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Hagen unterstützt Agenda 2030 – mit ein paar Tafeln Schokolade

Die Stadt Hagen unterstützt die Entwicklungsziele für Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung in der Agenda 2030, auf die sich die Staaten beim Vereinten-Nationen-Gipfel in New York (UN-Gipfel) geeinigt haben.

Diese Ziele sind aber derart schwammig formuliert, dass sogar Saudi-Arabien zustimmen konnte, obwohl es schon in der Präambel heißt:

„Wir sehen eine Welt vor uns, (…) in der jede Frau und jedes Mädchen volle Gleichstellung genießt und in der alle rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schranken für ihre Selbstbestimmung aus dem Weg geräumt sind.“

Da darf Hagen natürlich nicht zurückstehen. Es sind allerdings starke Zweifel angebracht, ob es sich um ein heimisches Engagement im Geiste der Agenda handelt oder doch nur um eine Formalie nach saudischem Muster, mit der sich nach außen vor allem gut Wetter machen lässt. Zur Not müssen an der Volme auch ein paar Tafeln Schokolade reichen.

Die Unterzeichnung der Resolution „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ erfolgte im November 2015 einstimmig im Rat der Stadt Hagen. Für Unverbindliches lässt sich leicht Einstimmigkeit erzielen.

Die Hagener Unterzeichnung wurde beim Vernetzungstreffen aller Zeichnungskommunen schon am Mittwoch, 2. November, im Deutschen Städtetag in Köln „gewürdigt“, wie die Stadt Hagen erst jetzt mitteilte. In insgesamt 17 Zielen gehe es darum, für gemeinsame Anliegen und öffentliche Güter auch gemeinsame Verantwortung zu übernehmen.

Aus kommunaler Perspektive sind nach Ansicht des Deutschen Städtetags vor allem folgende Entwicklungsziele relevant:

  • Städte und Siedlungen sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen,
  • Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern,
  • eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen,
  • Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.

Aus Sicht der Stadt Hagen ist es nicht mehr das alleine Ziel, Veränderungen alleine im globalen Süden herbeizuführen, was die Stadt bereits tue, etwa im Rahmen ihrer kommunalen Klimapartnerschaft mit Portmore, Jamaika über die Umsetzung verschiedener Projekte. Zudem entwickele der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) ein Projekt zum Know-how der Wasser- und Abwasserwirtschaft für Handwerker in Burkina Faso, Westafrika.

Es müsse sich aber auch der Norden für eine gerechtere Welt wandeln. Die Kommunen könnten ihrer globalen Verantwortung gerecht werden und beispielsweise in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit vor Ort aktiv sein oder kommunale Strategien für ein Nachhaltigkeitsmanagement verfolgen.

Beispiele für lokale Hagener Projekte, die das Handeln vor Ort mit Auswirkungen im globalen Rahmen sehen, sind angeblich das integrierte Klimaschutzkonzept Hagen und abgeleitete Projekte, der European Energy Award in Hagen 2016-2020, die Plant-for-the-Planet-Akademie und die Projekte FairTradeTown Hagen und Faire Hagener Schokolade.

Alles schöne Projekte – weniger für den „globalen Rahmen“ als vielmehr fürs heimische Schaufenster. Schon die lokalen Klimaprobleme wie die Belastung durch den motorisierten Individualverkehr werden dagegen mit andauernder Penetranz nicht angegangen, geschweige denn global betrachtet. Ein paar Tafeln Hagener Schokolade reichen da wirklich nicht als Alibi.

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