„Unbrauchbare“ Bewerbung „herausgekramt“

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Rücktritt von Sven Söhnchen gefordert („Lieber eine schlechte, als gar keine Intendantin“)

Weil er entscheidungsrelevante Informationen „über die Kandidatin Caron gegenüber den Mitgliedern des Aufsichtsrat unterschlagen bzw. nicht weitergegeben und damit das Abstimmungsergebnis rechtswidrig manipuliert“ habe, solle der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater-GmbH, Sven Söhnchen (SPD), zurücktreten oder von allen Ämtern entbunden werden.

Das fordert der langjährige Generalintendant des Nationaltheaters Mannheim, Ulrich Schwab, in einer sogenannten „Schutzschrift“, die sich gegen eine angekündigte einstweilige Verfügung richtet. Nach Angaben von Schwab angestrengt von Söhnchen und der designierten Intendantin des Hagener Theaters, Dominique Caron.

Schwab, der heute als Jurist mit dem Schwerpunkt Bühnenrecht arbeitet, erhebt gegenüber Söhnchen schwere Vorwürfe. Nicht umsonst dürfte Söhnchen dagegen juristische Mittel ins Feld führen, und sei es nur deshalb, um sich über die Zeit zu retten und einen genehmen Beschluss des Stadtrats am 24. November hinzubekommen: Die endgültige Berufung Dominique Carons als neue Intendantin des Hagener Theaters.

In einem Bericht der WPWR vom 26. Oktober 2016 wird das Mitglied des Theater-Aufsichtsrats, Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach (SPD) mit den Worten zitiert: „Wir haben umfangreiche Referenzen eingeholt und die waren durchweg positiv. Frau Caron ist die geeignetste Kandidatin aus dem Bewerberfeld.“

CDU-Vertreter Wolfgang Röspel äußerte sich laut WPWR ähnlich: „Frau Caron hat uns überzeugt“, man spreche sich keineswegs für sie aus, weil sonst keine Kandidaten übrig geblieben seien: „Es ist eine Entscheidung für Frau Caron.“

Dazu Schwab in seiner Schutzschrift:

„Das kann nur bedeuten, dass der Antragsteller Söhnchen zumindest einen Großteil der ihm als Aufsichtsratsvorsitzenden vom Antragsgegner übermittelten entscheidungsrelevanten Informationen über die Kandidatin Caron gegenüber den Mitgliedern des Aufsichtsrat unterschlagen bzw. nicht weitergegeben und damit das Abstimmungsergebnis rechtswidrig manipuliert hat.

Weshalb er nach Auffassung des Antragsgegners (Anm. DW: Schwab) von allen Ämtern entbunden werden oder zurücktreten sollte.“

Schwab hat nach eigenen Angaben dem Vorsitzenden des Hagener Kulturausschusses und Aufsichtsratschef der Theater-GmbH, Sven Söhnchen, „in der Zeit zwischen dem 13. und 21. Oktober, also rechtzeitig vor der AR-Sitzung am 25.10., dem Antragsteller (Anm. DW: Söhnchen) eine Vielzahl gravierender Bedenken, die aus Sicht des Antragsgegners gegen eine Berufung der Antragstellerin (Anm. DW: Caron) sprechen, vorgetragen.“

Diese habe er „persönlich und in mehreren sehr ausführlichen Schreiben eindringlich und wiederholt dargelegt.“ Dazu Schwab weiter:

(Söhnchen) war jedoch erkennbar von Anbeginn der Gespräche fest entschlossen, in der AR-Sitzung am 25.10. – komme was da wolle – die Antragstellerin (Anm. DW: Caron) als Intendantin durchzusetzen.

So erklärte er bereits bei einem ersten persönlichen Gespräch am 19.10. im Hagener Rathaus, „die Intendantenfrage muss nach über 1 ½ Jahren vergeblicher Bemühungen jetzt endlich vom Tisch, und lieber jetzt eine schlechte, als gar keine Intendantin“.

Dabei gestand er offen ein, dass die Bewerbung der Antragstellerin (Anm. DW: Caron) längst als ‚unbrauchbar‘ ausgesondert ‚in der Schublade‘ lag, dann aber, nachdem alle ernst zu nehmenden und zu Gesprächen eingeladenen Kandidaten wegen der zu vollstreckenden 1,5  Mio-Kürzung einer nach dem anderen ihre Kandidatur zurückgezogen hätten, wieder „herausgekramt“ worden sei.

Weshalb man jetzt mangels anderer Alternativen an dieser “zugegebener Maßen nicht besten aller denkbaren Lösungen“ festhalten müsse.

Bei Schwab entstand der – wirklich nicht von der Hand zu weisende –

„Eindruck, als nehme der Aufsichtsratsvorsitzende ein mögliches Scheitern dieser Intendanz sogar gerne in Kauf, weil sich auf diese Weise für den Rechtsträger möglicherweise eine nicht unwillkommene  Gesamtabwicklung des Theaters ergeben könnte, für die dann auch gleichzeitig ein Sündenbock gefunden sei.

Diese Befürchtung wurden verstärkt durch die anschließend offenbar erfolgreichen Bemühungen des Antragstellers (Anm. DW: Söhnchen), keine der ihm vorliegenden Negativbeurteilungen seiner Kandidatin an die Mitglieder im Aufsichtsrat weiterzugeben.

Anders lassen sich, wie schon ausgeführt, die zitierten Äußerungen der Aufsichtsratsmitglieder bei Verkündung des Beschlussergebnisses vom  25.10.16 nicht erklären.“

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Eine Antwort to “„Unbrauchbare“ Bewerbung „herausgekramt“”

  1. Zur Kenntnis … | der kulturpolitische reporter Says:

    […] Vorhang zu in Hagen: Die designierte Intendantin Caron sagt kurz vor knapp ab – nach einer echten Schlammschlacht […]

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