Kohle – in die Tonne gekloppt

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Müll in Hagen 143 Prozent teurer als in Gelsenkirchen

„Schlusslicht! HEB mit den niedrigsten Abfallgebühren“, prahlt der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) auf seiner Homepage. Als „Beleg“ dienen Balkendiagramme, die das Hagener Gebührenniveau äußerst vorteilhaft als im unteren Bereich angesiedelt darstellen. Die Namen der Vergleichskommunen hat man dabei allerdings bewusst verschwiegen, denn anderenfalls wäre der Schwindelcharakter dieser Darstellungen sofort aufgeflogen.

Aus der Rubrik „Lügen mit Zahlen“: Die Vergleichskommunen werden nicht genannt, die Angaben sind daher auch nicht überprüfbar. Screenshot: HEB

Unter den nordrhein-westfälischen Großstädten zählt Hagen im Gegenteil zu den Kommunen mit den höchsten Abfallgebühren. Ein Haushalt mit einer 120-Liter-Restmülltonne zahlt bei wöchentlicher Leerung pro Jahr in Hagen 143 Prozent mehr als ein entsprechender Gelsenkirchener Haushalt. Ein Unterschied von 260 Euro. Kohle, die hier im wahrsten Sinne in die Tonne gekloppt wird.

Dabei legt Gelsenkirchen sogar noch ein Sahnehäubchen obendrauf: Die kostenlose Sperrmüllabfuhr, ein Thema, das aktuell in Hagen diskutiert wird. Während in der Volmestadt die Bürger mit angeblich zu erwartenden Gebührenerhöhungen eingeschüchert werden, stellt die Sperrgutabfuhr in Gelsenkirchen trotz eh schon wesentlich niedriger Gebüren allem Anschein nach kein Problem dar.

Auch das bergische Städtedreieck schneidet günstiger ab. Hagener zahlen über 30 Prozent mehr als Remscheider, im Beispielfall eine Differenz von über 100 Euro. Im Vergleich zu Solingen sind es 85 Euro mehr und zu Wuppertal immer noch 63 Euro. In Remscheid ist die Sperrmüllabfuhr ebenfalls kostenlos, in Solingen einmal pro Jahr, darüberhinaus wird nur ein Pauschalpreis von 20 Euro fällig. Wuppertal sammelt viermal pro Jahr kostenlos ein.

Nicht viel anders sieht es im Bergischen bei der Straßenreinigung aus. Während in Hagen der laufende Grundstücksmeter an der Straßenseite in Straßen mit überörtlicher Bedeutung bei wöchentlicher Reinigung mit 3,20 Euro zu Buche schlägt, wird in Remscheid nur die Hälfte erhoben: 1,60 Euro. In Solingen beträgt die Gebühr 1,81 Euro und in Wuppertal 2,55 Euro. Bei Straßen mit innerörtlicher Bedeutung sind die Verhältnisse ähnlich.

Auffallend ist die Tatsache, dass diese Leistungen in den vier hier genannten Kommunen, die wesentlich bürgerfreundlichere Tarife als Hagen verlangen, von städtischen Eigenbetrieben erbracht werden. Der Hagener Entsorgungsbetrieb hat dagegen die Rechtsform einer GmbH. Das bedeutet, dass in der Gebührenkalkulation beispielsweise auch Personalkosten mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet werden, obwohl die Steuer auf Löhne und Sozialversicherung gar nicht erhoben wird. Eigenbetriebe stellen dagegen in diesem Bereich keine Mehrwertsteuer in Rechnung.

In Eigenbetrieben werden auch keine warmen Plätzchen für ehemalige Dezernenten vorgehalten, die dort ihr Gnadenbrot als Geschäftsführer verzehren. Anders in Hagen: Im Geschäftsjahr 2015 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) betrugen die Bezüge des HEB-Geschäftsführers Dr. Herbert Bleicher insgesamt 204.400 Euro. Die Bezüge von Ko-GF Manfred Reiche beliefen sich auf 176.400 Euro.

Auch der HEB war einmal ein Eigenbetrieb. 1998 beschloss der Stadtrat auf Vorschlag der Verwaltung einen Umbau der Organisationsstruktur des Entsorgungsbetriebs, „um die Möglichkeiten privatwirtschaftlichen Handels im Interesse der Stadt und der Gebührenzahler zu nutzen“, wie es in einer Broschüre des HEB dargestellt wird.

Der Zahlenvergleich oben bringt es an den Tag: Es waren und sind nur die üblichen Lügengeschichten aus der Propagandaabteilung. Die Gebührenzahler haben keinen Vorteil, sie sind eindeutig die Gelackmeierten.

3 Antworten to “Kohle – in die Tonne gekloppt”

  1. Jürgen Dute Says:

    Herzlichen Glückwunsch. Ein Betrieb, der mit dem Wohl des Gebührenzahlers nichts zu tun hat. „Hauotsache es werden die eigenen Taschen gefüllt“. Trotz aller Armut der Entscheidungsträger. Gut, dass es den „Gebührenmichel“ gibt. DANKE du doofer Gebührenzahler.

  2. Allan Qutermain Says:

    Es kann natürlich auch daran liegen, dass die umliegenden Entsorgungsbetriebe nicht so viele Teilhaber haben?

    Wer sitzt denn so in Hagen bei der HEB mit an den gedeckten Tisch.
    Die Stadt Hagen als noch Haupteigner, dann kommt die DEW21 und nicht zu vergessen, die Firma Remondis.

    Das man da 2 Geschäftsführer und eine Pressetante für das Grobe benötigt, sollte jeden Hagener klar sein.
    Auch der Personalrat soll nicht so ohne sein.

    Aber wahrscheinlich nicht für die Mitarbeiter der HUI.
    Die sind immer nach das 2te Rad der HEB.

    Dann gibt es noch so eine schöne GMBH in Kabel.
    Auch dort wollen viele Gesellschafter vom Kuchen naschen.

    Man braucht gar nicht so weit zu schauen.
    In Ennepetal und Breckerfeld gibt es neben der Restmüllabfuhr,
    noch Sperrmüll- Abfuhrtage. Für alle Einwohner!

    Und jetzt raten wir Mal, wer diese Abfuhrtage für diese beiden Städte organisiert.? Richtig geraten. 2 Privatfirmen.

    Ich habe schon vor Jahren nicht kapiert,
    warum die Stadt Gevelsberg mit der Restmüllabfuhr günstiger ist,
    wie die Stadt Hagen.

    Benutzen doch alle beide,
    die Müllverbrennungsanlage in der Hamecke.

  3. Jürgen Dute Says:

    Zu den GF-Bezügen gibt es neue Zahlen (Beteiligungsbericht 2016/2017 EDG). Danach GF Bleicher 209,5 T€ und GF-Reiche 182,6 T€. Im Vergleich zum VJ nur eine seichte Steigerung. Zudem kann man sehr schön die Gewinne ersehen. Gut, dass diese so sind. Ansonsten wären die Müll- und Straßenreinigungsgebühren wohl mehr gestiegen. Wir sollten im Grunde mehr Dankbarkeit zeigen.

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