Wochenkurier insolvent

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Viel Altpapier wäre weg – aber die Funke-Gruppe hätte endgültig das Medienmonopol in Hagen

Mehr als 40 Jahre verstopfte sein Papier die Hagener Briefkästen. Jetzt hat das Reklameblatt Wochenkurier Insolvenzantrag gestellt.

Die Wochenkurier Verlagsgesellschaft mbH erklärte den Schritt mit blumigen Formulierungen. Die „Restrukturierung“ des Unternehmens verlaufe nicht „so glatt, wie man sich das wünsche“ und deshalb habe man „einen sicheren Zwischenschritt“ eingelegt. Sinn des Verfahrens, so Geschäftsführer Philipp Brück, sei es vielmehr, alte Zöpfe abzuschneiden und längst überholte Strukturen endlich aufbrechen zu können.

Um diese Ziele zu erreichen, wird allerdings normalerweise keine Insolvenz beantragt; auch keine, wie in diesem Fall, „Planinsolvenz in Eigenverwaltung“. Der Grund dürfte eher in der finanziellen Schieflage zu finden sein, in die das Anzeigenblatt gerutscht ist.

Der Jahresabschluss für 2017 weist bei einer Bilanzsumme von knapp 721.000 Euro einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von mehr als 251.000 Euro aus. Der Wochenkurier sah sich deshalb veranlasst, in seine Pflichtveröffentlichung eine Warnung einzuflechten:

Mit Schreiben vom 15.06.2018 wurde die Geschäftsführung darauf aufmerksam gemacht, dass die Notwendigkeit der Vorlage einer positiven Fortbestehensprognose gegeben ist. Die Arbeiten wurden deshalb ausgesetzt, bis am 02.07.2018 die Fortbestehensprognose für die Wochenkurier Verlagsgesellschaft mbH und Wochenkurier Vertriebsgesellschaft mbH, erstellt durch die Sozietät Thomas Uppenbrink und Collegen GmbH, Vorhaller Str. 21, 58089 Hagen, vorgelegt wurden.

Aus der Prognose geht hervor, dass eine insolvenzrechtliche Überschuldung aktuell nicht vorliegt. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Neutralisierung der buchmäßigen Überschuldung nur und ausschließlich erfolgt, wenn die in der Fortbestehensprognose aufgeführten Auflagen zeitnah und vollumfänglich erfüllt und umgesetzt werden.

Letzteres gelang wohl nicht und führte zum Insolvenzantrag. Bereits 2015 landete ein Tochterunternehmen, die wochenkurier Ennepe-Ruhr GmbH, im Aus; DOPPELWACHOLDER.DE berichtete damals.

Verschwände der Wochenkurier endgültig von der Hagener Bildfläche, fielen Woche für Woche etliche Tonnen Altpapier weniger an. Bei aller Kritik am Reklamemüll – die Kehrseite der Pleite wäre die Vollendung des Monopols der Funke-Gruppe im Hagener Medienmarkt: Westfalenpost, das redaktionslose Geisterblatt Westfälische Rundschau, Radio Hagen und das Anzeigenblatt Stadtanzeiger – alles aus einer Hand.

Wochenkurier-Chefredakteur Michael Eckhoff hat all die Jahre immer wieder fachkundig historische und kulturhistorische Themen einem breiten Publikum zugänglich gemacht, das üblicherweise nicht damit konfrontiert worden wäre. Das wird fehlen. Der Lokalteil der WPWR hat dem nur eine Burger-Braterei- und Boutiquen-Kollumnistin entgegenzusetzen, die nebenbei auch über Kultur schreiben darf.

Wochenkurier-Geschäftsführer Philipp Brück hofft derweil auf ein Weiterleben seines Anzeigenblatts: „Das Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung gibt uns dazu die Möglichkeit und die Flexibilität, die wir brauchen, um den Wochenkurier endgültig neu auszurichten und wirtschaftlich kerngesund aufzustellen.“

3 Antworten to “Wochenkurier insolvent”

  1. Allan Qutermain Says:

    Alles hat 2 Seiten.
    Irgend wo fehlt jetzt Geld in der Kasse, denen der Wochenkurier noch Geld schuldet.
    Meistens steht Vater Staat an erster Stelle, danach kommen die Krankenkassen und Rentenkassen in der Reihenfolge.
    Danach der kleine Handwerksmeister, der in Vorlage getreten ist und jetzt um seine Arbeitsplätze, weil Aufträge so an Kante genäht werden, zittert.

    Alles dem Internet geschuldet.
    Es gibt bestimmt eine Klitsche die noch günstiger ist.
    Sogar alte Handwerker geben ihren Meistertitel für ein paar Euros her, das sieht dann auf diesen Jobbörsen besser aus.

    Ich habe selbst noch 2 Titel bei mir in Akten herum schlummern.
    Einer davon ist super. Es wäre zum Vergleich von 25 Prozent der Forderungen gekommen. Ein Hauptgläubiger war damit nicht einverstanden, so kam es dann zu einer Vergleichssumme von 8 Prozent. Für mich ein Verlust von ca. 32.000 Euro.
    Bei dem anderen waren es „nur“ 8.000 Euro.

    Der einzige der richtig abgesahnt hatte, war der Konkursanwalt.
    Der rechnete Mal Fantasievoll die Mitarbeiterzahl nach oben.
    So konnte er vor Gericht ein paar Hunderttausend Euro mehr abrechnen.

    Wenn ich Ehrlich bin, diese Revolverblaetter Wochenkurier und Stadtanzeiger könnten aus Hagen verschwinden.
    Den Verlust würden die wenigsten bemerken.

    Am besten noch die wöchentliche Wurfsendung der Post.
    Was da für die Altpapiertonne produziert wird, das sollte verboten werden.

    Besonders der Plastikmüll, worin diese Reklameblätter verpackt sind.
    Und dann kommen noch die Wurfsendungen der Pizzalieferungen, Optiker, Reparaturketten, Telefonbuchverlage, IKEA, etc. dazu.

    Auch der Aufdruck, „Keine Reklame“, an den Briefkasten,
    scheint für manche Verteiler, da des Lesens unkundigt,
    ein Fremdwort zu sein.

    DHL hat über einen SubSub einen Fahrer für einen Versender aus Bad Hersfeld herumfahren, da Frage ich mich öfters,
    auf Grund seiner mangelhaften Sprach und Schreibkenntnisse,
    wie mag der an den Führerschein gekommen sein?

  2. M.K. Says:

    Wer braucht sowas in Zeiten von Amazon und Ebay Kleinanzeigen, zumal die es in all den Jahren nie geschafft haben in Hagen flächendeckend zu verteilen.

    • Sandro Nortmann Says:

      Ich hätte eher auf eine Einstellung des Stadtanzeigers gehofft. Das Werbeblättchen ist so in 5-10 sec. durch. Außerdem kommt der Stadtanzeiger dank der „zuverlässigen“ Zusteller nur sehr unregelmäßig. Mir tut es sehr leid um den Wochenkurier, denn er war die, wenn man es so ausdrücken möchte, seriösere und informativere Variante der beiden kostenlosen Stadtzeitschriftten.
      Hatte früher auch eine tolle Wanderempfehlungen.
      Hätten sie doch, um Geld einzusparen, wieder auf einer Ausgabe pro Woche reduziert, wie es früher mal war.
      Das bedeutet leider noch weniger Informatives für die ältere Generation ohne Computer/Internet. Und nein, Radio Hagen ist auch nichts für die ältere Generation. Themenauswahl/Musik ist dort auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten.

      R.I.P. Wochenkurier

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