„Hoch gepokert“

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Siebtes Sinfoniekonzert des philharmonischen orchesterhagen

Das siebte Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Hagen am 7. März 2017 in der Stadthalle Hagen (Beginn 20 Uhr) steht unter dem Titel „Hoch gepokert“.

Bube, Dame, König, As – in Igor Strawinskys Ballettsuite „Jeu de Cartes“ wird hoch gepokert. Im Mittelpunkt steht der Joker, der sich allen anderen Karten überlegen fühlt.

Der Amerikaner Philip Glass gilt als einer der Mitbegründer der sogenannten ‚Minimal Music‘. In diesem Gegenpol zur europäischen Avantgarde der fünfziger und sechziger Jahre haben tonale Stabilität und Kontinuität eine große Rolle. Musikalische Veränderungen spielen sich auf kleinstem Raum ab. Auch die Zeitdimensionen sind völlig neu: Anfang und Ende sind kaum zu greifen, es scheint, als höre man Ausschnitte eines endlosen musikalischen Kontinuums.

All dies trifft auch auf Glass‘ Konzert für vier Saxophone zu, welches das renommierte Berliner Quartett „clair obscur“ präsentieren wird. Die ungewöhnliche Besetzung lädt im Zusammenspiel mit dem Orchester zu einer Entdeckungsreise zu einer der populärsten Strömungen der Neuen Musik ein.

Joseph Haydns vorletzter Sinfonie, seiner Nr. 103., hat man »fortwährende Geistesblitze« attestiert. Ein Paukenwirbel eröffnet das Werk, was ihm seinen Beinamen »mit dem Paukenwirbel« gebracht hat. Obwohl sie in der Blütezeit der Wiener Klassik entstand, weist die Sinfonie mit ihren raschen Stimmungswechseln, dem oft volksliedhaften Ton und dem Hörnerruf am Anfang des letzten Satzes schon auf die kommende Romantik hin.

Als Gast steht bei diesem Konzert eine der bedeutendsten amerikanischen Dirigentinnen Karen Kamensek am Pult. Die über ein breit gefächertes Repertoire verfügende und international gefragte Künstlerin war, nach festen leitenden Positionen u.a. an der Volksoper Wien, am Theater Freiburg, an der Hamburgischen Staatsoper, von 2011-2016 Generalmusikdirektorin der Staatsoper Hannover.

Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331 207-3218 oder www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel: 02331 207- 5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

karen-kamensekIm Vorfeld zum 7. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Hagen führte Konzertdramaturg Frederik Wittenberg ein Interview mit der Gastdirigentin Karen Kamensek (Foto: Karsten Knocke):

Frau Kamensek, Sie haben eine besondere Beziehung zum Komponisten Philip Glass, dessen Werke Sie im In- und Ausland aufführen. Auf dem Programm des Hagener Sinfoniekonzerts steht nun sein Konzert für Saxophonquartett und Orchester. Was macht für Sie den Reiz der Musik von Glass aus und wie schätzen Sie das Saxophonquartett-Konzert ein?

Philip Glass habe ich als 20jährige persönlich kennengelernt. Ich hatte die Filme „Koyaanisqatsi“ und „Powaqqatsi“ gesehen und mich in diese Klangwelt verliebt. Dem Dirigenten Dennis Russell Davies assistierte ich dann mehrfach bei der Aufführung  verschiedenster Werke von Glass und habe selber einmal Keyboard gespielt mit dem Philip Glass Ensemble. Philip ist mittlerweile ein Freund geworden, und ich führe seine Kompositionen sehr oft auf.  Seine Musik ist stark von der indischen Musik geprägt. In dem Saxophonquartett-Konzert hört man die wechselnden Rhythmen, die man sonst auch in der Musik des Balkans hört. Und mit Saxophonen ist stets eine ganz starke Verbindung zum Jazz da. Das Meditative, die Wiederholungsmuster, welche Glass’ Musik enthält, sind vorhanden, aber sehr variiert. Das viersätzige Konzert enthält zwei Sätze, die eher statisch und meditativ sind, sowie zwei Sätze, die ich als “indisch” und “jazzig” im Stil von Improvisation empfinde.

Sie sind gebürtige US-Amerikanerin und früh in den deutschsprachigen Raum gekommen, hatten Positionen u.a. in Wien und Hamburg inne, zuletzt waren Sie Generalmusikdirektorin und Chefdirigentin der Staatsoper Hannover. Was war der Grund dafür, Ihre Heimat zu verlassen und was gefällt Ihnen offenbar am hiesigen Musikbetrieb?

Es ist kein großes Geheimnis, dass die beruflichen Möglichkeiten für klassische Musiker, besonders im Opernbetrieb, viel zahlreicher in Europa als in den USA sind. Meiner Meinung nach bin ich viel zu spät nach Europa gekommen, erst mit 30, aber immerhin ging es schlagartig voran, sobald ich gelandet bin! Ich konnte mir schnell ein Repertoire aufbauen, was in den USA gar nicht möglich ist. Die Kämpfe um die Kunst in Europa sind uns bekannt, aber der Kampf in den USA ist drastisch, denn für ein so großes Land gibt es ca. ein Viertel der Aktivitäten, die man in Europa findet. Für mich ist es sehr schmerzlich, dass mein Land immer noch so wenig Wert darauf legt.

Igor Strawinsky ist bekannt für seine Ballette, sein „Jeu de Cartes“ ist aber ein eher unbekanntes Werk. Es geht dabei um die verschiedenen Spielkarten beim Poker und den aufmüpfigen Joker. Teilen Sie seine Leidenschaft fürs Pokern?

„Jeu de Cartes“ ist vielleicht weniger bekannt, weil es unglaublich schwer zu spielen ist und andere Ansprüche an die Musiker stellt wie z.B. „Der Feuervogel“. Es ist viel kammermusikalischer, intimer, und mit rhythmischen Spielereien versehen. Es ist wirklich ein “Jeu”, da man Widmungen an Mozart, Rossini und Beethoven hört, und es ist mit viel Charakter und Humor komponiert! Pokern, tja, ich spiele auch extrem gerne Spiele!

Wie ist Ihre Sicht auf einen großen Klassiker wie Joseph Haydn und seine Sinfonie Nr. 103?

Ich bin eher spät zu den Klassikern gekommen, und zwar durch die Mozart-Da Ponte-Opern. Was ich an den Klassikern besonders mag, ist, dass man sich schon recht viele Freiheiten nehmen kann, weil so wenig in den Noten an künstlerischen Angaben geschrieben steht. Mozart und Haydn waren “on the spot”-Komponisten. Die ganze Bewegung der historischen Aufführungspraxis hat mir vieles über Stil und Möglichkeiten beigebracht, und ich versuche, so viel Charakter, Humor und Individualität dort hinein zu bringen, auf meine Art und Weise. Ich habe höchsten Respekt und Ehrfurcht vor diesen klassischen Komponisten.

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