WP-Chefredakteur wird Jurymitglied bei Journalismuspreis

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CDU-nahe Stiftung belohnt ihre Claqueure

Der Journalist Pascal Hesse hat in einem offenen Brief die Besetzung der Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung mit Jost Lübben kritisiert.

Lübben ist nicht nur Chefredakteur der Hagener „Westfalenpost“, sondern auch der  „Westfälischen Rundschau“, die nur noch als redaktionslose Hülle existiert. Beschwerdeführer Hesse kritisiert: „Die Funke Mediengruppe, die diese Zeitung ja vertreibt, herausgibt, hat die Redaktion in den letzten Jahren erlassen und die Inhalte werden heute von anderen Medien übernommen. Ich frage mich persönlich, warum man ausgerechnet den Chefredakteur einer solchen Zeitung in eine Jury beruft, die sich qualitativ hochwertige Beiträge anschaut und dafür den Deutschen Lokaljournalismuspreis vergeben soll.“

Heike Groll, die Vorsitzende der „Jury Deutscher Lokaljournalistenpreis“ der Konrad-Adenauer-Stiftung, teilte nach Angaben des Deutschlandfunks schriftlich mit, „dass Jost Lübben eine große Bereicherung für die Jury sei und in der Branche als einer der Vordenker des modernen Lokaljournalismus gelte“.

Wie der „moderne Lokaljournalismus“ des Weges kommt, dürfen die Leser der Hagener Lokalteile von WP und (textidentischer) WR an sechs Tagen in der Woche über sich ergehen lassen. Wenn das die Ergebnisse des „Vordenkers“ Lübben sind, darf sich die verbliebene Leserschaft des eh schon an Auflagenschwindsucht leidenden Blattes noch auf einiges einstellen.

Kritik an der Besetzung der Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung

Offener Brief an den Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und die Jury des ‚Deutschen Lokaljournalistenpreises’

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Norbert Lammert, sehr geehrte Frau Heike Groll,

mit großer Verwunderung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Wirkung zum 1. Januar 2018 Herrn Dr. Jost Lübben in die Jury Ihres renommierten ‚Deutschen Lokaljournalistenpreises’ berufen hat. Herr Dr. Lübben ist seit 2015 Chefredakteur der im nordrhein-westfälischen Hagen publizierten Westfalenpost Hagen sowie der in Dortmund erscheinenden Westfälische Rundschau. Zuvor war er Chefredakteur der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven.

Als Journalist mag Herr Dr. Lübben womöglich eine Koryphäe sein. Dies vermag ich allerdings nicht zu beurteilen, da ich ihn bislang weder persönlich noch im redaktionellen Alltag kennenlernen durfte. Zur persönlichen wie fachlichen Befähigung von Herrn Dr. Lübben werde ich aus diesem Grund keine Aussage treffen. Der Grund meiner Verwunderung ist anderweitig verortet.

Als Journalist, der seit mehr als einem Jahrzehnt überwiegend im Lokalen tätig ist, empfinde ich die Berufung von Herrn Dr. Lübben als einen Affront. Sie stellt ein katastrophales medienpolitisches Zeichen dar, das weder dem deutschen Lokaljournalismus noch der KAS, ihrem Namensgeber und dem renommierten Journalistenpreis würdig ist. Im Gründungsdokument des ‚Deutschen Lokal­journalisten­preises’ ist festgeschrieben: „In einer von Informationen überfluteten Welt orientiert der Lokalredakteur den Bürger auf seine eigentliche, sein Leben bestimmende Umwelt, macht sich darin zum Anwalt des Bürgers. Er bringt Nähe und bürgerliches Verant­wortungs­bewusstsein in die Städte und Gemeinden. Er trägt wesentlich dazu bei, die demokratische Kultur in unserem Land zu pflegen und weiter zu entwickeln.“ Nicht ohne Grund gilt der ‚Deutsche Lokaljournalistenpreis’ als eine Art ‚Oscar’ für Lokaljournalisten. Ich zitiere aus Ihrer Selbstdarstellung unter www.kas.de: „Der Deutsche Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung wird vergeben für herausragende Arbeiten und Konzepte im Lokalteil. Der Preis soll Redaktionen anspornen, die Qualität im wichtigsten Ressort der Zeitung hochzuhalten.“ Und weiter: „Die Auszeichnung, die seit 1980 vergeben wird, hat sich längst als wichtigster Medienpreis Deutschlands etabliert. Dies liegt vor allem an der unabhängigen Jury, die seit Anbeginn journalistische Qualität und keine Gesinnung auszeichnet.“

