Wir basteln uns einen Popanz

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Einheitsfront-Allianz bläst eine Mücke zum Elefanten auf

Das Juxdatum 1. April fiel in diesem Jahr auf einen Sonntag. Die Fraktionsgeschäftsstellen waren also geschlossen und so begab es sich, dass die Einheitsfront der sogenannten Allianz ihren Aprilscherz erst am Dienstag veröffentlichen konnte. In Form einer Pressemitteilung mit dem lukullischen Titel „Filetstück nicht vor dem Garen tranchieren!“ schossen die Frontisten gegen Thomas Grothe, seines Zeichens Baudezernent der Stadt Hagen.

Zweifellos lässt sich eine Menge gegen Grothe ins Feld führen. Zum Beispiel, dass der Herr Beigeordnete im Zusammenhang mit der Planung der AWO, am Deerth eine Forensik mitten in den Hagener Stadtwald zu setzen, die Öffentlichkeit in mindestens zwei Fällen belogen hat (siehe: Lügen und andere Wahrheiten).

Das sah die Allianz des Grauens aber wohl als eine eher lässliche Sünde an und verzichtete auf eine öffentliche Erklärung. Ganz anders jetzt bei der hochtrabend „Westside“ genannten Fläche hinter dem Hauptbahnhof, die irgendwie genutzt werden soll:

„So nicht!“ Mit diesem gemeinsamen Signal in Richtung des Baudezernenten Thomas Grothe wendet sich die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen, Hagen Aktiv und FDP gegen die Ignoranz politischer Ziele bei der Bahnhofshinterfahrung. Grothe hatte wiederholt sein persönliches Konzept der Westside Bahnhof gezeichnet und dabei politische Vorgaben ausgeklammert.

Wirft man einen Blick in die Protokolle der Sitzungen von Stadtentwicklungsausschuss und Bezirksvertretung Mitte, ist dort von „politischen Vorgaben“ nichts zu finden. Im Gegenteil wurden die Vorlagen der Verwaltung entweder „beschlossen“ oder „zur Kenntnis genommen“. Und zwar über Jahre und jedes Mal „einstimmig“.

„Wir wollen das Gute nicht übersehen“, so der CDU-Fraktions- und StEA-Vorsitzenden Dr. Stephan Ramrath: „Endlich finden wir die gerade Verlängerung des Bahnsteigtunnels in der Planung. Doch wem nützt diese fußläufige Erschließung für sieben Millionen Euro, wenn wir an deren Ende nicht einmal eine verkehrliche Anbindung finden? Mir erscheint an diesem Plan noch vieles unausgegoren.“ Deshalb hat der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen, auch die bisher planerisch vorgesehene Nutzungen qualifizieren und entwickeln zu lassen.

Was ist denn nun „unausgegoren“? Das erfährt der Leser nicht. Dass der Ausschuss Forderungen an die Verwaltung stellt und „Nutzungen qualifizieren und entwickeln“ lassen will, gehört dagegen doch wohl zu den ureigensten Aufgaben eines politischen Gremiums. Wenn das für Ramrath und Co. ganz neue Erkenntnisse sein sollten, wäre es besser, diesen Ausschuss gleich aufzulösen. Was mag diesem Gremium im Laufe der Jahre alles entgangen sein?

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann begrüßt das Ergebnis: „Unser Stadtbaurat darf nicht immer dieselben Fehler wiederholen!“ Er überplane und zerteile Flächen in Baufenster mit konkreten Nutzungen. Hübsche Bilder würden eine entsprechend Nachfrage suggerieren. Doch potentielle Investoren brächten eigene Ideen mit. Nach drei verprellten Ansiedlungswünschen sollen wir uns schließlich fünf Jahre später über eine neue Autowaschanlage freuen. Das war schon in Kückelhausen unerträglich, stellt Thielmann fest und fordert: „Grothe darf das Filetstück hinter dem Bahnhof nicht schon wieder vor dem Garen tranchieren!“

Tja, Thielmann! Der Hinweis auf die Autowaschanlage ist ja richtig, aber wo waren die Einwände der FDP, als seinerzeit der Umzug der Mark-E nach Haßley durchgewinkt und das Areal verkauft wurde? Mit der Folge, dass sich dort ein Sammelsurium von Irgendwas angesiedelt hat. Wenn es so „unerträglich“ war, hätte man damals einen lauten Aufschrei hören müssen. Es herrschte aber Schweigen im Walde.

Für die Grünen- Fraktionssprecherin Nicole Pfefferer ist essentiell, „dass wir auf der Westside endlich eine brauchbare Anbindung für Fernbusse erhalten. Wir können die Fahrgäste nicht dauerhaft an den Rand eines Gewerbegebiets lotsen, um von dort in die Republik oder ins europäische Ausland zu starten. Seit der Planungsphase machen wir regelmäßig darauf aufmerksam. Gehör findet es nicht.“

Hier hätte lesen und sehen weiter geführt. Die von den „Grünen“ offenbar so innig geliebte Fernbusstation ist in der Vorlage der Verwaltung, die dem Stadtentwicklungsausschuss präsentiert wurde sowohl im Text als auch im Bild enthalten.

Der Vorsitzende der Fraktion Hagen Aktiv, Dr. Josef Bücker, ist inzwischen „angesäuert“: „Der Baudezernent wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit auf seinen vermeintlichen Personalmangel hinzuweisen. Dann verstehe ich nicht, warum er mit den knappen Ressourcen und Steuergeldern immer wieder persönlichen Wunschvorstellungen zu Papier bringen lässt. Das muss jetzt aufhören! Die ersten Ergebnisse der Fachforen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zeigen uns: Wir brauchen mehr Flexibilität und mehr Durchmischung – nicht mehr Verwaltungs-Kopfgeburten!“

Hagen Aktiv fiel offensichtlich zum konkreten Thema „Westside“ überhaupt nichts mehr ein. Also wich die Wählervereinigung auf ein allgemeines Genöle aus. Bei dieser Fraktion wären „mehr Flexibilität“ und „mehr Durchmischung“ sicherlich auch hilfreich.

Die Allianz des Grauens, die über Jahre ausweislich der Protokolle im Bürgerinformationssystem alles abgenickt hat, versucht plötzlich, aus einer Mücke (verglichen mit anderen Problemen dieser Stadt) einen Elefanten zu bauen. Nach Angaben der Verwaltung beträgt die Gesamtgröße des Areals rund 80.000 qm, davon befinden sich aber nur etwa 3.000 qm in städtischem Eigentum. Das entspricht noch nicht einmal der Größe eines Fußballplatzes.

3 Antworten to “Wir basteln uns einen Popanz”

  1. Allan Qutermain Says:

    Frage,
    warum muss die Fernbusstation aus dem Steuersäckel bezahlt werde?

    Die Unternehmen die da mitmischen, nagen ja nicht gerade am Hungertuch. Ausgenommen die Fahrer ihrer Subsub.

    Die sind so arm, dass dort Waldundwiesennavis in Gebrauch sind.
    Ab und an bleibt ein Bus auf Waldwege stecken.

    Der letzte musste sogar in Vorlage des Abschleppdienstes treten.
    Sonst hätte Junior S und seine Mannen keinen Finger gerührt.

    Einen Geck habe ich aber noch,
    es existiert für so manchen Hinterhof einen Bebauungsplan.
    Und jetzt raten wir Mal, obwohl auf einer Länge von ca. 800 Meter es schon 4 Autowaschanlagen gibt, noch Nummero 5 hin soll!

    Herr Thielmann von der FDP übernehmen Sie.

  2. hansimäuschen Says:

    Es ist schon eine seltsame Allianz, wenngleich vieles in der Kommunalpolitik seltsam ist. Pfefferer “ .. wir machen regelmäßig darauf aufmerksam. Gehör findet es nicht. “ . Und jetzt ( und davor ) ? Keine Konsequenzen ? Oder traut man sich etwa nicht, sich die Verwaltungsspitze mitsamt ihrem Erik Oh. vorzuknöpfen, vielleicht, weil der ebenfalls faktisch zur Allianz gehört ?
    “ Westside „, alberner geht es ja gar nicht. Mitnichten ist es jedoch das einzige Wort, das dem Wörterbuch “ Albern-Englisch “ entnommen wurde, gerne auch und gerade von der WP. Mainstream halt, wobei kritische Anmerkungen nur Sinn machen, wenn sich Jeder auch selbst befragt ( so er/sie es denn merkt… )..

  3. Allan Qutermain Says:

    So schnell kann es gehen!

    Gestern war ich noch im Irrglauben, das 5 Waschanlagen auf
    800 Meter in Betrieb sind oder gehen.

    Was musste ich heute sehen,

    Nummer 6 (Sechs) wird gerade hoch gezogen.

    Der Schwachsinn muss Methode haben.

    Denn genau gegen über ist eine Waschstraße.
    Die nennt sich OMI oder so ähnlich.

    Der unmittelbare Nachbar, eine Tanke von Muschel,
    hat und besitzt auch eine Wasch-Halle.

    Frage meinerseits, wer genehmigt so einen Schwachsinn?

    Diese Grundstücke sind ein für alle mal entzogen,
    zur Wohnbebauung. Es soll mir keiner damit kommen,
    schlechte Wohnqualität etc.
    Die Häuser beim Ex-Hl. Geist oder
    Grundstück Aral Becker, liegen auch an der Straßenseite.
    Sogar eine Wohnungsgesellschaft hat auf den Ex-Gelände einer
    Ex-Esso Tanke in der Roland Str. gebaut.

    Aber dafür kann man sein vierrädiges Schmuckstück,
    wie ich lesen konnte, jetzt selbst per Hand auf Hochglanz wienern.

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