Was wird aus Hohenlimburg?

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Von Christoph Rösner

Was wird aus Hohenlimburg? Nichts Gutes, könnte man mit einiger Berechtigung antworten, wenn man sich dort so umsieht. Leerstände zuhauf, menschenleerer Innenstadtbereich und eine Internet-Einkaufskultur, die offensichtlich voll durchschlägt bei Städtchen oder Dörfern wie Hohenlimburg.

Eine an ignoranter Untätigkeit kaum zu überbietende Stadtverwaltung – und ich will hier einige städtische Mitarbeiterinnen ausdrücklich ausnehmen, die offensichtlich in der Lage sind, Genehmigungen mündlich zu erteilen, weil selbst ihnen die von anderen Ämtern auferlegte Wartezeit den Hals anschwellen lässt – dieser Stadtverwaltung, der es immer wieder mit traumwandlerischer Sicherheit gelingt, neuen Mutigen sämtliche rumliegenden Knüppel zwischen die Gründerbeine zu werfen.

Und dann diese merkwürdigen Menschen, die, reich an Lob und Wort, doch irgendwie arm an Tat, die Zustände beklagen, ohne selbst tätig zu werden. Sprich, das Einzelhandel- und Gastroangebot auch zu nutzen, zu unterstützen.

Mit Kritik scheint der Hohenlimburger – oder der Hagener an sich – schnell bei der Hand zu sein. Das spricht sich ja so flott aus, erzeugt kurzfristig einige Solidarisierung im vertrauten Nest– man ist dann nicht mehr so alleine in seinem Elend – doch wer zieht die notwendige Konsequenz? Wer gründet die neuen kleinen Geschäfte und Kneipen und Gemüseläden?

Wer fährt denn weiterhin mit seinem City-Panzer Richtung Groß-Discounter, lädt all die wunderbaren Konsumgüter in seinen weit geöffneten Kofferraum und rauscht wieder ganz schnell nach Hause? Immer nur die Anderen?

Nee, nee, das seid Ihr schon alle selbst. Ihr selbst seid es, die AUCH dazu beitragen, dass Euer geliebtes Nest zur Einöde verkommt. Jeder kann diesem Trend etwas entgegenhalten. Jeder kann einen kleinen Teil seines Geldes in die kleinen Läden tragen, um Flagge zu zeigen, ehrliche Empathie oder Solidarität zu dokumentieren. Jeder Einzelne kann sich dafür stark machen, dass wieder Leben in die Bude kommt.

Sicher, so viele schlimme Fehlentwicklungen haben diesen bedauernswerten Zustand heraufbeschworen.

Und sicher, alles fing an mit der Eingemeindung – man kann diesem dummen Akt sicher weiter hinterherheulen. Kann man machen. Oder man fügt sich in diesen – zugegeben – nicht unbedingt erstrebens- oder erhaltenswerten Zustand – wer möchte schon freiwillig von einer Stadt wie Hagen einverleibt werden? Aber es ist nicht zu ändern. Punkt. Auch wenn der Stachel der Eingemeindung bei einigen ganz tief zu sitzen scheint – nach mehr als 40 Jahren! – rausziehen, Jod drauf und nach vorne kucken! Nur so kann man etwas ändern!

Und da gibt es Möglichkeiten zuhauf: Sein Konsumverhalten, sein Solidaritätsverhalten, sein soziales Verhalten kann man ändern. Man kann Verantwortung übernehmen für seinen Heimatort, so gebeutelt er auch sein mag, oder gerade, weil er es ist.

Und man kann  – aber dazu braucht es etwas Courage – den Mund aufmachen und jenen, die untätig und ignorant Hohenlimburg als unvermeidbaren Kollateralschaden abtun, gehörig auf die Finger klopfen. Von ihnen ultimativ verlangen, sich gefälligst nicht nur für die paar Quadratmeter Innenstadt stark zu machen und Weinfeste in verdächtiger Nähe zur Teppichetage zu organisieren, sondern sich mit aller Kraft für die Reanimierung z.B Hohenlimburgs oder anderer Stadtteile einsetzen.