Herr Dr. Lübben verantwortet die in Dortmund beheimatete ‚Westfälische Rundschau’, die erstmals am 20. März 1946 erschienen ist. Das Verbreitungsgebiet ist das westfälische Ruhrgebiet, das Sauerland und Siegerland. Nach dem II. Weltkrieg war die WR eine Neugründung und als Lizenzzeitung durch die Vorgaben der britischen Militärregierung ebenso ein neuer Zeitungstyp. Die Lizenznehmer, namentlich Fritz Henßler, Paul Sattler und Heinrich Sträter, verstanden die WR als Nachfolgezeitung des 1933 durch die Nationalsozialisten verbotenen und aufgelösten ‚General-Anzeiger’. Er war – außerhalb von Berlin – die auflagenstärkste Tageszeitung der Bundesrepublik, bis ihr gesamtes Betriebsvermögen beschlagnahmt und die Zeitung anschließend von der NSDAP als Parteizeitung weitergeführt wurde. 1975 wurde die WR-Verlagsmehrheit vom konkurrierenden Verlag der WAZ übernommen.

Gestern auf den Tag genau vor fünf Jahren, am 15. Januar 2013, hat die damalige WAZ-Gruppe (heute Funke Mediengruppe) den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der WR in einer Betriebsversammlung verkündet, dass sie zum Februar nicht mehr gebraucht würden. Seit dem 2. Februar 2013 füllen die ‚Ruhr-Nachrichten’ die lokalen Seiten des Dortmunder Titels. 120 fest angestellte Redakteure und annähernd 180 freie Journalistinnen und Journalisten verloren mit dieser in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmaligen medienpolitischen Fehlentscheidung ihren Arbeitsplatz beziehungsweise ihren Auftraggeber. Für die Medienvielfalt in Nordrhein-Westfalen war das de facto-Ende der Traditionszeitung ‚Westfälische Rundschau’ ein harter Schlag. Ich verweise Sie diesbezüglich auf das Internetportal www.medienmoral-nrw.de des ‚Deutschen-Journalisten-Verbands DJV Landesverband NRW und der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di, die den Verlauf dieser bundesweit einmaligen Entwicklung der Zombie-Zeitung ‚Westfälische Rundschau’ dokumentiert.

Dass sich Herr Dr. Lübben dafür hingegeben hat, als Chefredakteur der ‚Westfälischen Rundschau’ und somit als Chefredakteur einer Zombie-Zeitung ohne eigene Redaktion herzuhalten, muss er vor seinem journalistischen Gewissen verantworten. Mit journalistischer Qualität und Ansprüchen hat diese Entscheidung jedoch nichts zu tun. Umso verwunderter bin ich, dass er nunmehr als Juror für Qualität im Lokaljournalismus fungieren soll. Ich empfinde dies jedenfalls als zynisch. Ich vernehme seit dem Rauswurf der Journalistinnen und Journalisten bei der WR jedenfalls keinerlei herausragende Arbeit in diesem Hause, jedenfalls nicht aus der eigenen Schreibe. Die ‚Konrad-Adenauer-Stiftung’ als politische Stiftung muss sich fragen lassen, ob sie die Entwicklung der WR als gelungenes Konzept für Lokalteile in der Bundesrepublik Deutschland erachtet – weg von Medienvielfalt und Qualität, hin zu Einheitsbrei und Meinungsverfall.

Dass die Konrad-Adenauer-Stiftung den Chefredakteur der qualitätslosen Zombie-Zeitung ‚Westfälische Rundschau’ in die Jury des ‚Deutschen Lokaljournalistenpreises’ berufen hat, ist eine Farce und in keiner Weise nachvollziehbar. Die Berufung von Dr. Jost Lübben als Chefredakteur der ‚Westfälischen Rundschau’ in die Jury des ‚Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung’ ist vielmehr ein Faustschlag in die Gesichter aller Lokaljournalisten, die die Qualität im wichtigsten Ressort der Zeitung selbst unter schwierigsten Bedingungen und mit immer weniger Personal und immer geringeren Etats hochhalten.

Ich bitte Sie aufgrund der vorgebrachten Gründe zu überdenken, ob die Berufung des Chefredakteurs der ‚Westfälischen Rundschau’ mit den hehren Zielen der ‚Konrad-Adenauer-Stiftung’ und des ‚Deutschen Lokaljournalistenpreises’ vereinbar ist.

