Ein Gotteshaus wird entwidmet

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Thieser-Residenz steht zum Verkauf

haus-im-waldFast sieht man das Haus vor lauter Bäumen nicht: Thieser-Anwesen mitten im Wald. Foto: DW.

Das Objekt wird als idyllisches Einfamilienhaus mit Gewerbeeinheit beschrieben. 12 Zimmer, 3 Bäder, Schwimmbecken und Sauna gehören zur Ausstattung des Hauses mit 513 qm Wohnfläche, gelegen auf einem 1.118 qm großen Grundstück mitten im Wald. Für 630.000 Euro wird die Immobilie offeriert, bezugsfrei schon ab 1.3.2017, also in einer Woche.

Eigens vermerkt wird im Angebot die „Alarm- und Überfallmeldeanlage“ und, sicher ist sicher: „Fenster und Türen durchschuss- und explosionssicher“. Da muss wohl jemand Gründe haben.

Dieser Jemand ist der Bezirksbürgermeister von Hagen-Haspe, Dietmar Thieser, der die Residenz bewohnt. Gattin Karla unterhält darin ihr Architekturbüro.

So mancher brave Hasper wird sich schon gefragt haben, wie denn wohl der immer so volkstümlich auftretende Thieser an eine Baugenehmigung mitten in einem Waldstück gekommen ist. Und das ist nicht die einzige Frage, die zu stellen ist.

Der bis heute rechtskräftige Bebauungsplan von 1966 (Plan-Nr. 16/64) weist das Areal als „Fläche für Gemeinbedarf (Kirche)“ aus, Eigentümer war damals die Stadt Hagen. Es war die Zeit, in der mit dem Spielbrink praktisch ein komplett neuer Stadtteil hochgezogen wurde. In diesem Zusammenhang waren für die beiden großen Konfessionen auch zwei Kirchen geplant, die aber nie realisiert wurden. Auch der heute gültige Flächennutzungsplan legt diese Nutzung aber immer noch fest.

Weder eine Wohnbebauung noch eine gewerbliche Nutzung ist demnach an dieser Stelle gestattet. Dietmar Thieser (nebst Gattin) ist aber ausweislich offizieller Adressbücher seit mehr als einem Vierteljahrhundert dort ansässig.

Wie kann ein städtisches Grundstück trotz widersprechender Bauleitplanung in das Eigentum von Privaten zu Wohn- bzw. Gewerbezwecken gelangen?

Im Jahre 2005 wurde laut Verkaufs-Exposé an dem vorhandenen Einfamilienhaus ein Anbau errichtet. Auf welcher rechtlichen Grundlage wurde dafür trotz augenscheinlich nicht statthafter Nutzung des Grundstücks eine Baugenehmigung erteilt? War es eine speziell zugeschnittene „Lex Thieser“?

Wer trägt dafür die Verantwortung, wer hat diese Machenschaften gedeckt?

bebauungsplan-spielbrinkAusschnitt des gültigen Bebauungsplans Spielbrink, auf der „Fläche für Gemeinbedarf“ befindet sich das Thieser-Anwesen (zum Vergrößern bitte anklicken).

Denkbar wäre höchstens, dass der Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein von 1861, der ebenfalls unter dieser Adresse firmiert (Präsident: Dietmar Thieser), inzwischen als Religionsgemeinschaft anerkannt ist – was auch nicht wirklich verwundern würde – und das Haus als seinen Tempel betrachtet.

Der müsste bei einem Verkauf allerdings entwidmet werden, und damit läge das Problem der nicht statthaften Nutzung wieder auf dem Tisch.

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3 Antworten to “Ein Gotteshaus wird entwidmet”

  1. Allan Qutermain Says:

    Wenn mich mein Langzeitgedächtnis nicht in Stich lässt,

    hat in diesen hässlichen Betonbunker vor Thieser,

    mal ein Pastor gewohnt.

    Die Um- und Anbauten sind auf Thieser ihre Kappe entstanden.

    Der Pott hässliche Bau ist mir schon vor Jahrzehnten beim Besuch von 2 Kumpels in der Schüllinghauser Str. aufgefallen.

    Nebenbei habe ich immer auf den Freiheits-Sportplatz oder Klutert mein Sportabzeichen gemacht.
    Das war vor der Bezirkssportanlage.

    Genaues müsste Hotte wissen.
    Der ist ja ein Politisches Poestchen höher wie der Dietmar.

    Und nebenbei noch 1.Vorsitzender eines Fussball-Verein,
    die auf den beiden Plätze dort trainieren.

  2. uweck Says:

    God is gross…

  3. Robert Says:

    Das Haus wurde wen ich mich richtig erinnere ,ursprünglich von der Evangelischen Kirchengemeinde Haspe als Pfarrhaus erbaut nach Fertigstellung hate aber der damalige Pfarrer und das Presbyterium bedenken wegen der grösse und Ausstattung. Zuerst wurde deshalb das Haus vermietet und später verkauft.
    Vor ein par Jahren verkaufte die Familie Thieser das Haus an den Hasper Unternehmer und angeblichem Thieser Sponsor Dieter Klöckner,dessen Erben es jetzt auf dem Markt anbieten. Die Sicherheitsausstattung dürfte noch aus der zeit Thiesers als MdB stamen. In den Neunzigern war es üblich Abgeordnete mit einem solchen Sicherheitspaket zu versehen.

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