Hagen darf sich nicht vom Virus der Polarisierung und der Feindschaft infizieren lassen

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Weihnachts-Mahnwort des Bündnisses „Sozial gerechte Stadt Hagen“

„Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt“, sagte Franziskus im November im Petersdom in Rom anlässlich der Ernennung neuer Kardinäle.

Mit diesen Worten macht der Papst auf zwei zentrale Probleme unserer Zeit aufmerksam. Gefühlte Wahrheiten werden nicht mehr rational hinterfragt und haben sogar ein eigenes Wort bekommen: „Postfaktisch“. Damit gelingt es immer mehr eine Wolke um unser Umfeld zu hüllen, die uns den einfachen Durchblick verwehrt.

Es wird immer schwieriger in dem Informationsdickicht unserer Zeit wahre Meldungen von den „gefakten“ oder im Nachhinein revidierten Meldungen zu unterscheiden. So kommt es dazu, dass Nachrichten nach dem persönlichen Gefühl bewertet werden. Um in dieser Bewertung nicht allein zu sein und wird nach einer gleichgesinnten Gruppe gesucht, die jeweils im Netz oder bei den sogenannten „sozialen“ Medien leicht zu finden ist.

Hinzu führt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in z.B. heimisch-fremd, arm-reich, jung-alt, mit Arbeitsplatz-erwerbslos, christlich-muslimisch, etc. Diese Spaltung ist die Folge politischen und wirtschaftlichen Handelns, die national, aber auch global zu beobachten ist. Statt diese Spaltung auszugleichen, werden berechtigte Ängste geschürt, die die jeweiligen Gruppen gegeneinander aufhetzt und ausspielt.

Populistische Lösungen werden von machthungrigen Demagogen angeboten, die bei nüchterner Betrachtung eigentlich schnell als problemverschärfend, denn als wirkliche Lösungen zu entlarven sind. Die selbsternannten „Retter des christlichen Abendlandes“ schützen nicht, sondern verraten die christlichen Werte. Gutmenschen, die eine Willkommenskultur als Akt der Solidarität und Nächstenliebe leben, bekommen ein groteskes Antlitz.

Menschen, die bei uns Hilfe und Schutz suchen, sollen brutal daran gehindert werden, unser Land zu betreten sowie dazu genötigt werden, es möglichst schnell zu verlassen. Gerade zur Weihnachtszeit, in der die Geschichte von der schutzsuchenden heiligen Familie vielerorts vorgetragen wird, muss die Botschaft des vollen Bootes, das droht unter zu gehen, mit nüchternem Sachverstand hinterfragt werden.

Die Boote, die wirklich voll sind, befinden sich auf dem Mittelmeer: Boote als Chance für einen Schritt in eine sichere Zukunft oder als das tödliche Ende eines Weges fernab der Heimat. Krieg, Terror, Klimakatastrophen und Ausbeutung lassen die Menschen ihre Heimat verlassen, in der Hoffnung anderenorts ohne Hunger und Not leben zu können.

Unser Land und auch unsere Stadt ist durchaus in der Lage Menschen aufzunehmen, nicht nur als verwertbare Arbeitskräfte, sondern auch als Menschen, die unsere Gesellschaft bereichern können. Dazu gehört auf der einen Seite die Bereitschaft den Fremden offen zu begegnen und auf der anderen Seite, die Sprache der aufnehmenden Gesellschaft zur besseren Verständigung zu lernen und deren Sitten und Regeln anzuerkennen. Menschen, die diese Regeln nicht einhalten, bekommen, egal welcher Herkunft, unserem Rechtsstaat zu spüren.

Mangelnder bezahlbarer Wohnraum, fehlende Arbeitsplätze und arme Kommunen sind nicht Schuld der Zugewanderten, sondern sind Folge einer falschen und ungerechten Verteilung.

Als Bündnis für Soziale Gerechtigkeit in Hagen verstehen wir uns als Interessenvertretung aller Menschen in unserer Stadt, die in Not sind und in Armut leben. Gemeinsam sind alle Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Kirche und auch Stadtgesellschaft aufgerufen, dieses nicht als alternativlos zu akzeptieren, sondern alles für eine friedliche, solidarische, demokratische und gerechte Gesellschaft zu tun.

Das Bündnis „Sozial gerechte Stadt Hagen“ ist eine Initiative des Kirchenkreises Hagen, des Dekanats Hagen-Witten, des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hagen und des Instituts für Kirche und Gesellschaft

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