Gegenwind besser als Flaute

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von Christoph Rösner

Endlich durften sich die Fraktionen bzw. ihre Vorsitzenden mal wieder so richtig echauffieren. Die böse „Verbotspartei“ hatte wieder fürchterlich zugeschlagen.

Wollten sie dem gebeutelten Häuslebauer doch tatsächlich vorschreiben, wie er seinen Vorgarten zu gestalten hat!

Irrsinn! Panik! Meins! Meins! Meins! Es lebe die Freiheit!

Leider – und so sieht derweil die noch eher altbackene Öffentlichkeitsarbeit der Grünen in Hagen aus – leider relativierten sie augenblicklich ihre angemessene, richtige und überfällige Forderung, weil ihnen augenblicklich ein kraftvoller Gegenwind parteiübergreifender Empörung ins Gesicht blies. Dies solle nur für Neubauten gelten.

„In erster Linie war es ja auch unser Ziel, eine Diskussion anzustoßen“, ließ sich der Vorsitzende des Umweltausschusses, der Alt-Grüne Hans-Georg Panzer in der WP zitieren. Subtext: ´Tschuldigung, war ja nicht so gemeint.´

Doch merke: Wenn alle ihr Wortegebläse anwerfen, ist Wegducken die Falscheste aller Reaktionen!

Diese Wegducken lässt sich sicherlich damit erklären, dass die Grünen in Hagen selbstbewusstes Auftreten und radikales Vertreten ihrer ureigenen Themen in den vergangenen Allianz-Jahren ein wenig verlernt haben … Dass ihnen aber exakt diese Tugenden im Bund inzwischen Traumzahlen in Wahlergebnissen und Umfragen bescheren, scheint irgendwie in die Hagener Diaspora noch nicht vorgedrungen zu sein. Aber sei´s drum, noch ist nicht aller Hoffnung Abend …

Ergo: Genau hinschauen und ruhig abkupfern, wenn andere etwas absolut richtig machen.

Herrlich konsequent dagegen die Reaktionen der anderen Fraktionen.

Stephan Ramrath, Fraktionschef der CDU, hält es „für zu hoch gegriffen, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihren Garten zu gestalten haben.“ Und kreativ und in hohem Maße gesetzestreu schlägt er eine CDU-typische Lösung vor, man könne doch Bebauungsplänen den Hinweis, dass Steingärten ohnehin nicht im Sinne der Landesbauordnung seien, beifügen.

Als schlagender Beweis für Ramraths ausgewiesene Expertise hierzu nur Paragraph 9 aus der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen – Landesbauordnung (BauO NRW)

§ 9 Nicht überbaute Flächen, Spielflächen, Geländeoberflächen

(1) Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen, zu begrünen, zu bepflanzen und so zu unterhalten, soweit sie nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden. Werden diese Flächen als Zugänge, Zufahrten, Flächen für die Feuerwehr (§ 5), Stellplätze, Abstellplätze, Lagerplätze oder als Arbeitsfläche benötigt, so kann auch deren Wasseraufnahmefähigkeit, Begrünung und Bepflanzung verlangt werden, soweit es Art und Größe dieser Anlagen zulassen. Ist eine Begrünung oder Bepflanzung der Grundstücke nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, so sind die baulichen Anlagen zu begrünen, soweit ihre Bauweise und Gestaltung es zulassen und die Maßnahme für die Bauherrin oder den Bauherrn wirtschaftlich zumutbar ist.

Ist das nicht niedlich? Ramrath schreibt ein Zettelchen und fügt es § 9 als kleinen, nicht wirklich verbindlichen Hinweis bei. So geht konsequente Politik!

Die SPD – ach ja, die SPD – die mischt natürlich auch mit und begründet ihr Nein zum Grünen-Vorstoß, der „ohne Not in das Eigentum und die Privatsphäre der Bürger eingreife.“ Richtig, liebe SPD, Not kennt nur Ihr. Die Natur, die Insekten und schlussendlich wir alle kennen diese Not natürlich nicht.

Und Josef Bücker von Hagen Aktiv präferiert einen Artenschutzexperten für Hagen. Was der wohl sagen würde, wenn er durch unsere Stadt flaniert … ´diese Steingärten, nein, überall diese abstoßenden Steingärten …`

Der gute Linke Ingo Hentschel salutiert:“ „Für mich ist das, was die Grünen da vorhaben, nicht nachvollziehbar. Wir haben mündige Bürger, die wissen, was sie tun.“ Das glaubt der tatsächlich …

Wie immer, schießt Claus Thielmann von der winzigen FDP-Fraktion den Vogel ab. „Wo kommen wir hin, wenn das Umweltamt beurteilt, was schön oder zeitgemäß ist?“

Wo wir da hinkämen, möchte ich Euch Gebläsebetreibern gerne mit auf den Schotterweg geben. Dahin nämlich, dass man ein kraftvolles Signal setzen könnte. Ein Signal, dass es in der weiten Wüstenei unseres Landes eine Stadt gibt, die § 9 der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen – Landesbauordnung (BauO NRW) anwendet!

Und wir kämen sogar noch weiter. Wir könnten die permanente Beleidigung des ästhetischen Empfindens beenden – keine so schlechte Maßnahme in dieser Stadt –  könnten sogar erreichen, dass sich ganze Stadtbilder zum Besseren verändern.

Da, wo der stolze 280 PS SUV-Besitzer sich gerne seine eigene, winzige Schotterpiste baut, damit sein Umwelt vernichtendes, anachronistisches Geschoss wenigstens zuhause ein kleines bisschen Legitimation tanken kann, würden plötzlich Bienen und Insekten seinen Hochglanzpanzer umschwirren – welch eine wunderbare Vorstellung!

Lasst die mündigen Bürger*Innen ruhig aufjaulen, das legt sich wieder, zumal gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, sind sie doch endlich wieder damit abgelenkt, ihre hübschen Steinwüsten mit grell- bis blauweiß LED-illuminierten Plastiktannen zu bepflanzen.

Es gibt nicht so sehr viele Möglichkeiten, der Unvernunft, der Ignoranz und der grenzenlosen Gleichgültigkeit Einhalt zu gebieten. Hier gäbe es sie.

Also, frisches Grün ins Grau und nicht nur bei neuem Bau!

2 Antworten to “Gegenwind besser als Flaute”

  1. drhwenk Says:

    wie haben desewgen keine mündigen bürger, weil der staat & mit aller macht dazu assoziierte alles mögliche dagegen und nicht dafür tut

  2. Elke Freund Says:

    Das ist weder ein Relativieren noch ein Wegducken. Der Vorschlag der Grünen im Stadtentwicklungsausschuss bezog sich von Anfang an auf den „Ausschluss von Schottergärten in zukünftigen Bebauungsplänen“. Das vor dem Hintergrund, dass eine weiterreichende Ortssatzung extrem aufwändig wäre. Das Thema wird in den Gremien selbstverständlich weiter verfolgt.

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