Mit freundlichen Grüßen Pascal Hesse

3 Antworten to “WP-Chefredakteur wird Jurymitglied bei Journalismuspreis”

  1. Hansimäuschen Says:

    Mal abgesehen von den m. E. blödsinnigen, selbstbeweihräu-chernden Preisverleihungs-Orgien überhaupt und Zombie-Zeitung :
    Hat einer der großen Vordenker namens Lübben nicht auch den vor vielleicht einem guten Jahr überarbeiteten online-Auftritt mit der Parole “ Mutig – offen – mittendrin “ zu verantworten ?
    Dieser hat es z. B. fertig gebracht, daß dort – im Gegensatz zu vorher – kaum noch von Lesern kommentiert wird ( wobei Löschungen und, allerdings naturgemäß, Sperren nicht mehr ersichtlich und nachvollziehbar sind ) und nur in äußerst seltenen Fällen noch ein Austausch unter Nutzern stattfindet.
    Es wurden einige Hürden, um überhaupt kommentieren zu können, eingebaut, offenbar nicht hinterfragte Zusatz-Bezahlangebote zum lesen der ganzen, bis dahin abgehackten Artikel ( “ Premium “ ) gemacht und werden ( bekanntermaßen ) ferner Kommentare weiterhin gelöscht, die in keinster Weise gegen die Netiquette verstoßen, sondern offensichtlich aus anderen Gründen…
    Weder muß betont werden, wie bürgernah das alles daher kommt, noch, daß es selbstredend keinerlei Eigentor nach dem anderen bedeutet.
    “ Mutig “ wobei, “ offen “ ach ja und “ mittendrin “ wo drin denn ? Kommt Jemand in Essen mal auf die Idee, daß Parolen sich ins Gegenteil verkehren können, wenn sie lediglich als Absichtserklärungen ( oder sind sie das nicht einmal ? ) proklamiert werden ?
    Noch eins : Interessant wäre, zu wissen, nach welchen Kriterien es sich richtete, welche Hagener Journalisten im z. B. letzten Jahrzehnt die Redaktion verlassen und welche bleiben mußten. Sicher soziale, oder ?
    Interessant auch, daß es den Doppelwacholder gibt. Aber das ist ja nicht nur interessant 🙂 🙂 🙂

  2. Allan Qutermain Says:

    @Hansimaeuschen, ich habe mir abgewöhnt, dort zu Kommentieren.

    Nachdem andere Zeitgenossen unter zig Aliasnamen dort schreiben,
    oder auch Mal der eigene Nickname dort gekapert wurde,
    ich auch zu blöd für deren Netiquette bin,
    schreibe ich dort keine Kommentare mehr.

    Aber schön ist es auch alte Berichte zu lesen, danke ws.
    920 Millionen Euro hatte die Funke Gruppe der Springer Gruppe für den Ankauf von ein paar Zeitungstitel bezahlt.

    Davon alleine 640 Millionen Euro für die Hör Zu.

    Aber kein Geld für einen anständigen Sozialplan ihrer gekündigten Journalisten. Auch das alle paar Monate die Chefredaktion gewechselt hat, muss doch einen Grund haben?

    Und jetzt nach 4 Jahren gibt es für die Heimattitel nur noch Füllstoff aus Essen, Hamburg und Berlin.

    Aber Abschreiben mit 2 Tagen Verspätung, scheint große Mode bei den Zeitungen zu sein. Sogar die alte Tante SPIEGEL schreibt aus anderen Nachrichten-Blätter ab.

    In Hamburg läuft demnächst ein Prozess, weil der Fokus aus der Blöd wortwörtlich abgeschrieben hat.

    Der hiesige Leser von WR/WP weiss doch gar nicht, dass er Resteverwertung für die Hamburger MOPO liest.

    Aber auch das Lokal-Radio, auch die Funke-Gruppe, bedient/e sich zur Zweitverwertung, anderer Sender.
    Ob das immer noch Usus ist, keine Ahnung.

  3. Hansimäuschen Says:

    @ Allan Qutermain: Es geht ja auch nicht speziell um mich, und SO macht es in der Tat keinen Spaß, wobei mir die Nicknamen Anderer egal sind ( manchmal allerdings ganz lustig ).
    Ich vermute nur, daß viele Leser Zeitung und online als Ganzes sehen und ferner, daß FunkeMedien den Leser mit den Zuzahlungsangeboten ( “ Plus “ gibt´s, glaube ich, auch noch ) zum lesen des kompletten Artikels verlocken und sich somit zusätzliche Einnahmen verschaffen wollte ( interessant vielleicht, wie hoch tatsächlich.. ).
    Berücksichtigt hat man hierbei aber nicht deren Verärgerung aus den im Vorkommentar beschriebenen Gründen und den Schritt zur ABO-Kündigung ( auch da wäre der spezifische Einnahme-Ausfall und eine Gegenüberstellung interessant, was sich aber wohl kaum eruieren läßt ).
    Ich sehe Neugestaltung und Handhabung dieses Portals ( modern ist eben nicht gleich besser oder schöner ) als falsche Strategie und kapitalen Fehler. Bei Zuzahlungen muß man ja zudem den regulären ABO-Preis sehen, für den man monatlich glatt 2-3 gute Taschenbücher oder 1 1/2 gebundene bekommt.
    Last but not least ist es mit Vordenkern ( s. Artikel ) so eine Sache, wenn bereits nachdenken oder/und überdenken schwer fällt.

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