Hagen – ein Eldorado für Radler

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Eine Fahrradsatire von Udo Pfeiffer*

Lange Zeit belegte das Tor zum Sauerland im alljährlichen ADFC-Ranking fahrradfreundlicher Städte in seiner Kategorie den verheißungsvollen 38. Platz; verheißungvoll, weil er nur besser werden kann, denn den 39. gibt es nicht.

Diese mögliche Verheißung haben die Stadtväter und -mütter nun ernst genommen und angekündigt, die Radelsituation in Hagen werde noch besser. Also wurden sie aktiv: Sie fuhren nach Bochum, um sich anzuschauen, wie eine vergleichbare Kommune ihr Ranking verbessert. In Konsequenz nahmen sie richtig Geld in die Hand: 40.000€ für die Erarbeitung eines Konzepts durch ein Dortmunder Planungsbüro und 190.000€ für die Anlage eines neuen Fahrradweges von 300 m Länge.

Vermutlich befürchten sie aber, dass großartige Verbesserungen die heimischen Radler überfordern würden oder sie sind von ihrem eigenen Tun dermaßen überwältigt, dass das Konzept bisher der radelnden Bevölkerung weder virtuell noch real zugemutet wurde – vermutlich, um die Spannung zu steigern.

Beim Bau des neuen Fahrradweges hingegen, der das bestehende Wegenetz erheblich erweitert, ließen sie sich nicht lumpen: in kürzester Zeit wurde eine schöne kurvige Streckenführung nicht nur geplant, sondern auch realisiert. Und damit die zukünftigen Nutzer auch gefahrlos, unbehelligt vom Autoverkehr, radeln können, wurde das Vorhaben in einem abgelegen Gebiet angesiedelt.

Wer dann auf seinem Drahtesel aus dem finsteren Wald in diesen Weg einbiegt, kann ihn auch bei Dunkelheit in seiner vollen Pracht genießen – dank einer schicken Beleuchtung.

Trotz dieser finanziellen und planerischen Anstrengung hegen die Urheber dieser wegweisenden Verbesserung der Radel-Infrastruktur wohl Zweifel, dass diese genutzt wird; und so haben sie am Ende die Kosten für eine Bürgersteigabsenkung eingespart. Da zudem auch Fördergelder flossen und die Stadt die beträchtlichen Anmeldegebühren von 1.600€ für die Teilnahme an der jährlichen Aktion ‚Stadtradeln‘geschickter Weise von Sponsoren übernehmen ließ, können sich die radelnden Steuerzahler und steuerzahlenden Radler über das neue Asphaltgold freuen – und darauf hoffen, dass ihr Radel-Eldorado demnächst den 37. Platz erklimmt.

* Udo Pfeiffer ist Vorstandsmitglied des ökologischen Verkehrsclubs VCD Hagen/Märkischer Kreis

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