Lasst das Theater mit diesen Leuten nicht alleine!

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von Christoph Rösner

Wenn ich Karikaturist wäre, würde ich unser aller Sven Söhnchen als freundliche, unrasierte Kugel mit Künstlerschal zeichnen. Bin ich aber nicht, und so muss seine Beschreibung über das geschriebene Wort in Euren Köpfen lebendig werden.

Nun haben sich, sagen wir, eher unschöne Dinge um den Kulturausschussvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden des Theaters ergeben, die wohl nach unvermeidlichen Konsequenzen schreien.

Wichtige Informationen über die Intendanten-Aspirantin hat er zurückgehalten und somit die Entscheidungsfindung wissentlich manipuliert. Und die längst wegen eklatanter und belegter Unfähigkeit in die Tonne gekloppte Bewerbung Dominique Carons hat er mit einer an Genialität nicht zu überbietenden Begründung wieder hervor gekramt „Lieber eine schlechte, als gar keine Intendantin.“ (Zitat Schutzschrift Ulrich Schwab)

Dass ehemalige Generalintendanten, Generalmusikdirektoren, Regisseure, Dirigenten und Anwälte aus der gesamten Republik sich bemüßigt fühlten, sich persönlich nach Hagen zu begeben und heftigste Warnungen auszusprechen, schien und scheint die Findungskommission und den parteipolitischen Teil des Aufsichtsrates nicht zu kratzen. Im Gegenteil: vermutlich suhlen sie sich in der seltenen Erfahrung, als erfolglose, verantwortliche Politikfiguren einer im Desaster versinkenden Stadt von derart geballter Kompetenz angesprochen und bekniet zu werden, ihre Entscheidung zu überdenken und zu revidieren.

Aber, und das kennt man hier nur allzu gut, das schlichte Gemüt wertet diese kompetenten Einlassungen natürlich mal wieder als unbotmäßige Einmischung von außen, pflegt lieber seine kindische Renitenz und stimmt jetzt aber erst Recht und mit Schmackes für die falscheste aller Lösungen. Und das parteiübergreifend.

Die Konsequenzen aus diesem Fehlverhalten – ob bewusst oder unbewusst in Kauf genommen, wollen wir mal dahin gestellt sein lassen – sind allerdings gravierend.

Und hier ziehen wir gerne den von Caron und Söhnchen mit einer Einstweiligen Verfügung belegten ehemaligen Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim, Ulrich Schwab, zu Rate, der eine 14-seitige Schutzschrift gegen die Einstweilige Verfügung Caron/Söhnchen verfasst hat. Übrigens: Ulrich Schwab war vier Jahre Dominique Carons Vorgesetzter in Mannheim.

Und damit Euer Glossenschreiber hier nicht alles selbst umformulieren muss, die drei wichtigsten Konsequenzen im Originalwortlaut:

„[…]Zumindest drei Konsequenzen aus diesem von Ratsherrn Söhnchen zu verantwortenden schweren Versäumnis sind für das Theater – und den Kämmerer ! – irreparabel:

2.1  In der Spielzeit 2017/2018 also bis Ende August 2018 kann in den Monaten Januar – August 2018 entgegen der derzeitigen Planung aus dem Bereich Künstlerbudget ein anteiliger 2/3 Einsparbeitrag von geplant insgesamt mindestens 500 T€ , also  333 T€ auf die lt. bindendem Ratsbeschluss in 2018 zu erbringenden 1,5 Mio nicht mehr erwirtschaftet werden.

Es sei denn in Vollstreckung des Ratsbeschlusses müssen im verbleibenden Rumpfjahr 2018 (September bis Dezember) nicht „nur“ 166 T€ sondern die ganzen 500 T€ eingespart werden, was zu einem Kollaps des künstlerischen Betriebs und damit zum möglicherweise zum vom Rat der Stadt insgeheim angestrebten schnellen Ende des Theaters führen würde.

2.2  Ein neuer Intendant bzw. eine neue Intendantin kann sich für ihre erste Spielzeit kein eigenes auf den Intendanten zugeschnittenes Team zusammenstellen, weil alle Positionen besetzt sind. Und das betrifft nicht nur den auf der „Spar-Strichliste“ aufgeführten Personenkreis (Orchester, Chor, Tänzer usw) sondern insbesondere das Leitungsteam, also den gesamten Stab der dem Intendanten künstlerisch zur Seite stehenden Mitarbeiter wie Pers. Referenten, Disponenten, Dramaturgen, Assistenten, Regisseure, Kapellmeister, Repetitoren usw.

