Der Schaumgeborene

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Eine kurze Bildanalyse

von Christoph Rösner

obotticelliDer Schaumgeborene mit einer allegorischen Darstellung seiner Unterstützer CDU, FDP und GRÜNE zu Füßen (Hagen aktiv gehört ja offiziell nicht dazu). Screenshot: Osthaus-Museum via Fakebook.

Zur Eröffnung der Ausstellung #Participate. MachDichKunst. im Osthaus-Museum am 21. Januar fanden sich viele Hagenerinnen und Hagener ein, um sich selbst zum Kunstwerk zu machen.

Das Junge Museum im Osthaus Museum stellt seine Ausstellung unter das Motto „Kunst zum Mitmachen“. Und viele machten mit. Unter ihnen auch unser Oberbürgermeister Erik O. Schulz.

Auch er nutzte einige der 24 interaktiven Exponate, um sich selbst zu inszenieren. Dass er sich vor den beiden Auftragskillern Jules Winnfield und Vincent Vega aus Pulp Fiction mit einer Bansky-Banane ablichten ließ, war ein durchaus witziger Einfall.

Was allerdings unseren OB geritten hat, sich als schaumgeborene Venus ins berühmte Bild von Sandro Botticelli hineinzubegeben, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Diesen Einfall könnte man getrost als Ausdruck kurzfristig galoppierender Hybris abtun, wenn da nicht zu Füßen unseres Volmegetauchten, drei Grazien – blond, brünett und dunkelhaarig – im auffällig knappen Cheerleaderfummel samt Winkepüschel vom Phönix Hagen Dance Team sich in Botticellis Jakobsmuschel aalten und ihn – man kennt das aus der Autowerbung – halbnackt und ihrer Haltung am Boden entsprechend – von unten nach oben anhimmelten.

Da hat der Muschelentstiegene wohl ein wenig danebengegriffen, ist doch diese Art der Bildsprache – zurecht – nicht nur in Feministinnenkreisen schon seit Längerem mehr als verpönt.

Und es darf gefragt werden, ob diese (Selbst)-Darstellung eines Oberbürgermeisters angemessen ist.

Nun wird der OB sicher entgegnen, dass ihm eine solche Assoziation völlig fremd und von ihm nicht beabsichtigt gewesen sei.

Doch wir wissen: ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und die Psyche wählt oft verschlungene Pfade.

Und so kann es nicht verwundern, dass genau solche Assoziationen durch unser irritiertes Betrachterhirn flitzen, ob wir das wollen oder nicht.

Was sehen wir? Einen Mann im dunkelblauen Anzug, die rechte Hand in der Hosentasche, die linke hinter einem anhimmelnden Jungmädchengesicht wohl locker baumelnd. Der Mann steht aufrecht, blickt – nicht ganz selbstsicher – in Richtung Kamera, während sich zu seinen Füßen die drei Genannten räkeln und ihn mit wenig verhohlener, beinahe lüsterner Bewunderung anschauen.

Botticellis Venus symbolisiert trotz ihrer Nacktheit, nur wallend umflort von ihrem langen, roten Haar, nicht die körperliche, sondern die geistige Liebe. Und es ist gerade ihre keusche Pose, die sie für uns so anziehend macht.

Von zarter, keuscher Pose jedoch keine Spur. Hier inszeniert sich ein Amtsträger in Macherpose und Designeranzug, einzig umflort von drei blaugelben Bikiniperlen mit Winkelementen.

Hätte Erik O. Schulz sich stattdessen – beispielsweise – in Michelangelos Erschaffung des Adam begeben um sich nach der Unternehmerklatsche einige Tage zuvor eine ordentliche Portion Inspiration abzuholen, hätte man bewundernd konstatieren können: der Mann verfügt über das hohe Gut der Selbstironie, der Mann kann über sich selbst lachen, der Mann weiß, worum es geht.

Aber nein! Der Vierflüssegewaschene lässt Mädels in die Muschel kriechen!

Auch oder gerade ein ennepeumspülter Oberbürgermeister sollte sich der Macht des inszenierten Bildes bewusst sein und das Glatteis der Kunst nicht unterschätzen. Sonst kann es geschehen, dass der so Abgebildete vom Westwind Zephyr an unbekannte Gestade geblasen wird, wo die Flüsse fremd und auch alles andere abweisend und unvertraut ist.

Hurz!

6 Antworten to “Der Schaumgeborene”

  1. Kusen Dull, BRD Says:

    Freilich ebenfalls künstlerisch ( warum auch nicht und kann man das einem Künstler verdenken ? ), herrlich treffend.
    Das Problem des Herrn ist ja nicht ein vielleicht ( ! ) leicht überdurchschnittlicher IQ, sondern – leider – der …. EQ bzw. die Balance beider Schlingel. Deshalb denke auch ich, daß die vermutete Reaktion ( Assoziation völlig fremd, nicht beabsichtigt… ) ebenfalls trifft. Dazu gehört auch das bekannte “ so tun als ob „. Aber mal ehrlich, ist das bei den Damen in Pose und Mimik anders ? Wohlgefühlt, Ihr Lieben ? 😉
    Ja, er wirkt verlegen, weiß nicht so recht, wie er denn mit einer derartigen “ Situation “ nun wieder fertig werden soll ( hätte ich doch lieber nicht.. ). Und da muß man ihm wieder zugute halten : Sobald ein halbwegs gestandener IQ´ler spitz bekommt, daß es obendrein tatsächlich auch so etwas wie Emotionen gibt, wird´s immer wieder mal urkomisch bis grotesk. Armer Bub, arme Mädels ? Nun

