WP: Die Stimmungsmacher im Konjunktiv

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Eine reißerische Headline – sonst hat die Westfalenpost nichts im Angebot

Die Hagener Ausgabe der Westfalenpost dämmert seit Jahren ihrem Ende entgegen. Die ständig sinkenden Verkaufszahlen versucht das heimische Blättchen mit immer schrilleren, den populistischen Bodensatz der hiesigen Bevölkerung bedienenden Artikeln zu verlangsamen.

Gestern waren mal wieder die Rumänen und Bulgaren an der Reihe. Gemeint sind eigentlich die Zigeuner, aber diesen Terminus vermeiden die Schreiber, um sich sicherheitshalber nicht auch damit noch in die Schusslinie zu bringen.

Gestern also titelte die Westfalenpost auf der ersten Seite des Lokalteils:

Hagen Hochburg des Hartz-IV-Betrugs

Interner Bericht der Arbeitsagentur besagt: Organisierte Banden locken EU-Zuwanderer gezielt mit falschen Versprechungen in die Volmestadt und nutzen sie aus

Wer jetzt harte Fakten erwartet hätte, wurde enttäuscht. Obwohl die Westfalenpost behauptet, ihr läge ein interner Bericht der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg vor, in dem Hagen als „eine von sieben Hochburgen des organisierten Leistungsmissbrauchs“ qualifiziert sein soll, ist das Blatt nicht dazu in der Lage, dies auch zu belegen. Es werden noch nicht einmal auf Hagen zutreffende Zitate aus dem vermeintlichen Bericht wiedergegeben. Der ganze Artikel gibt erst einmal in epischer Breite die Machenschaften von Banden wieder, aber in Bezug auf Hagen wimmelt er nur von Formulierungen im Konjunktivischen.

t-online.de berichtet dagegen: „Eine Bundesagentur-Sprecherin warnte allerdings vor dem Eindruck, die überwiegende Zahl der Ermittlungen beziehe sich auf Fälle von „organisierter Leistungskriminalität“. Tatsächlich richteten sich die Ermittlungen in erster Linie gegen Hartz-IV-Bezieher, die mit falschen Angaben zu Unrecht Leistungen bezogen hätten, ohne dass dahinter eine Bande stehe.“

Erst im hinteren Bereich des mit reißerischer Überschrift von der Westfalenpost gewitterten Skandals holen die mit der Sache befassten Personen den Verfasser des Artikels, immerhin den Lokalchef des Blattes Koch, auf den Boden der Tatsachen zurück:

So hat die Hagener Polizei nach einem Hinweis aus dem Jobcenter einen größeren Fall aufklären können. (…) Eine größere Zahl solcher Verfahren gebe es aber nicht, so Bode: „Die Spezialisten bei uns im Haus haben bislang noch keine Häufung feststellen können.“ (…)

Hagens Arbeitsagenturchef Marcus Weichert ist um ein differenziertes Bild bemüht: „Ganz viele Rumänen und Bulgaren arbeiten hier ganz normal und halten sich an die Regeln.“

Die Westfalenpost rückt in ihrer Print-Ausgabe allerdings eine andere Aussage Weicherts prominent in den Mittelpunkt: „Lebenslange Leistungssperre muss möglich sein.“

Die Leserschaft des Blättchens hat die Zielrichtung dieser Berichterstattung jedenfalls verstanden, wie die Kommentare auf der Fakebook-Seite der WP zeigen. Mit im Rennen – wen wundert es – auch Rainer Preuß, Ratsmitglied der „Grünen“, der ersichtlich nicht wahrnehmen kann, dass ein möglicher Missbrauch von Leistungen nicht an Nationalitäten gebunden ist:

Auf eine Anfrage der Fraktion Hagen Aktiv im Januar hatte das Jobcenter Hagen mitgeteilt, im Jahr 2017 in 40 Fällen Einstellungen oder Reduzierungen von Hartz-IV-Leistungen vorgenommen zu haben. Kontrolliert wurden mehr als 12.000 Personen, also statistisch jeder in Hagen lebende Rumäne oder Bulgare zweimal. Die dabei festgestellten Unregelmäßigkeiten betrugen demnach 0,3 Prozent.

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Eine Antwort to “WP: Die Stimmungsmacher im Konjunktiv”

  1. Umleitung: von der reißerischen Westfalenpost zur Einstellung der Familienpflege und mehr … | zoom Says:

    […] Westfalenpost – die Stimmungsmacher im Konjunktiv: eine reißerische Headline, sonst hat die Westfalenpost nichts im Angebot … doppelwacholder […]

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