Sprechende Thermometer

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Frisch aufgewärmt: Wie sich Hagens CDU die Zukunft vorstellt

Da muss wohl ein Ladenhüter reanimiert werden. Welchen Grund sollte es sonst haben, dass die Hagener CDU aktuell versucht, einen acht Monate alten Text mit Hilfe des Pressehauses (siehe: „CDU rückt den Fokus auf Gewerbeflächen und die Stadtteile“) erneut in der Öffentlichkeit zu plazieren?

Das Papier ist nach Angaben der CDU bereits am 31. August 2016 verabschiedet worden (siehe: Impulspapier, S.22). „Wir haben glasklare Vorstellungen wie Hagen vorankommt. Jetzt müssen wir in Hagen die Dinge anpacken und förderfähige Projekte rausarbeiten“, gibt „Projektleiter“ Krauß-Hoffmann den Kurs vor.

Glasklare Vorstellungen? Da fragt man sich, was die Truppe denn bisher gemacht hat. Schließlich verfügt die Partei zusammen mit ihren Partnern in der OB-Unterstützer-Kombo „Allianz des Grauens“ über eine komfortable Mehrheit im Rat.

Einige Positionen werfen die Frage auf, ob die Autoren die Stadt überhaupt kennen. So z.B. die Feststellung: „Die Stärkung des Einzelhandels in der Innenstadt trägt erste Früchte und muss jetzt konkret weiter fortgesetzt werden. Diese positive Entwicklung der Hagener City ist deutlich innerhalb unserer Stadt als auch nach außen wahrnehmbar.“

Wahrnehmbar ist vor allem der Dauerzustand der leeren Verkaufsflächen in den Einkaufsgalerien sowie als Folge des von der CDU mitgetragenen Galerie-Hypes zunehmende Leerstände in der Fußgängerzone. Diese verfehlte Politik soll jetzt auch noch weiter fortgesetzt werden?

Zur Attraktivitätssteigerung schwebt der Partei „die Einrichtung eines Senioren-Kaufhauses“ vor. „Sprechende Waagen und Thermometer, die Gewicht bzw. Temperatur ansagen, übergroße Telefone, einen Handfeger mit extralangem Stiel, um das Bücken zu vermeiden und vieles mehr.“ Die CDU glaubt ernsthaft: „Durch dieses Alleinstellungsmerkmal wollen wir die Ausstrahlungskraft unserer Stadt weiter steigern.“

Mit „Alleinstellungsmerkmal“ und „Ausstrahlungskraft“ ist der heimische Phrasen-Dreiklang schon fast erreicht; vergessen haben die Christdemokraten nur die Bezeichnung „Leuchtturmprojekt“ für ihren Plan.

Wenn Hagen die Möglichkeit haben soll mit – sinnvollen – Maßnahmen voranzukommen, wird das nur mit einer entsprechenden (besseren) Finanzausstattung der Kommune zu realisieren sein. Davon ist in dem gesamten Papier aber keine Rede. Dieser zentrale Mangel wird von der CDU als Gott- oder besser: Schäuble-gegeben hingenommen.

Das von Gemeinplätzen durchzogene „Impulspapier“ wurde nach Darstellung der WPWR „im Rahmen eines fast dreijährigen Erarbeitungs- und Diskussionsprozesses von Mitgliedern der Hagener Christdemokraten, der CDU-Ratsfraktion und profilierten Fachleuten der Stadtgesellschaft erstellt“.

Warum für dieses magere Papierchen drei Jahre gebraucht wurden und wer die „profilierten Fachleute“ gewesen sein sollen, wird nicht genannt. Wahrscheinlich reaktivierte Parteisoldaten der Christdemokraten, denn personell hat die Partei ansonsten nur noch wenig im Angebot und vor allem: Außenstehende dürften kaum noch dazu bereit sein, diesem inhaltsleeren Verein zuzuarbeiten.

Geradezu dreist ist es, wenn sich die Hagener CDU auf Karl-Ernst Osthaus beruft und das Papier als „neuen“ Hagener Impuls ausgibt. Osthaus hatte schon bei den Konservativen der Kaiserzeit keinen guten Stand, und die posthume Vereinnahmung durch einen mediokren Funktionärsklüngel hat der gute Mann wirklich nicht verdient.

Schon im Vorfeld der letzten Kommunalwahlen war die CDU intellektuell und/oder personell nicht dazu in der Lage, ein Wahlprogramm zu formulieren und musste stattdessen ersatzweise auf ein Vorläufermodell des jetztigen „Impulspapiers“ zurückgreifen (siehe: CDU Hagen: Hülle ohne Kern).

An diesem Mangel hat sich auch weiter nichts geändert.

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2 Antworten to “Sprechende Thermometer”

  1. hansimäuschen Says:

    Es geht also um die zukünftige Stadt Hagen und alle Bürger. Oder geht es um etwas anderes ? Im Alleingang erstellt nun die CDU ein Papier. Auch wenn es fortgeschrieben wird, erwartet man, daß ein fertiges Papier öffentlichkeitswirksam präsentiert wird und DANN andere Parteien beipflichten können ( und sich darüber freuen ) anstatt von ANBEGINN ALLE einzubeziehen.
    Welch einfach gestricktes, durchsichtiges Gedankengut und Motiv ist hiermit verbunden ? Das üblich vollmundige “ Zum Wohl der Stadt “ oder das Partei – Ego ?
    Ist man denn so abgestumpft, daß man nichts mehr merkt und glaubt, das wäre auch bei Anderen so ?
    Was mag man von solchen Leuten denn auch ansonsten erwarten können ?

  2. Allan Qutermain Says:

    Ich habe gerade gelesen,

    nicht die gerade immer noch schön gerechnete Kriminalstatistik, die bei 8 Prozent Migrantenanteil, von 52 Prozent Anteil ausgeht.
    Asylanten werden erst ab 2017 (nach der Wahl,) in dieser Statistik einfließen.
    (Jetzt ist der Geist aus der Flasche.)

    Nein, Deutschland ist bei den sicheren Reisestaaten auf Platz 57
    nach unten Weltweit gerutscht.

    Dazu gehört auch das Bahnhofsviertel von Hagen, mit seinen Dialertreffpunkte, die penetranten Bettler in Kompaniestärke die sich in die Vororte von Hagen ausbreiten, und der Verfall von ganzen Strassenzüge.

    Senioren würden sich auch lieber über sichere Heimwege freuen.
    Einen besseren ÖPNV,
    als über spezielle Seniorenkaufhäuser.

    Die Bevölkerung hat genug von solchen Phrasenpapiere.

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