Autor, Dozent und Dramaturg

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Der Aufsichtsrat der Theater Hagen gGmbH hat, wie berichtet, einstimmig entschieden, der Gesellschafterversammlung Herrn Francis Hüsers zur Bestellung zum Intendanten des Theater Hagen ab der Spielzeit 2017/2018 vorzuschlagen.

Zur näheren Information nachfolgend die berufliche Vita des designierten Intendanten:

Francis Hüsers arbeitet freischaffend als Autor, Dozent und Dramaturg für Musiktheater.

Der 1960 am Niederrhein geborene Francis Hüsers (Foto: Jörn Kipping) studierte Germanistik, Soziologie und Anglistik in Köln sowie Sozialpädagogik in Mönchengladbach und veröffentlichte bis 1997 zunächst v. a. soziologische Arbeiten, so etwa gemeinsam mit Alphons Silbermann zum Thema Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Ab 1998 verfasste er dann verstärkt Essays über Literatur und Oper.

Als Librettist schrieb er die Texte für zwei Musiktheaterstücke von Jörn Arnecke (DAS FEST IM MEER, uraufgeführt in Hamburg 2003, und DREI HELDEN, uraufgeführt in Rheinsberg 2004), für eine Oper von Alexander Muno (VOM MEER nach Ibsens „Die Frau vom Meer“, uraufgeführt in Heidelberg 2011) und jüngst den Text für die Kinderoper von Benjamin Gordon DIE HAMBURGER SINDBADAUKEN, uraufgeführt in Hamburg 2015.

Als Dramaturg zahlreicher Opernproduktionen arbeitete er in Berlin, Graz, Frankfurt, Bern, Köln, Hamburg, Oslo, Dresden, Lübeck, Halle und St. Gallen u. a. mit den Regisseuren Luk Perceval, Dmitri Tcherniakov, David Alden, Alexander Schulin, Nigel Lowery, Vincent Boussard, Petra Müller, Ramin Gray, Johannes Erath und Jochen Biganzoli zusammen.

Zuletzt realisierte er 2016 als Dramaturg mit Jochen Biganzoli (Regie) an der Oper Halle Puccinis TOSCA und mit Vincent Boussard (Regie) am Theater St. Gallen Wagners LOHENGRIN, nachdem er mit Biganzoli bereits am Theater Lübeck Schostakowitschs Oper LADY MACBETH VON MZENSK in Szene gesetzt hatte – eine Produktion, die nicht nur von Publikum und Presse begeistert aufgenommen wurde, sondern jüngst auch für den deutschen Theaterpreis „Der Faust 2016“ in der Kategorie „Beste Musiktheaterregie“ nominiert war.

Zuvor war bereits die Produktion von Korngolds DIE TOTE STADT, die Francis Hüsers als Dramaturg mit dem Regisseur Johannes Erath 2015 an der Oper Graz herausgebracht hatte, im Juni 2016 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis als „beste Gesamtproduktion“ ausgezeichnet worden.

Von August 2010 bis Juli 2015 war Francis Hüsers als Operndirektor und Stellvertretender Intendant der Staatsoper Hamburg tätig – mit und für Simone Young als Generalmusikdirektorin und Intendantin.

Unter seiner Direktion entwickelte sich die Staatsoper Hamburg überaus erfolgreich, so dass Simone Young und Francis Hüsers im Sommer 2015 ein wirtschaftlich und künstlerisch abgesichertes Opernhaus an die neue Leitung von Kent Nagano und Georges Delnon übergeben konnten. Hohe Auslastungszahlen und eine internationale Aufmerksamkeit, die der Staatsoper Hamburg von 2010 bis 2015 zuteil wurde, belegen den Erfolg.

So konnte Francis Hüsers z.B. 2013 in London für die Hamburger Oper den „Opera Award“ entgegen nehmen für die mit Simone Young als Dirigentin und David Alden als Regisseur in einem Zyklus in wenigen Wochen realisierte „Verdi-Trilogie“ – szenische Produktionen von drei selten gespielten, frühen Verdi-Opern. Ebenso hatte schon der einige Monate vorher unter dem Titel „Wagner-Wahn“ in nur zwei Wochen realisierte Zyklus der zehn wichtigsten Wagner-Opern außerordentliche Beachtung gefunden.

