Mein Ali – dein Ali

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Der Rassismusvorwurf gegen die SPD-Führung mag übertrieben sein – ganz von der Hand zuweisen ist er aber nicht

Hagens SPD-Spitze muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzten, sie betreibe eine rassistische Politik, was die Neuaufnahme von Mitgliedern angeht. Ein Parteigenosse hatte eine größere Zahl angeworben, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Die SPD lehnte die Aufnahme dieser Interessenten ab. Begründung: Sie wollten die Partei „unterwandern“.

Der Anwerber wirft den Führungskräften der Hagener SPD deshalb Rassismus vor. Aber das dürfte die Wahrheit nur teilweise treffen. Tatsache ist – und das betrifft nicht nur die SPD – dass in einer Stadt wie Hagen mit einem sehr hohen Anteil von Menschen mit Einwanderungshintergrund so gut wie keine aus dieser Gruppe mit Mandaten und Funktionen in den politischen Parteien vertreten sind.

Im Gegenteil wird auch noch Politik gegen diese Mitbürger betrieben, wie beispielsweise im stark migrationsgeprägten Stadtteil Haspe. Dort mokierte sich der SPD-Bezirksvorsteher Dietmar Thieser darüber, „dass die inflationäre Ansiedlung solcher Bäckereien für das Bild des Hasper Zentrums schädlich seien.“ Gemeint war ein von türkischstämmigen Haspern geführter Betrieb im Zentrum des Stadtteils. Auch in der dortigen Bezirksvertretung sitzt selbsredend kein einziges Mitglied mit ausländischen Wurzeln.

Der Kern der jetztigen Auseinandersetzung liegt allerdings woanders. Es geht um das Machtgebaren der Hagener SPD-Führung. Der örtliche Parteivorsitzende Timo Schisanowski und seine Spannleute wollen auf jeden Fall den Erhalt ihres Einflusses sicherstellen. Wenn man sonst nicht allzuviel vorzuweisen hat, sind Pöstchen halt wichtig.

Politische Konzepte von Schisanowski & Co. sind nicht bekannt; nach den Kommunalwahlen 2014 hat die Hagener SPD drei Jahre gebraucht, um sich überhaupt an ihre Forderungen aus dem Wahlkampf zu erinnern. Davor war sie damit beschäftigt, in innerparteilichen Machtkämpfen die Pfründe ihrer Vorleute zu sichern und zu versuchen, sich in die Allianz des Grauens der Wettbewerber aus CDU, FDP, GRÜNEN und HAGEN AKTIV einzureihen. Das misslang. Stattdessen steht die Partei wieder mit unappetitlichen Personalaktivitäten im Rampenlicht.

Wenn, wie offenbar zuletzt im Ortsverein Boele-Kabel-Garenfeld, die Kandidaten im Sinne der Parteiführung genehm sind, werden sie aufgenommen. Wenn die Unterstützung der SPD-Spitze, wie jetzt in Wehringhausen, zumindest nicht gesichert ist, werden genau die Sprüche ausgepackt, die auch laufender Bestandteil der lokalen Einheitspresse sind, wenn es gegen Migranten geht. Dann ist mit durchaus rassistischem Unterton von Clans die Rede.

Darum geht es im Kern aber gar nicht. Zuwanderer werden vielmehr benutzt, um die innerparteiliche Macht abzusichern. Sind die für uns, oder sind die gegen uns? Meine Alis – deine Alis. So instrumentalisiert die Hagener SPD-Führung um Schisanowski und Rudel diejenigen, denen sich ihre Partei früher durchaus solidarisch verbunden fühlte. Das war einmal.

Gewinnen wird sie mit dem neuen Kurs nichts. Im Gegenteil: Hagens SPD-Vordere fahren gerade ein prima Konjunkturprogramm für rechte Kräfte vom Schlage AfD. Nur – das merken sie offenbar gar nicht. Oder es ist ihnen egal.

2 Antworten to “Mein Ali – dein Ali”

  1. Umleitung: Le Siffleur sowie die SPD, Facebook, Radfahren und nachts kein Taxi … | zoom Says:

    […] Mein Ali – dein Ali: Der Rassismusvorwurf gegen die SPD-Führung mag übertrieben sein – ganz von der Hand zuweisen ist er aber nicht … doppelwacholder […]

  2. Allan Qutermain Says:

    Ali verweilt zur Zeit zum Urlaub machen in der Türkei.

    Trotzdem ist er statt Erholung und Kraft zu tanken, noch in der Lage,
    der Presse wie den Express aus Köln, der Mopo aus Hamburg und einen Privatsender im Frühstücksfernsehen per Mobiltelefon, Interviews zu geben.

    Er sollte Mal langsam sich überlegen, bei weiteren Presseanfragen, sich einen Pressesprecher zu zu legen.

    Aber ich bin auch am Verzweifeln wegen den Rassismusvorwurf.

    Ich dachte bis jetzt immer, auch die Türkei und die dort lebenden Einwohner wären eine Nation.

    Als Rasse kenne ich die Indianer, Schwarzafrikaner, Inuit, Araber,
    Mongolen, usw. An den Namen kann man es auch nicht festlegen.
    Ich kenne Schwarzafrikaner mit den schönen Namen,
    Josef Müller. Das ist aber eine andere Geschichte.

    Aber ich lasse mich eines besseren belehren.

    Und jetzt nicht mit Osmanen kommen.

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