Doch will mir scheinen, in Wahrheit existiert nur eine echte Liebe. Nicht zu Hagen, nicht zu Hohenlimburg, sondern einzig die Liebe zum Lamento. Das hält lebendig, das ist geradezu viral. Da spürt man das Leben, da kann man mal so richtig aus sich raus und Dampf ablassen. In der Disziplin des Lamentierens sind alle irgendwie Meister ihrer Klasse. Doch das ist alles andere als meisterlich. Von Meisterschaft könnte man reden, wenn das Lamentieren nur dazu dienlich wäre, die erste Brennstufe zu zünden und diesem Grauen ein Ende zu bereiten.

Lamentieren um des Lamentierens Willen ist, als warte man am Bahnhof auf den nächsten Ausflugdampfer.

Nein, es muss sich etwas – ach, was sage ich, vieles muss sich ändern, wollen wir nicht alle irgendwann in gar nicht mehr so ferner Zeit mit tränendem Auge vorbeiflanieren an den Mahnmalen des finalen Niedergangs, um dann mit der Frage „warum haben wir das nicht aufgehalten“ dem urbanen Ruinenfeld endgültig den Rücken zu kehren.

Es braucht die harte Auseinandersetzung, dringend, es braucht ein zielorientiertes Brainstorming, das nicht in endlosen Betroffenen- oder Anwohnertreffen zerquatscht wird. Es braucht die Man-Power, der man Veränderungen zutrauen kann.

Das Erzählte reicht eben nicht. Nur das Erreichte zählt.

Sind wir denn alle tastsächlich derart lethargisch geworden, dass wir jammernd dem Niedergang zusehen, ohne ein Fingerglied, geschweige den kompletten Körper – um nicht den Arsch zu sagen – hochzukriegen? Ich will das nicht glauben. Ich will mich nicht damit abfinden. Ich will, dass wir – meinetwegen auch „denen da oben“ zeigen, was eine Harke ist. Ich will, dass wir den Beweis antreten, dass noch etwas funzt, wenn es die Richtigen anpacken. Und wenn das Resultat bedeutet, dass wir den Falschen zeigen, dass sie absolut überflüssig sind.

Aus Ruinen ein ökonomisch starkes Land machen, das konnten wir bzw unsere Vorfahren. Und wir heute? Nur noch dazu da, diese Konsum-Demokratie irgendwie am Laufen zu halten und uns ansonsten raushalten? Wirklich?

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2 Antworten to “Was wird aus Hohenlimburg?”

  1. Allan Qutermain Says:

    Haspe durch Hohenlimburg ersetzen, dann passt das wieder.
    Oder Langestr., Auch Volme-Galerie und Rathaus-Galerie glänzen durch Leerstand. Sogar auf der Elbe sind Geschäfte zu.

    Ich kann nur für Haspe sprechen,
    was manche Hausbesitzer für eine Kneipenpacht oder Miete haben wollen, halte ich gelinde gesagt, für Unverschämt.

    Am Freitag wollte man mir sagen, das 2 Alteingesessenen Geschäfte in Haspe schliessen werden.
    Meine Frage dazu, wann seit ihr zuletzt dort Einkaufen gewesen?

    Keine Antwort dazu. Sie wussten es nicht.

  2. Allan Quatermain Says:

    Korrektur zu oben.
    Das muss natürlich Hohenlimburg durch Haspe ersetzen, heißen,
    dann passt das wieder.
    ___________________________________________________________________
    Ich Dummerle, man sollte das auch nicht 4.500km von Hagen entfernt in die Tasten tippen😁

    Aber dafür geht das alles über den Heimatserver trotz Zeitverschiebung. Auch ist es hier etwas wärmer wie in der Heimat.

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