Süßer die Glocken nie klingen

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Dominique Caron liefert im Interview die passenden Vorlagen für den Ratsentscheid

Weihnachten, das Fest des Friedens, naht auch dieses Jahr unaufhaltsam. Da gilt es, die letzten Geschenkpakete rechtzeitig zu schnüren.

Für den Stadtrat steht zum Beispiel noch die Nominierung der ausgeguckten Intendantin der Hagener Bühne auf dem Programm. Die Unterstützung der lokalen Gazette für die Oberbürgermeister-Brigade ist natürlich Ehrensache. Dass die SPD-Fraktion (wenigstens mehrheitlich) mit im Boot sein wird, kann wohl nach deren Presseäußerungen ebenfalls vorausgesetzt werden.

Am Samstag räumte die WPWR der designierten Intendantin des Hagener Theaters, Dominique Caron, großzügigen Platz frei, um in einem Interview ihre (angebliche) Liebe zu dieser Stadt und ihrer Bühne darstellen zu können.

Allroundtalent Mike Fiebig („mifi“) stellte die Fragen so, dass Caron punktgenau antworten konnte. Ein cleverer Pressesprecher der Französin, die derzeit noch im schleswig-holsteinischen Eutin wirkt, hätte es nicht besser einstudieren können.

Sie „bewundere“ die Stadt Hagen und „kenne“ beispielsweise aus ihrer „Zeit in Dortmund“ tatsächlich „viele Leute“. Sie sage das „aus tiefstem Herzen. Meine Erfahrungen in Hagen reichen lange zurück. Diese Stadt hat feste Wurzeln, die Menschen sind offen und noch viel wichtiger: Hagen ist multikulturell.“ Süßer die Glocken nie klingen.

Mit diesem Statement werden sowohl die lokalpatriotischen Traditionalisten als auch diejenigen, die 60 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbevertrags für italienische Gastarbeiter so langsam die Realitäten begriffen haben, mit ins Boot genommen.

Carons Vertrag ist schließlich noch nicht in trockenen Tüchern, der Stadtrat entscheidet erst am 24. November dieses Jahres. Da muss man sich schon mal anstrengen und den Entscheidern das liefern, was sie gerne hören möchten: Heimatliebe für die Einen, Multikulti für die Anderen. Zusammen gibt das eine Mehrheit. Sonstige Kriterien spielen dann womöglich nicht mehr die erste Geige.

Zum Beispiel die leidige Angelegenheit mit den vom Stadtrat mehrheitlich beschlossenen Kürzungen im Kulturbereich, von dem das Theater in erster Linie betroffen ist: 1,5 Millionen Euro sollen pro Jahr aus dem Etat der Bühne verschwinden.

Dazu meint die geplante neue Frau an der Spitze: „Ja, wir müssen sparen, aber die Qualität wird nicht leiden.“ Es gäbe „bereits konstruktive Absprachen, wie wir das Sparziel erreichen können“. Mit wem sie diese vereinbart hat und wie das laufen soll, bleibt im Dunkeln. „mifi“ fragt auch nicht nach.

Die Theaterleute können jedenfalls nicht die Gesprächspartner gewesen sein, denn die sind erst für die Zukunft eingeplant: „Darüber werde ich mit allen Beteiligten, allen voran mit Geschäftsführer Michael Fuchs, zeitnah sprechen“. Vorsorglich findet es Caron dagegen schon einmal „schade, wie viel Prügel sich Politik und Verwaltung abholen“ müssen. Das gibt garantiert Pluspunkte im politisch-medialen Kartell.

Für teamfähig hält sich Caron allemal: „Wie hätte ich (…) an der Oper Dortmund und bei den Festspielen in Eutin bestehen sollen, wenn ich nicht gut im Team arbeiten könnte?“ Sie bedauere, „dass genau diese meiner Stärken so in Frage gestellt wird.“

Das sehen andere bekanntlich ganz anders. So zum Beispiel der frühere Generalmusikdirektor der Eutiner Festspiele, Urs-Michael Theus, oder der ebenfalls in Eutin engagierte Dirigent Christo Christov.

Theus äußerte sich im DOPPELWACHOLER-Interview zu einer Intendanz von Dominique Caron in Hagen („Ideale Besetzung für eine Abwicklung“): „Für Ihr Theater ist die Wahl von Frau Caron in mehrfacher Hinsicht ein großer Fehler – auf fachlich-künstlerischer, organisatorischer und vor allem menschlicher Ebene.“ Christov zog sein Eutiner Resümee drastisch: „Alles war eine riesige Scheiße.“

Auch die Dortmunder Ära von Caron scheint nicht ganz unfallfrei verlaufen zu sein. Dort agierte sie einige wenige Monate im Jahre 2011 als kommissarische Leiterin des Opernhauses. Ein Kurzzeitraum, der jetzt als Qualifizierungsmerkmal für die Bewerbung in Hagen herhalten muss.

Im September 2011 berichtete die Dortmunder Presse über die Nichtverlängerung des Vertrags mit dem damaligen Generalmusikdirektor Jac van Steen. In einem Interview sagte van Steen:

Vorstellungen wurden abgesagt, ohne mich zu informieren. Die Daten für den Abschied des alten Sängerensembles und die Spielzeitbegrüßung wurden ohne Rücksicht auf Daten gelegt, an denen ich nicht da bin. Heute denke ich, was passiert ist, stand in den Sternen.“

Reden Sie von einer Demontage durch die Stadt oder die Theaterleitung?

Da bin ich überfordert, die Antwort kann ich nicht geben.

Zwischen Ihnen und Dominique Caron, der kommissarischen Opernleitung, soll es Probleme gegeben haben?

Frau Caron ist nicht mehr an diesem Haus angestellt. Das Thema ist für mich uninteressant.

Über ähnliche Probleme hatte auch schon Ex-Eutin-GMD Theus im DW-Interview berichtet: „Einer ganzjährig bezahlten Intendantin, die während der zwei Sommermonate für zwei Produktionen zuständig ist, sollte es zudem gelingen, ihre Inszenierung bis zur Generalprobe rechtzeitig über die Bühne zu bringen. Probenpläne für Solisten und Chor erschienen mir oft eher wahllos und wenig planbar angesetzt. Gedruckte Flyer mussten eingestampft werden, weil Frau Caron neue Zeiten und Premierentermine ansetzte usw.“

Auch der designierte Hagener Generalmusikdirektor, