Eine Bühne für den Ideologen

by

Friedrich Merz Gastredner bei der SIHK

Friedrich Merz, Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke und Aufsichtsratschef für Deutschland beim weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock, hält die Festansprache auf der 67. Jahresveranstaltung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) am 7. Dezember 2017 in der Stadthalle Hagen.

Erst kürzlich hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den neoliberalen Flügelmann der CDU aus der politischen Versenkung zurückgeholt und ihn zum „Brexit-Beauftragten“ der Landesregierung ernannt. Daneben soll er den Aufsichtsratsvorsitz beim Flughafen Köln/Bonn übernehmen.

Die 1952 gegründete Atlantik-Brücke gilt als eine der effektivsten und konservativsten Pressuregroups in Deutschland. Als Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins galt der Beginn des sogenannten Kalten Krieges. Die USA suchten nach Möglichkeiten verdeckter Einflussnahme auf die Bundesrepublik Deutschland.

Die Mitgliedschaft in diesem mit namhaften Personen aus Wirschaft, Politik und Gesellschaft besetzen Verein kann nur durch Nominierung und Kooptation durch den Vorstand erreicht werden. Die Arbeitsweise ist durch Verschwiegenheit und mangelnde Transparenz gekennzeichnet, trotz unmittelbarer Nähe von Politik zur Wirtschaft.

Diese nicht-offizielle, nicht-demokratisch legitimierte Struktur trägt dazu bei, dass Schranken zwischen Wirtschaft und Politik verschwinden und selbsternannte Eliten zunehmend wieder an Gewicht gewinnen.

BlackRock ist die größte Investmentgesellschaft der Welt. Sie verwaltet etwa 6 Billionen US-$ (nicht billions = Milliarden) und ist damit ein Akteur, dessen Einfluss weit über die Grenzen des Marktes hinausreicht.

Die Wirtschaftsjournalistin Heike Buchter beschreibt den Giganten so: „BlackRock ist ein Unternehmen, das Beteiligungen an so ziemlich allen großen Unternehmen dieser Welt hat. Auf der Kundenliste haben sie die großen Pensionskassen der Welt, Stiftungen, Staatsfonds, sie beraten Zentralbanken, unter anderem auch die Europäische Zentralbank. Sie können nennen, wen oder was Sie wollen, im großen Bereich der Finanzen: BlackRock ist irgendwo mit irgendwas beteiligt.“

Heike Buchter hat ein Buch über dieses verschwiegene Imperium verfasst:

„Black Rock ist ein Vermögensverwalter. Aber das ist so, als wenn man sagen würde, Versailles sei ein Sommerhaus oder die Pyramiden ein Haufen Grabsteine … Goldman Sachs, die Deutsche Bank, die Allianz – sie alle verblassen dagegen. (…)

„Das Problem der neuen Germany Inc. ist nicht, dass sich BlackRock oder die ausländischen Großaktionäre in die Unternehmen einkaufen, um dann den Vorstand herumzukommandieren. Im Verhältnis zu den deutschen Unternehmen ist BlackRock wie ein New Yorker Immobilienmogul, der sich müht, seine Besitzungen in Übersee so profitabel und reibungslos wie möglich zu betreiben. So lange der Verwalter sich als zuverlässig erweist, besteht kein Grund sich einzumischen. Doch irgendwann passt das Haus nicht mehr in das Portfolio oder das Haus braucht eine aufwendige und langwierige Sanierung, dann verkauft der Eigentümer es einfach. Im schlimmsten Fall an ein Abbruchunternehmen, eine Heuschrecke.“

Dazu passend:

Von Atlantik-Brücken und BlackRock-Monstern konnte der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann noch nichts ahnen, als er im Jahr 1845 sein weltberühmtes Bilderbuch Struwwelpeter herausbrachte; darin die Geschichte vom bösen Friederich. Die Methoden haben sich inzwischen verfeinert, aber die Rolle des am Ende siegreichen Hundes, in diesem Zusammenhang allegorisch zu verstehen, ist noch immer nicht besetzt.

Die Geschichte vom bösen Friederich

Der Friederich, der Friederich
das war ein arger Wüterich!
Er fing die Fliegen in dem Haus
und riß ihnen die Flügel aus.
Er schlug die Stühl und Vögel tot,
die Katzen litten große Not.
Und höre nur, wir bös er war:
Er peitschte seine Gretchen gar!

Am Brunnen stand ein großer Hund,
trank Wasser dort mit seinem Mund.
Da mit der Peitsch herzu sich schlich
der bitterböse Friederich;
und schlug den Hund, der heulte sehr,
und trat und schlug ihn immer mehr.
Da biß der Hund ihn in das Bein,
recht tief bis in das Blut hinein.
Der bitterböse Friederich,
der schrie und weinte bitterlich.
Jedoch nach Hause lief der Hund
und trug die Peitsche in dem Mund.

Ins Bett muß Friedrich nun hinein,
litt vielen Schmerz an seinem Bein;
und der Herr Doktor sitzt dabei
und gibt ihm bittre Arzenei.

Der Hund an Friedrichs Tischchen saß,
wo er den großen Kuchen aß;
aß auch die gute Leberwurst
und trank den Wein für seinen Durst.
Die Peitsche hat er mitgebracht
und nimmt sie sorglich sehr in acht.

Advertisements

3 Antworten to “Eine Bühne für den Ideologen”

  1. Günther Burbach Says:

    Black-Rock, Atlantic-Brücke und die SIHK, sollte man warten bis alle versammelt sind und dann müsste ein Sondereinsatzkommando komplett alle Anwesende verhaften. Anschließend zu 5000 Sozialstunden zum Wohl der Allgemeinheit verurteilen.

  2. Allan Qutermain Says:

    Das mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden beim Flughafen Köln/Bonn, ist in die Sprichwörtliche Hose gegangen.
    Das hätte sich Laschet irgendwie anders vorgestellt.

    Merz sollte die Anteile vom Land NRW privatesieren helfen.
    Danach wären die Anteile des Bundes dran gewesen.

    Von den noch Aufsichtsrat hat Laschet und Co eine richtige Klatsche
    bekommen. Hat wohl nicht alles auf ein Bierdeckel gepasst?

    Ich Frage mich auch immer, wie lange soll diese Zwangsmitgliedschaft in der IHK noch ihren Bestand haben?

    Das System IHK mir seinen Zwangsbeitraegen gibt es nur in Deutschland. Alles von der Politik und ihren genehmen Gerichten so gewollt.

    Der Merz labert auch nicht für ein Vergelts Gott.
    Alleine die Einladungen zu dieser Veranstaltung gehen nur an Honorige IHK Mitglieder.

    Und nicht an den Kiosk Inhaber, Pommesbuden Besitzer oder
    Pizza Bäcker, als Zwangsmitglied.

  3. Umleitung: Von braunen Saubermännern über Friedrich Merz und die Westfalenpost zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz | zoom Says:

    […] Friedrich Merz Gastredner bei der SIHK: Eine Bühne für den Ideologen … doppelwacholder […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: