Caron-Pleite: Die Belegschaft ist schuld

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Verschwörungstheoretiker laufen sich warm

Schlammschlacht, Schmutzkampagne, Dunkelmänner. So sehen die Schuldzuweisungen aus, die die Propagandafront aus CDU, FDP und Einheitspresse nach der Absage der ehemals designierten Theater-Intendantin Dominique Caron verbreitet.

Hauptziel der Angriffe sind die Arbeitnehmer des Hagener Theaters. Der aus dem sauerländischen Hinterwald in die Stadt zugereiste Leiter der WPWR-Lokalredaktion, Michael Koch, versieht seinen Kommentar zum Abgang von Caron mit dem Titel: „An Belegschaft gescheitert“ und stellt der Politik im Gegensatz dazu einen Freibrief aus.

Koch: „Caron ist nicht an der Politik oder Verwaltung gescheitert. (…) Dominique Caron ist an der Belegschaft des Theaters gescheitert.“ Ins selbe Horn stoßen die Redaktionsmitarbeiter Yvonne Hinz und Martin Weiske, die ein Schreiben der fünf Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Theater-GmbH mit der süffisanten Bemerkung abtun: „Darin arbeitet sich das Quintett über vier Seiten an der Vita von Dominique Caron ab.“

Damit hatten die wohltemperierten Redaktionsstuben die Stoßrichtung vorgegeben und sowohl CDU- als auch FDP-Fraktion konnten die Leitlinie folgsam in eigene Stellungnahmen gießen.

So der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann in einer Pressemitteilung: „Der Schaden, den hier sogenannte externe Experten aber auch Mitarbeiter des eigenen Hauses dem Theater und der Stadt Hagen im Rahmen dieses nun vollkommen gescheiterten Besetzungsverfahrens zugefügt haben, ist immens. Es ist zudem offensichtlich, dass die Führungsriege des Theaters von Anfang an kein Interesse daran hatte, einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Diese war nie bereit Frau Caron überhaupt eine Chance zu geben und hat die Schmutzkampagne noch zusätzlich befeuert.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Röspel sieht gar sinistre Mächte am Werk: „Es ist im höchsten Maße bedenklich, dass an diesem Rückzug verschiedene Dunkelmänner mitgewirkt haben.“

Röspel weiter: „Mit den boshaften Briefen eines Mannheimer Ex-Intendanten wurde die persönliche Integrität der Bewerberin ganz gezielt schwerstens beschädigt, ohne ihr die Möglichkeit einer sachlichen Richtigstellung einzuräumen. Zuletzt hatte eine als vertraulich gekennzeichnete E-Mail des Theater-Betriebsrates, mit einer Mischung aus Halbwahrheiten und Behauptungen die Runde gemacht.“

Es war zwar nicht der Betriebsrat, der den Brief verschickte, sondern Absender waren die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Theater-GmbH – aber mit solchen Feinheiten muss man sich ja wirklich nicht aufhalten, wenn man CDU-Fraktionschef ist.

Und natürlich hätte Caron jederzeit die Möglichkeit zur Richtigstellung gehabt. Wer soll ihr diese denn verwehrt haben? Man sieht, es ist alles nur Schaumschlägerei und Vernebelung, um von der eigentlichen Ursache – dem völligen Versagen des politischen Raums – abzulenken.

Die von Röspel monierte „Mischung aus Halbwahrheiten und Behauptungen“ ist in Wahrheit ein Fragenkatalog, der sich auf diverse Ungereimtheiten im Lebenslauf von Dominique Caron und nicht erkennbare Planungen bezieht. Alles legitim, seriös und sachlich vorgetragen. Dinge, die die Einheitspresse und ihre politischen Lemminge offenbar nicht vertragen können, da es nicht in ihr eigenes, ganz spezielles Konzept passt.

In dem an Oberbürgermeister Schulz, Kulturdezernentin Kaufmann, Aufsichtsratsvorsitzenden Söhnchen und alle Mitglieder des Hagener Rats gerichteten Schreiben heißt es u.a.:

Nach unserem Kenntnisstand liegen bis heute keinerlei akademische Qualifikationen durch Nachweise vor.

Der Lebenslauf von Frau Caron beinhaltet Unstimmigkeiten, die sich auf ihre Zeit in Gießen beziehen.

Bis zum heutigen Tag liegt nach unseren Informationen kein schriftliches Konzept zur Einsparung von 1,5 Millionen Euro von Frau Caron vor, weder finanzieller noch künstlerischer Art.

Wir sehen es als schwierig an, ein Theater künstlerisch verantwortlich zu übernehmen, das in einem großen Umbruch steht, und gleichzeitig Festspiele zu führen und dabei auch noch dort zu inszenieren.

Uns ist nicht bekannt, dass Frau Caron in den letzten Monaten eine einzige Vorstellung im Theater Hagen besucht hat, um sich mit einer eventuellen künftigen Arbeitsstätte vertraut zu machen.

Uns ist bisher nicht bekannt, ob, welche und wie viele Inszenierungen außerhalb der Festspiele in Eutin an Theatern von Frau Caron zu sehen waren.

Nach dem Kenntnisstand der Arbeitnehmervertreter wurden bisher ausschließlich politische Referenzen eingeholt, die fachlich leider keine Aussagekraft haben.

So sieht also die „Mischung aus Halbwahrheiten und Behauptungen“ aus, die CDU-Röspel entdeckt haben will. Und so „arbeitet sich das Quintett über vier Seiten an der Vita von Dominique Caron ab“, wie das Pressehaus meint.

Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, veröffentlicht DOPPELWACHOLDER.DE hier den kompletten Brief der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Theater-GmbH (pdf).

Die Ratsgruppe aus Piraten und Bürger für Hohenlimburg kommt abweichend von der Einheitsfront zu der Feststellung: „Vielleicht reicht es ja aber schon, wenn nicht Prinz Karneval die Zügel in der Hand hat, sondern Menschen, die verstehen, wie man ein Bewerbungsverfahren korrekt durchführt.“

Das wäre jedenfalls schon mal ein Anfang.

Eine Antwort to “Caron-Pleite: Die Belegschaft ist schuld”

  1. Christoph Rösner Says:

    Ihr könnt davon ausgehen, dass wir alles tun werden, damit Euch Eure Frechheiten und Schamlosigkeit auf die eigenen Füße fallen. Glaubt Ihr eigentlich, die Bevölkerung sei so dämlich, dass sie Euer böses Spiel nicht durchschaut? Jetzt fangt Ihr an, jeden, aber auch jeden, der Eure Ignoranz und Dreistigkeit anprangert, zu diskreditieren. Darin seid Ihr großartig. Vom Ex-Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim bis zum Theatermitarbeiter, und sie als Dunkelmänner, Lügner und unqualifizierte Schmutzkompaneros zu bezeichnen? Hättet Ihr früher Eure Arbeit gemacht, Euch informiert und die massiven und belegbaren Fakten nicht zurückgehalten, wäre es nicht so weit gekommen. Dann wären nämlich ernstzunehmende Bewerber berücksichtigt worden, die es gab und noch immer gibt. Jetzt arbeitet Ihr mit den bösartigsten Unterstellungen, übelsten Verleumdungen und lächerlichsten Anwürfen, nur um Euch Versager selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Das ist armselig. Denn hättet Ihr die „sogenannten externen Experten“ rechtzeitig angehört, stündet Ihr heute nicht derart belämmert da. Jetzt fällt Euch nur noch ein, um Euch zu schlagen, und, wie immer, die Schuld bei anderen zu suchen. Armselig. Ein ernst zu nehmendes Statement von Eurer Seite mit dem Tenor: Wir waren massiv unter Druck – was stimmt – und wir haben möglicherweise unreflektiert und vorschnell entschieden, damit endlich eine Lösung fürs Theater zustande kommt, hätte die Türen für einen konstruktiven Dialog geöffnet. Aber dazu seid Ihr nicht fähig. Einsicht, Lernfähigkeit und die Bereitschaft zur Revision falscher Entscheidungen gehören nicht zu Eurem Repertoire. Und wir Bürgerinnen und Bürger sollen Leuten wie Euch diese Stadt, dieses Theater überlassen? Das glaubt Ihr doch wohl selbst nicht. Doch, Ihr glaubt das noch, und das ist das Schlimmste, dass Ihr immer noch so von Euch selbst überzeugt seid, dass Ihr uns alle, die sich begründet sorgen, Dunkelmänner nennt. Ihr solltet Euch schämen – aber Ihr habt zu oft bewiesen, dass Ihr dazu auch nicht in der Lage seid.

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