Verkehrswende? Vielleicht – in 17 Jahren

by

Nichts Entscheidendes im Masterplan Mobilität

Der am Donnerstag im Rat der Stadt Hagen vorgestellte „Masterplan Mobilität“ enttäuscht auf ganzer Linie. Das vorrangige Ziel des Masterplanes sollte nach Angaben der Planverfasser darin bestehen, eine Verkehrswende in Hagen einzuleiten. Die dazu vorgeschlagenen Maßnahmen werden allerdings nicht ansatzweise ausreichen.

Angepeilt wird eine Umschichtung im sogenannten Modal Split (also der Verteilung der zurückgelegten Wege auf einzelne Verkehrsmittel). Der Anteil des Umweltverbundes aus öffentlichem Verkehr sowie Rad- und Fußverkehr an den zurückgelegten Wegen der Hagener Bürgerinnen und Bürger soll auf 50 Prozent steigen. Aber erst bis 2035 – also in 17 Jahren. Heute liegt dieser Anteil nur bei 38 Prozent, während der Pkw-Verkehr mit 62 Prozent überproportional hoch ist.

Auf 147 Seiten bietet der Masterplan im Wesentlichen eine Zusammenstellung von sowie schon geplanten oder diskutierten Maßnahmen, ergänzt durch mehr oder weniger fundierte Berechnungen der Auswirkungen auf die zu erwartenden Reduzierungen (oder auch Nicht-Reduzierungen) der Abgasemmisionen. Flächenfraß und Lärm spielen dagegen beispielsweise keine Rolle.

So legen die Gutachter einen Schwerpunkt auf den Ausbau des Radverkehrs, ohne dass es ihnen möglich ist, positive Folgen zu prognostizieren. Es bleibt bei Vermutungen wie beim „City Vorrang Fahrrad (Fahrradstraßen)“: „Es werden leichte positive Auswirkungen auf den Modal Split erwartet. Da auf den einzelnen Verkehrswegen der Stadt Hagen keine Erhebung der Radfahrer durchgeführt wird, ist eine Abschätzung mit konkreten Zahlen hier nicht so ohne weiteres möglich.“

Oder: „Noch schwieriger wird eine konkrete Abschätzung der Radverkehre aus den Stadtteilzentren und Vororten in oder durch die Innenstadt. Hier sind ebenfalls zurzeit keine belastbaren Radverkehrsmengen vorhanden.“

Trotzdem gehen die Gutachter von einer Verdoppelung des Radverkehranteils am Modal Split aus – allerdings auf niedrigem Niveau: von 3 auf 6 Prozent.

Für die Erreichung der Mobilitätswende in Hagen spiele der öffentliche Verkehr eine entscheidende Rolle, schreiben die Gutachter. Dazu gehöre vor allem der Ausbau des ÖPNV-Angebots, durch beispielsweise Taktverdichtungen und die Schließung von räumlichen und zeitlichen Bedienungslücken durch die Ausdehnungen des Bedienungszeitraums und -gebietes. Grundsätzlich gelte es, die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs in Hagen weiter zu steigern.

Banalitäten. Warum werden Gutachter für solche „Erkenntnisse“ bezahlt, die zudem sowohl zeitlich als auch inhaltlich hinter den Realitäten zurückbleiben? Konkrete Verbesserungsvorschläge zum ÖPNV sind längst in einem Arbeitskreis von zwei Ratsausschüssen erarbeitet worden.

Das gilt auch für den im Gutachten genannten Punkt „Busspur Körnerstraße“. Längst geplant, nur – wie so häufig in Hagen – noch nicht umgesetzt. Vielleicht ist ja gerade keine weiße Farbe auf dem Markt.

Was in der Liste der Gutachter völlig fehlt, sind irgendwelche Vorschläge, den Pkw-Verkehr Restriktionen zu unterwerfen. Eine Umverteilung der Verkehrsflächen wird nur mit äußerster Zurückhaltung angepeilt: Neben der Busspur Körnerstraße wird nur noch die Einrichtung von Radwegen auf dem Graf-von-Galen-Ring erwähnt. Aber hier wollen bekanntlich die Freunde des Fernbusverkehrs schon eine 9 Meter breite Haltestelle einbauen. Da bleibt dann für Radwege wohl kein Platz mehr.

Der Katalog ließe sich endlos fortsetzen, aber damit sollen sich bitte die Ratsmitglieder beschäftigen, denen man allerdings die Pistole auf die Brust gesetzt hat: Schon am Donnerstag dieser Woche muss beschlossen werden. Da bleibt nicht mehr viel Zeit zum Lesen.

Masterplan Mobilität (pdf)

Advertisements

Eine Antwort to “Verkehrswende? Vielleicht – in 17 Jahren”

  1. Jürgen Dute Says:

    Was kostet eigentlich dem Bürger so ein Gutachten, welches bereits vorgeschalgene Dinge wiederholt und keie adäqaute Lösung herbei führt. Es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, dass die Lage ernst ist. Verantwortung abwälzen, wie immer. Das ist das Ziel scheinbar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: