzt kann es ja passieren, dass das Wort „Himmelspforte“ bei dem einen oder anderen Kantor oder Chorleiter unerlaubt sündige Assoziationen freisetzt – meinetwegen, geschenkt – aber dem Helden unserer Jugend und Literaturnobelpreisträger Dylan nun ein Hausverbot in der Johanniskirche zu erteilen, geht mir schlicht zu weit.

Auch wenn Roland Pröll „ … ein ganz anderes Verständnis von kirchlicher Musik hat“, das man ihm lassen sollte, muss er die Kirche doch im Dorf lassen!

Und wenn er überzeugt davon ist, „ … mit gottesdienstlichem Singen könne man den Glauben stärken“, soll ihm niemand seine Überzeugung nehmen.

Aber übertreiben sollte er seine sittenstrenge Haltung auch nicht. „Mit Popmusik geht das nicht, die führt sogar weg vom Glauben.“ Hat er gesagt.

Gut, dass man in Hagen wegen jedem Bauantrag – ob mit oder ohne popmusikalische Begleitung – den Glauben verlieren kann, ist ja hinlänglich bekannt. Aber wegen Pop-Musik derart aus der Zeit zu fallen wie der gute Sangeslehrer Pröll, ist schon ein wenig verhaltensauffällig.

Denn das Kürzel Pop kommt von populär und nicht von poppen. Hätten wir das jetzt geklärt?

Oder gehören die Herren Pröll und Beermann auch zu jenen Deutschen, die meinen, Erotik komme von erröten? Hoffe ich doch nicht.

Apropos erröten: Wenden wir uns bereits genanntem Feuerwehrgerätehaus in Halden zu.

Es darf nicht nur nicht stehen, es darf – vorerst –  nicht mal aufgerichtet, bzw errichtet werden. Warum nicht? Weil es der auch für die Feuerwehr zuständige Rechtsdezernent und unser Leib- und Magenbeigeordneter Thomas Huyeng versemmelt hat. Natürlich stellt er sich blitzschnell vor seine Beamten in der Stadtverwaltung und verbreitet die offizielle Sprachregelung: „Es sei ein Fehler in der Verwaltung passiert. Für das seit vielen Jahren geplante Objekt liege noch kein Bauantrag vor. Ich habe das eben erst erfahren, aber unter diesen Umständen ist es besser, Spatenstich und Grundsteinlegung zu verschieben. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr leid tut.“ (Quelle: WP 24.11.18)

Da stehen Spaten bereit, eine Kupferhülse für den Grundstein samt Dokumenten, Geldmünzen und der Tageszeitung, 100 Feuerwehrleute freuen sich auf die Grundsteinlegung, und dann tut es Huyeng leid? Eigentlich kann man das nicht kommentieren. Eigentlich muss man das so stehen lassen.

Außer, man findet eine passende Zeile aus einem anderen, weltberühmten Sexpop-Song:

Deep in my heart I do believe: We shall overcome some day.

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