Ladenhüter – frisch ausgepackt

by

SIHK und DGB beleben eine Phantomdebatte

Der Geschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), Ralf Geruschkat, und der Hagener DGB-Chef Stefan Marx fordern „eine absolute Planungs-Priorität für Gewerbeflächen in Hagen“. So berichtete es die WPWR in ihrer Samstagsausgabe.

„Der Bedarf an neuen Gewerbeflächen, gerade auch für die Erweiterung bestehender Firmen, ist groß“, so zitiert die Zeitung Ralf Geruschkat. „Aber in Hagen reichen unsere Reserven an restriktionslosen, verfügbaren Flächen nur noch für knapp zwei Jahre. Die Wirtschaft brummt, sie wartet nicht auf Hagen.“

Der letzte Satz ist sicherlich richtig, der Rest aber nach allen Erfahrungen sehr anzuzweifeln. Keiner der spektakulären Firmenabgänge der letzen Jahre hatte seine Ursache im Fehlen von ausreichenden Flächen. Die Gründe lagen beispielweise in fehlkonstruierten staatlichen Subventionen, die sich Zwiebackproduzent Brandt zunutze machte und die Produktion nach Thüringen auslagerte.

Die Douglas-Zentrale wurde nach Düsseldorf verlegt, weil sich angeblich in Hagen die benötigten Fachkräfte im IT-Bereich nicht finden ließen. In Wahrheit dürfte es eher ums Image gegangen sein: Der Name Düsseldorf riecht eben für die Duftwasserszene anders als Hagen.

Auch der Weggang von NordWest wurde von Unternehmensseite ganz unverblümt mit den mangelhaften Umfeldqualitäten der Stadt begründet. Die werden an der Bundesstraße 1 in Dortmund offenbar als besser eingeschätzt. Dort wird auch eine Niederlassung der Deutschen Bundesbank errichtet, die 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll. Die Hagener Filiale an der Grabenstraße wird dann aufgegeben. Der Grund liegt auch hier nicht an mangelnden Flächen, sondern in der Umstrukturierung der Bank.

Weitere Beispiele sind die Dolomit-Werke oder SinnLeffers. Verlagerung und Aufgabe von Betriebsteilen bzw. Übernahme und Insolvenz wären hier als Ursachen zu nennen. Platzmangel weil, wie DBG-Marx laut WPWR meint, in Hagen eine Expansion nicht möglich sei, spielte in keinem dieser Fälle eine Rolle.

Andererseits sind Gewerbeflächen immer wieder verschleudert worden oder es fanden sich erst gar keine oder nur dubiose Interessenten. An Letztere wurde sogar verkauft – zum Schleuderpreis wie beim Schlachthofgelände. Direkt daneben liegt das ehemalige Areal der Mark-E, auf dem sich ein buntes Sammelsurium eingerichtet hat, das nicht unbedingt zu einer großartigen Wertschöpfung mit positiven Auswirkungen auf die Gewerbesteuern oder zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen dürfte, wie sich das die beiden Vertreter von SIHK und DBG so vorstellen.

Vor allem müssten sich deren Forderungen in erster Linie an die Politik richten. Es waren in der Vergangenheit immer politische Entscheidungen, die Fehlentwicklungen bei Gewerbeflächen verursacht haben. Und das nicht nur in den beiden beschriebenen Fällen.

Ein eklatantes Beispiel ist hier die direkt neben der Autobahn A 45 gelegene Fläche in Haßley. Wenn, ja wenn schon weitere Grünflächen auf Wunsch der Ratsmehrheit versiegelt werden, dann aber bitte nicht so und hinterher wieder jammern.

Die sogenannte „Haßleyer Insel“ steht als Fläche für das produzierende Gewerbe, für das dort genügend Fläche und der immer geforderte direkte Autobahnanschluss verhanden gewesen wäre, nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen gab der Rat den Wünschen des inzwischen mit 1 Million Euro Handgeld in die Wüste geschickten Ex-Enervie-Geschäftsführers Ivo Grünhagen nach, dessen Energieunternehmen, an dem Hagen mit 42 Prozent beteiligt ist, in dieser Stelle eine prächtige Zentrale bauen durfte.

Sogar die Postanschrift „Haßleyer Str.“ war dem dort herrschenden Größenwahn nicht gut genug – sie wurde in „Platz der Impulse“ umgetauft. Selbst diese an Albernheit kaum noch zu überbietende Nummer segnete der Stadtrat ab. Hat alles nichts genützt, Enervie geriet in eine schwere Krise, und der reichlich überdimensionierte Palazzo ist inzwischen teilweise untervermietet.

Das Areal ist jedenfalls belegt und nicht mehr anderweitig zu nutzen. Nebenan soll angeblich ein Möbelmarkt angesiedelt werden, für den die Stadt in Vorleistung getreten ist und schon einmal einen Kanal graben ließ. Das Gelände ist schwierig und die Baumaßnahme fiel entsprechend teuer aus. Ob der Möbelriese überhaupt kommt, steht in den Sternen. Kommt er, ist auch hier keine Ansiedlung von Produktion möglich.

Andere Gewerbeflächen liegen seit Jahren brach oder werden, wie jüngst im Fall des Brandt-Areals, in Einzelhandelsflächen umgewandelt. Eine Nutzung für produzierendes Gewerbe ist damit vom Tisch, den Vorteil hat ausschließlich der Grundstückseigentümer Brandt. Die vom Rat beschlossene Nutzung bringt einen höheren Preis.

Grundstücke wurden, wohl auch wegen nicht vorhandener anderer Interessenten, mit Nutzungen bestückt, die besser im Stadtzentrum untergebracht worden wären. So baute selbst die SIHK, die so vehement angeblich fehlende Gewerbeflächen bejammert, ein Schulungsgebäude ausgerechnet auf dem Gelände der früheren Feineisenstraße der Klöckner AG, also einem klassischen Industrieareal, das entsprechend zweckentfremdet wurde.

Unter diesen Rahmenbedingungen die Ausweisung weiterer Flächen wie beispielsweise am Böhfeld zu fordern, ist ein Griff in die Mottenkiste. Vielleicht liegt es ja daran, dass die beiden Herren, die so etwas jetzt wieder aufwärmen, noch nicht lange im Amt sind und sich die hiesigen Verhältnisse nicht ausreichend zu Gemüte geführt haben.

Der Oberhausener Stefan Marx, der seit Dezember 2016 die Hagener DGB-Geschäfte führt, berichtete damals der Presse von seinem Hobby. Er wirke in mittelalterlichen Rollenspielen mit: „Da ist man mal ganz raus, dann kann man total abschalten.“ Zu Hagen habe er überhaupt keine Beziehung: „Na klar, wir haben damals schon registriert, dass Nena aus Hagen kommt. Aber mehr war da nicht.“

Viel mehr scheint da auch heute noch nicht zu sein.

Eine Antwort to “Ladenhüter – frisch ausgepackt”

  1. drhwenk Says:

    so, so, und der mensch ist wirklich nicht hauptsächlich zum arbeiten – im ausgebeutet werden modus – oder kaufen interessant hier????

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: