Wir basteln uns ein Interview

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WPWR will ein Gespräch mit dem OB geführt haben

Am vergangenen Freitag (23. Dez. 2016) erschien in der WPWR ein Rückblick des Hagener Oberbürgermeisters Erik O. Schulz auf das Jahr 2016. „Im Gespräch mit der Hagener WP-Stadtredaktion zeigt sich Oberbürgermeister Erik O. Schulz mit den Entwicklungen des Jahres 2016 zufrieden“, beginnt der fast einseitige Beitrag in der Print-Ausgabe. Er endet mit dem Vermerk: „Die Fragen an Oberbürgermeister Erik O.Schulz stellte Martin Weiske“ – der Ursprung der „Antworten“ findet keine Erwähnung.

Hat dieses „Gespräch“ überhaupt stattgefunden? Höchst unwahrscheinlich, denn die Antworten des Stadtoberhaupts sind zu fast 100 Prozent textidentisch mit der zum gleichen Thema einen Tag zuvor veröffentlichten Pressemitteilung (PM) der Stadt.

Einige wenige Sätze sind in dem „Interview“ entfallen, an eine andere Stelle gerückt worden oder es wurden sprachliche Anschlüsse eingefügt. Teile des OB-Grußworts sind sogar zu Fragen des „Interviewers“ umformuliert worden.

Drei Beispiele (die Absätze in den Auszügen der Pressemitteilung sind nur zur einfacheren Vergleichbarkeit mit dem „Interview“ eingefügt worden):

WPWR: Gilt das nicht auch für die Menschen, die im Rahmen der EU-Zuwanderung vorzugsweise aus Südost-Europa zu uns kommen?

Schulz: Natürlich, auch hier liegt noch ein langer, vermutlich nicht immer konfliktfreier Weg vor uns. Zumal wir aktuell nicht abschätzen können, wie sich die Flüchtlingsthematik künftig darstellt. Eines aber ist gewiss: Unsere vielen Ehrenamtlichen haben nicht nachgelassen in ihrem Engagement. Was einmal mehr für das gute und friedvolle Klima des Miteinanders der Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur in unserer Stadt spricht. Dafür bin ich sehr dankbar.

Originaltext PM Stadt: Gleiches gilt daneben für die Menschen, die im Rahmen der EU-Zuwanderung vor allem aus dem Südosten Europas in großer Zahl zu uns gekommen sind.

Hier liegt noch ein langer, vermutlich auch nicht immer konfliktfreier Weg vor uns. Zumal wir aktuell überhaupt noch nicht abschätzen können, wie sich die Flüchtlingsthematik künftig darstellen wird. Eines aber ist gewiss: unsere vielen Ehrenamtlichen haben nicht nachgelassen in ihrem Engagement für die Flüchtlinge. Was einmal mehr für das gute und friedvolle Klima des Miteinanders der Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur in unserer Stadt spricht. Dafür bin ich sehr dankbar.

WPWR: Breiten Raum hat auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Stadtsauberkeit eingenommen, das sich in der WP-Serie „Was braucht Hagen?“ als das brisanteste Problem der Bürgerschaft herauskristallisierte. Was wurde erreicht?

Schulz: Mit zwei groß angelegten Reinigungsaktionen im Juni in Wehringhausen und im September in Altenhagen haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt. Allerdings hatte niemand zuvor erwartet, dass diese Bereiche danach für alle Zeiten sauber bleiben würden. Geschweige denn, dass die während der Aktion vollzogene Reinigungsdichte auf Dauer durchgehalten werden könnte. Vielmehr ging es darum, das Thema Stadtsauberkeit deutlich in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken und zugleich sehr konkret zu handeln. Und das ist zweifelsfrei gelungen.

Originaltext PM Stadt: Einen breiten Raum hat im ausklingenden Jahr die Auseinandersetzung mit dem Thema Stadtsauberkeit eingenommen.

Mit zwei groß angelegten Reinigungsaktionen im Juni in Wehringhausen und im September in Altenhagen haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt. Allerdings hatte niemand zuvor erwartet, dass diese beiden Bereiche danach für alle Zeiten sauber bleiben würden. Geschweigen denn, dass die während der Aktion vollzogene Reinigungsdichte – allein in Wehringhausen wurden rund 22 Tonnen Müll eingesammelt – auf Dauer durchgehalten werden könnte. Vielmehr ging es darum, das Thema Stadtsauberkeit deutlich in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken und zugleich sehr konkret zu handeln. Und das ist zweifelsfrei gelungen!

