Hagen Aktiv beugt sich dem Druck der Straße

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Wählergemeinschaft will noch mehr Gehwege in Parkplätze umwandeln

Dieselbetrug, schlechte Luft, verstopfte Straßen. Man sollte annehmen, jetzt wäre es an der Zeit, aufzuwachen und die Weichen in Richtung einer Verkehrswende zu stellen: Weg vom motorisierten Individualverkehr und hin zu einem Umweltverbund, der diesen Namen wirklich verdient. Aber nix da!

In der Sitzung des Umwelt- und Mobilitätsausschusses am morgigen Dienstag tischt die Wählergemeinschaft Hagen Aktiv zum wiederholten Male ihre Forderung auf, noch mehr Gehwege in Parkplätze umzuwandeln.

In dem Antrag, den Hagen Aktiv schon im Oktober vergangenen Jahres in den Rat eingebracht hatte und der damals in die Fachausschüsse verwiesen wurde, heißt es: „Die Verwaltung wird beauftragt, zu prüfen, an welchen Stellen im Stadtgebiet, insbesondere in den Wohnbezirken, neue Parkflächen durch halbseitig oder vollflächig aufgeschultertes Parken auf Gehwegen ausgewiesen werden können“.

Immer wieder beschwerten sich Bürgerinnen und Bürger über fehlende Parkplätze. Gerade in den Wohngebieten herrschten teilweise unzumutbare Parkzustände, hat Hagen Aktiv festgestellt und liefert den Grund gleich mit: „Im Schnitt verfügt ein Haushalt heute über zwei Fahrzeuge, vielfach sogar über drei und mehr.“

Das bedeutet nicht anderes, als dass diejenigen, die sich jetzt beschweren, genau für diese Zustände die Verantwortung tragen.

Hagen Aktiv stellt zutreffend fest, dass „jahrzehntelang falsches Parken in den Wohnbezirken nur sporadisch oder bewusst nicht geahndet worden ist und die Anwohner jetzt sehr überrascht sind, dass in jüngster Vergangenheit an diesen Stellen sehr wohl Parkverstöße geahndet werden“. Die Wählervereinigung kritisiert aber nicht etwa die jahrzehntelange Duldung diese Rechtsverstöße durch die Verwaltung, sondern will diejenigen, die sich in der Vergangenheit nicht an geltendes Recht gehalten haben, auch noch belohnen: Es sei aus diesem Grund „zwingend notwendig“, die „nutzbaren Parkflächen“ zu vergrößern. Dazu sollen noch mehr Gehwege zweckentfremdet werden.

Die „Verkehrsteilnehmer“ müssten „Rechtsicherheit“ haben. Zu den Verkehrsteilnehmern gehören nach dieser „Aktiv“-Logik Fußgänger jedenfalls nicht. Deren Rechte wurden jahrzehntelang, wie Hagen Aktiv ja selbst einräumt, durch die Nichtahndung von Gehwegparken missachtet, was die Fraktion aber nie zu einem Antrag veranlasst hat.

Jetzt glaubt die im Schlepptau der „Allianz des Grauens“ hängende Wählervereinigung der Beliebigkeit (sie hat kein Wahlprogramm, als Ersatz horcht sie jeden Samstag die Befindnisse „besorgter“ Bürger ab), dass noch weitere Gehwege zugestellt werden müssten, „wenn Hagen als Wohnort attraktiv gehalten werden soll“. Wer gerne auf einem Schrottplatz wohnt, wird letzteres sicher sofort unterschreiben.

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3 Antworten to “Hagen Aktiv beugt sich dem Druck der Straße”

  1. Hansimäuschen Says:

    Abgesehen von welcher Partei auch immer : Gesundheit ( zu schadstoffbelastete Luft, ganz ohne geht wohl nicht ), verstopfte Straßen und Rücksichtslosigkeit gegenüber Fußgängern sind natürlich ganz wichtige Punkte. Die Mobilität gerade älterer, alter, behinderter Menschen wohl ohne Frage auch.
    Es kann nicht sein, auch nicht einer Verkehrswende, diese aufgrund ihrer Einschränkungen auf Fahrräder und wackelige Stehplätze in Bussen zu schicken. Auch nicht auf Sitzplätze, so sie zur Verfügung stehen, weil Haltestellen z. B. einfach zu weit entfernt bzw. aufgrund der topografischen Lage ( z. B. zu steile Straßen ) kaum erreichbar sind.
    Man muß schon ( noch ) genauer hinschauen, damit alles irdendwie unter einen Hut gebracht wird, und das sind sowohl “ Politik “ als auch wir Alle.

    • ws Says:

      Gerade ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen sind, neben Eltern mit Kinderwagen, diejenigen, die am meisten unter den als Stellplatz missbrauchten Gehwegen zu leiden haben.

  2. Hansimäuschen Says:

    @ws: richtig, war ja auch nicht ohne Grund angesprochen. Gleichwohl ist es nur die eine Seite der Medaille ( parken können muß der angesprochene Personenkreis ja zudem auch noch ), und es bleibt aus meiner Sicht eine diffizile Beurteilung in den einzelnen Ortsteilen und Straßen.

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