2.3   Dies  hat weiter zur Folge, dass auch alle anderen dem Intendanten faktisch jetzt aufgezwungenen “alten“ Mitarbeiter nach menschlichem Ermessen –  mit einem nachgeholten Kündigungsschreiben der neuen Intendantin in der Tasche – ganz sicher nicht den Einsatz und die Motivation aufbringen können, die für Theaterarbeit – immer, und erst recht für einen Neuaufbruch – unverzichtbar sind.

Obwohl diese dargestellten Konsequenzen allein der Antragsteller und AR-Vorsitzende Söhnchen zu vertreten hat, spielt das mangelnde Durchsetzungsvermögen der Antragstellerin (Caron Anm. d. Verf.) – deshalb werden die fatalen Folgen hier so detailliert dargelegt – zum Schaden des Theaters eine entscheidende Rolle:

Während nämlich für einen außenstehenden ‚Nicht-Theatermann‘ wie Herrn Söhnchen diese komplexen Zusammenhänge, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu durchschauen waren, hätte zumindest Frau Caron, die seit dem 26. September aufgrund des Votums der Findungskommission wusste, dass sie voraussichtlich ab der Spielzeit 17/18  für das Theater die volle Verantwortung übernehmen müsse, ihren zukünftigen ja mehrheitlich ahnungslosen Aufsichtsrat noch einmal warnen und ihn ganz einfach nicht in die Herbstferien entlassen dürfen, bevor nicht  die  – wie dargelegt  – erforderlichen Beschlüsse gefasst waren.“

Was sagt uns das? Entweder war es – wie so häufig – grassierende Inkompetenz, die diese üble Bredouille heraufbeschworen hat oder unerträgliche Ignoranz, oder, wie immer wieder gerne in Hagen, eine grausige Mischung aus Beidem.

Sowohl das Eine, als auch das Andere machte eigentlich einen Rücktritt unserer freundlichen Kugel mit dem Künstlerschal unvermeidbar, wenn – ja wenn da nicht diese kindische Renitenz wäre, die ihn und andere ganz sicher davon abhalten wird, vielleicht zum ersten Mal in ihrer politischen Laufbahn etwas Bemerkenswertes zu tun. Oder um es mit einem Söhnchen-Zitat in abgewandelter Form zu sagen: „Lieber keinen AR-Vorsitzenden als einen schlechten.“

Noch ein Auszug aus Ulrich Schwabs Schutzschrift:

„Denn für einen kompetenten AR-Vorsitzenden hätte es ja nun wirklich kein unlösbares Problem sein dürfen, angesichts der beschriebenen Dringlichkeit auch ganz kurzfristig gem. § 14 (3), 2. Satz des Gesellschaftervertrags eine beschlussfähige außerordentliche Aufsichtsratssitzung (z.B. zur Not in einer  Nachtsitzung) zusammenzutrommeln; zumal außer den fünf  Arbeitnehmervertretern, die ja nicht in Ferien waren, zur Beschlussfähigkeit nur weitere drei AR-Mitglieder erforderlich gewesen wären. Vom Antragsgegner (Schwab Anm. d. Verf.) darauf angesprochen, hielt der AR-Vorsitzende eine solche Flexibilität der Hagener Verwaltung jedoch kategorisch für nicht vorstellbar.“

Zitatende! Mehr entlarvende Wahrheit – und die von einem Außenstehenden – geht wohl tatsächlich nicht.

Vorerst … noch ein letzter erhellender Auszug aus der uns vorliegenden Schutzschrift des Generalintendanten des Nationaltheaters Mannheim a.D. und Anwalt mit Schwerpunkt Bühnenrecht.

Dominique Caron und Sven Söhnchen wollen dem Antragsgegner (Schwab Anm. d. Verf.)

„[…] untersagen, in Zusammenhang mit der Berufung der Antragstellerin zur Intendantin des Theater Hagen Einzelheiten des Berufungsverfahrens zu veröffentlichen und weiterhin kritische Äußerungen über die Antragstellerin und den Antragsteller zu verbreiten.“

Ein befreundeter Künstler mit hoher Reputation in Hagen gab vor ein paar Tagen zu bedenken, ob eine solche Schlammschlacht für unser Theater nicht eher kontraproduktiv sei und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht eher Schaden zufügen würde. Seine Bedenken sind durchaus berechtigt, lassen aber eine wichtige Frage unbeantwortet:

Darf man das Theater und seine wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich in Zukunft mit solchen Leuten alleine lassen?

Nein. Das darf man nicht!

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