„Events“ als Zukunftskonzept

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Oberbürgermeister sieht Hagens Zukunft in Sommerfesten

„Gekommen um Hagens Zukunft aktiv mitzugestalten“. So verkaufte die Presseabteilung des Hagener Oberbürgermeisters Erik O. Schulz die Resonanz auf die Einladung zur „Zukunftsschmiede Hagen“, zu der vor einem Monat Stadtverwaltung, Hagen-Agentur und „Unternehmerverein Hagen“ in die Stadthalle gerufen hatten.

Die Veranstaltung war die Reaktion auf die Kritik des konkurrierenden „Untenehmerrats“, der schon im November vergangenen Jahres die Verwaltung aufs Korn genommen hatte und im Januar auf einem Meeting dem OB eine klare Ansage machte.

Die WPWR berichtete: „Der Unternehmerrat übt deutliche Kritik an der Leistung der Verwaltung und des OB. Die Stadtführung agiere ziellos und behäbig. (…) Schulz musste sich zuvor einiges darüber anhören, wie die Hagener Unternehmerschaft das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Verwaltung bewertet – und auch ihn: nicht verbindlich, orientierungslos, zerstritten, arrogant, keine Ziele, verkrustet, behäbig. (…)“

Dass konnte Schulz natürlich nicht auf sich sitzen lassen und erfand als Gegenstrategie die „Zukunftsschmiede“ mit der Aufgabe „Bürgerinnen und Bürger entwickeln spannende Ideen“, gar von „Konzepten“ war die Rede.

Schlimm genug, dass Politik und Verwaltung seit langem nicht mehr dazu in der Lage sind, zukunftsträchtige Perspektiven für diese Stadt zu entwickeln. Noch schlimmer ist es, Bürgern vorzugaukeln, sie könnten die Sache selbst in die Hand nehmen. Es wäre Aufgabe von Politik und Verwaltung, Konzepte zu entwickeln und diese dann den Bürgern zur offenen Diskussion vorzulegen – wenn man diese Art der Mitbestimmung ernst nehmen würde. Das ist aber nicht der Fall.

Die Bürger müssen stattdessen als Alibi für die augenscheinliche Unfähigkeit der Verantwortlichen herhalten, wobei diese darauf bauen, dass genügend Hagener die Strategie nicht durchschauen. Und genau so ist es auch gekommen.

Schon bei der Veranstaltung in der Stadthalle wendeten sich „Zukunft“ und „Konzepte“ in einen Katalog von Vorschlägen zu „Events“: punktuellen Festivitäten, die mit längerfristigen Perspektiven für Hagen nichts zu tun haben.

Die OB-Propagandaabteilung ist erwartungsgemäß zufrieden: „„Besonders beeindruckt mich das enorme Engagement der Projektpatinnen und -paten, die viel Herzblut und eine Menge Spaß mitbringen“, freut sich Oberbürgermeister Erik O. Schulz, „deshalb möchte ich alle Bürgerinnen und Bürger bereits jetzt ganz herzlich zu diesen außergewöhnlichen und bislang erstmaligen Veranstaltungen einladen“.

Offensichtlich sieht Schulz Hagens Zukunft in der Veranstaltung von Sommerfesten.

  • Die geplante Veranstaltungsreihe startet mit dem „Weinfest an der Volme“ am Freitag, 5. Mai, von 18 bis 0 Uhr und Samstag, 6. Mai, von 15 bis 0 Uhr auf der Freifläche vor dem Rathaus an der Volme und auf der Treppe runter zum Fluss.
  • Der „Tag am See“ am Samstag, 8. Juli, von 15 bis 18 Uhr lockt alle Naturfreunde raus an das Südufer des Hengsteysees.
  • Sommerlich geht es bei dem Picknick an der Volme mit dem Motto „Ganz in weiß“ zu. Am Samstag, 26. August, von 15 bis 23 Uhr und am Sonntag, 27. August, von 12 bis 19 Uhr sind alle Hagenerinnen und Hagener herzlich eingeladen, den Picknickkorb zu packen und es sich an einer 145 Meter langen Strecke entlang der Volme im Volmepark gemütlich zu machen.
  • Und auch Kulturliebhaber wurden bei den Planungen bedacht: Am Samstag, 9. September, um 16 und um 19.30 Uhr verwandelt sich die Fußgängerbrücke an den Elbershallen in eine Kulturbrücke, auf der ein Theaterstück präsentiert wird.

Fazit: Der Elferrat lädt ein, das Festkommittee tagt und beschließt Veranstaltungen für eine Session. Die Zukunft Hagens steht dagegen weiter in den Sternen.

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Eine Antwort to “„Events“ als Zukunftskonzept”

  1. hansimäuschen Says:

    Weinfest mit inspirierendem Blick auf´s Rathaus ? Picknick ebenfalls mit abschreckender Kulisse, dafür aber “ ganz in weiß “ ? Eine Stadt im Eventfieber, Kopf schräg hoch, Mundwinkel an die Ohren, vielleicht der eine oder andere Hüpfer und dann die Fotos ?
    Nun, paßt ja vielleicht zur phantasievollen Gute-Laune-Kanzlei mit den wahren Zukunftsvisionen. Dazu mag dann auch die geplante Event-Gastronomie am Volmeufer statt des – mit dem Zukunftsschmiede-Hammer plattgemachten – Allerwelthauses gehören, denn so kann man ja als Rathausbediensteter, Ratsmänn- und fräulein mal eben rüberspringen und sich einen genehmigen, was ?
    Na ja. halt das Niveau, das man doch schon kennt oder ? Och, laß ma, es sei denn, daß der Volmesultan jeweils zuvor etwas “ sagt „

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