  2. Gerold Vogel Says:

    Leute, Leute, warum immer nur diese polemische Kacke??? Qualifizierte Kritik, ok. Aber zwischenzeitlich habe ich immer mehr den Eindruck das „Doppelwacholder“, warum auch immer, es sich auf die Fahne geschrieben hat gegen den OB zu polemisieren wo es nur geht. Sachliche, qualifizierte Kritik, ja. Eure Artikel erinnern mich im Moment an den letzten Kommunalwahlkampf!!! Unter die Gürtellinie ohne das konkrete Vorschläge gemacht werden wie es denn besser gemacht werden soll.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerold Vogel

  3. Kusen Dull, BRD Says:

    @ Gerold Vogel : Polemik, so “ belehrte “ mal auf Einwand der Chefredakteur des Wochenkuriers, der im übrigen selbst kräftig bei der Höfl´e-Berichterstattung mitwirkt, sei u. a. als überspitzte Kritik ( weiteres s. etwa Wiki ) zu definieren, völlig legitim und nicht die Abwesenheit von “ qualifiziert.“ Unter die Gürtellinie “ ist dann wohl vielleicht doch nochmal was anderes, und wie eigentlich verhält es sich im Kontext mit “ Kacke “ ?
    Hier geht es halt um persönliche Wahrnehmungen und Einschätzungen, die dieser Mann durch sein – vereinfacht gesagt – Gehabe selbst ausgelöst hat und auslöst. Wie schon an anderer Stelle geäußert, handelt es sich m. E. um einen nicht unwesentlichen Mangel an persönlicher Qualifikation, um die es eben auch geht, für eben dieses Amt.
    Ich weiß nicht so recht, ob Ihr Kommentar (evtl. parteipolitisch ?) interessengeleitet ist, aber zumindest war es dann hier auch mal ein Meinungsaustausch und.. Kritikfähigkeit incl. ( echter ) Selbstkritik muß man manchmal richtig lernen ( siehe etwa OB )…
    p.s. : Dies war, hömma, ein ernsthafter Beitrag !!

  4. Christoph Rösner Says:

    Dem Doppelwacholder können Sie, verehrter Gerold Vogel, durchaus immer wieder ernst zu nehmende Kritik, sachlich und gut recherchierte Fakten, Hintergrundinfos und eben auch satirische bis bissige Glossen zu anstehenden Themen kostenfrei entnehmen und sich so über die Hagener Zustände ein Bild machen. Dass Ihnen manches nicht behagt, gehört nun mal zur Natur dieses Internetmediums. Und dass öffentliche Personen – nicht nur in Hagen – Zielscheibe von Kritik und Satire sind, gehört, nach unserem Selbstverständnis, jederzeit dazu und sollte nicht kritisiert werden. Kritik an diesen Öffentlichen ist integraler Bestandteil unserer noch demokratischen Medienlandschaft. Und noch etwas: der Doppelwacholder wäre das erste Hagener Medium, dass Lob und Anerkennung für Personen und ihre Taten aussprechen würde – wenn es sie nur gäbe!

  5. Harald Helmut Wenk Says:

    Botticellis Venus symbolisiert trotz ihrer Nacktheit, nur wallend umflort von ihrem langen, roten Haar, nicht die körperliche, sondern die geistige Liebe“symbolische provokotation“ im sinne eines ex negativo hevorlockens quizes – extra für mich???

    die (meeres)schaumhgeborene ist griechisch aphrodite, römisch venus, tochter des meeresgottes poseidon – über den es eine kafkageschichte als verwalter gibt, der schwimmend tag und nacht nur rechnet und buchführt, was dem göttergleichen autoritären etatismus, wie ihn leider ob Schulz auch präsentiert, nicht nur repräsentiert, schon näher kommt.

    venus, aphrodite symblsiwert alledings die sinnliche liebe, die platonische liebe wird von athene symbolsiet, die im schönheutrswettwbr allerdings gegen helena veliert, der richter ist ja auch mensch paris und das dicke ende des trojanischen krieges der geschichte ist nur harmlos, gegen das, was ihn in einer ehe mit so einer griechischen göttin erwartet hätte… kurz, die todesangst war der wahre schönheitsrichter – nahe dem lebenswillen, lebenserhaltung als wesen des menschen.

    Athene ist eine reine KOPFGEBURT im mythos, vater obergott Zeus, buder des Poseidon, römisch ozeanos – und Plato war Athener, der auf ewig Athens philosophischen ruhm gründete. Aphrodite ist im trohjanischen krieg gegnerin Athenes. Die platonische Liebe steht in Platos SYMPOSIUM, dargestellt in der rede von sokrates.

  6. Kusen Dull, BRD Says:

    Gibt´s denn das ? Jaaaa… Durch einen Link ( Instragram ) auf dem Newsletter des KEO gelangt man auf Bilder der Ausstellung, und, wer ist dort mit gleich mehreren vertreten ? Richtig.. ( gefolgt vom nicht minder größenprivilegierten Thomas Walter ( lachend ! ) der Kunst- Allianz und diesmal immerhin keine Mädels unterhalb der Gürtellinie).
    Zufall, vorauseilender Gehorsam / Hörigkeit der Beteiligten oder einfach mal wieder zur “ Chef “ – Sache degradiert ? Sachma, wenn das keinen Spaß macht

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