Die Erneuerung von Repertoirewerken mit hoher Publikumsattraktivität, die zuvor jahrzehntelang in der immer gleichen Produktion gespielt worden waren, konnte unter der Direktion von Francis Hüsers erfolgreich realisiert werden (u.a. MADAMA BUTTERFLY, Regie: Vincent Bussard, Bühne: Vincent Lemaire, Kostüme: Christian Lacroix; LA TRAVIATA, Regie: Johannes Erath, Bühne: Annette Kurz, Kostüme: Herbert Murauer; CARMEN, Regie: Jens Daniel Herzog, Ausstattung: Mathis Neidhardt).

Besondere Erfolge waren Francis Hüsers als Operndirektor und Dramaturg aber auch mit einigen Ausgrabungen sowie mit Produktionen des Randrepertoires beschert. So initiierte er die Produktion der bereits 1984 von der Staatsoper Hamburg in Auftrag gegebenen Oper DER MEISTER UND MARGARITA von York Höller, die Jochen Biganzoli dann 2013 in Hamburg inszenierte. Weitere Erfolge gelangen in dieser Hinsicht etwa mit Brittens Oper GLORIANA (Regie: Richard Jones), der Barockoper FLAVIUS BERTARIDUS von Telemann (Regie: Jens Daniel Herzog) und mit DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN von Janáček (Regie: Johannes Erath).

Die Hamburger Ära von Simone Young fand dann in der von der Staatsoper Hamburg auf Initiative von Francis Hüsers in Auftrag gegebenen und dramaturgisch von ihm betreuten Uraufführung LA BIANCA NOTTE / DIE HELLE NACHT von Beat Furrer im Mai 2015 ihren krönenden Abschluss.

Gemeinsam mit Kerstin Schüssler-Bach konzipierte Francis Hüsers auch die experimentelle Produktionsreihe „Black Box 20_21“, die er von 2012 bis 2015 in der Opera Stabile der Staatsoper Hamburg mit insgesamt sechs Produktionen durchführte. Dabei wurden jeweils literarische Texte mit Stücken zeitgenössischer Musik experimentell zu einem neuen Werk montiert. Schon die erste Produktion I AM YOUR OPUS mit Musik von Aribert Reimann und Texten von Sylvia Plath war ein außerordentlicher Erfolg.

Vor seiner Tätigkeit als Hamburger Operndirektor war Francis Hüsers von 2005 bis 2010 in Berlin als Leitender Dramaturg und Künstlerischer Produktionsleiter an der Staatsoper Unter den Linden tätig – mit Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor sowie den Intendanten Peter Mussbach, Ronny Adler und Jürgen Flimm.

Die Spielzeiten an der Berliner Staatsoper waren insbesondere gekennzeichnet durch eine enge Zusammenarbeit von Francis Hüsers mit René Jacobs als musikalischem Leiter von Barockopernproduktionen. Als Chefdramaturg der Staatsoper Unter den Linden konnte er zudem einige überaus erfolgreiche Produktionen mit profilierten Regisseuren realisieren, so etwa Prokofjews Oper DER SPIELER mit Dmitri Tcherniakov, die MARIENVESPER von Monteverdi in der Inszenierung von Luk Perceval und nicht zuletzt Händels AGRIPPINA, inszeniert von Vincent Boussard.

Vor der Zeit an der Berliner Staatsoper hatte er von 1995 bis 2005 schon einmal an der Staatsoper Hamburg als Referent und Künstlerischer Produktionsleiter für die Intendanzen von Albin Hänseroth und Louwrens Langevoort gearbeitet und dabei auch alle Zusammenarbeiten von Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher mit Regisseuren wie Peter Konwitschny (z.B. LOHENGRIN, WOZZECK, DON CARLOS) Hans Neuenfels (FIDELIO) oder Willy Decker (z.B. PELLEAS ET MELISANDE) betreut – Produktionen, von denen heute einige ‚Kultstatus’ erlangt haben.

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