WPWR: Für vielfältige Diskussionen sorgten im Laufe des Jahres die sehr unterschiedlichen Entwicklungen am Wirtschaftsstandort Hagen. Droht hier ein anhaltender Abschwung?

Schulz: Sicherlich nicht. Natürlich traf uns die unerwartete Ankündigung des Douglas-Konzerns, die Firmenzentrale nach Düsseldorf zu verlagern, besonders schmerzhaft. Wurde die Stadt in diesem Fall durch die Unternehmensführung schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt, war die Verlagerung von Nordwest nach Dortmund sowie von Teilen der Putsch-Belegschaft nach Wuppertal bereits lange vorher bekannt. Im November schließlich kündigte auch die Spedition Schenker Umstrukturierungen an, ebenfalls verbundenen mit einem Abbau von Arbeitsplätzen. (…)

Originaltext PM Stadt: Für vielfältige öffentliche Diskussionen sorgten die sehr unterschiedlichen Entwicklungen am Wirtschaftsstandort Hagen im Jahreslauf.

Besonders schmerzhaft traf uns dabei sicherlich Mitte Februar die völlig unerwartete Ankündigung des Douglas-Konzerns, die Firmenzentrale nach Düsseldorf zu verlagern. Wurde die Stadt in diesem Fall durch die Unternehmensführung schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt, war die Verlagerung des Großhandelsunternehmens Nordwest nach Dortmund sowie von Teilen der Putsch-Belegschaft nach Wuppertal bereits lange vorher bekannt gewesen. Im November schließlich kündigte auch die Spedition Schenker Umstrukturierungen im Unternehmen an, ebenfalls verbundenen mit einem Abbau von Arbeitsplätzen in Hagen. (…)

Quelle 1: Pressemitteilung der Stadt Hagen
Quelle 2: wp.de

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4 Antworten to “Wir basteln uns ein Interview”

  1. Frank Hainer Says:

    … wer sagt uns, dass Herr Weiske nicht die offizielle Pressemitteilung der Stadt Hagen geschrieben hat? Kritisch ist hier gar nichts mehr. Douglas, Enervie, Putsch… aber die WP wäscht alles rein und wundert sich das immer diese Zeitung abbestellt wird. Ich kann nur aufmuntern sein ABO zu kündigen… die Leiche war schon tot, es war kein bewusster Betrug, es soll keine Neid-Diskussion gestartet werden Herr Bihs hat alles verdient. Frage an Weiske, hat die Putzfrau nicht mehr Geld verdient?Achja, diese gibt Herrn Weiske kein Infos….

    • ws Says:

      Durchaus denkbar. Aufmerksame Leser der WPWR stellen seit langem fest, dass bestimmte Themen im Pressehaus gesetzt werden und das Rathaus brav apportiert. Es verfestigt sich der Eindruck, dass die Köche in der Redaktion der Einheitszeitung brutzeln und die Kellner, die das ungenießbare Menü anschließend per Mehrheitsbeschluss auftischen, im Ratssaal servieren.

  2. Umleitung: Lügenpresse, Profiteure des Terrors, Fake News, Narrative der Europäischen Union und wir basteln uns ein Interview | zoom Says:

    […] Wir basteln uns ein Interview: WPWR will ein Gespräch mit dem OB geführt haben … doppelwacholder […]

  3. hansimäuschen Says:

    Das unkritische Zusammenspiel zwischen der Einheitsmeinungs-Redaktion und dem sogen. “ Oberbürgermeister Erik O. Schulz “ ( wie oft eigentlich noch ? ) wird immer mehr zum Ärgernis wie auch die eitlen, selbstgefälligen und selbstbeweihräuchernden Auftritte in aufdringlicher Selbstdarstellungssucht des Letztgenannten höchstpersönlich.
    Wo bleibt die eigentlich geforderte Presse – Distanz und wo bleibt die ebenfalls erforderliche Fähigkeit zu Selbstkritik dieses Herrn mit dem durchsichtig gewählten und notorisch wiederholten sowie kultivierten “ Namenskonstrukt “ in gewollter Assoziation zu bekannten Persönlichkeiten wie etwa John F. Kennedy ? /:-

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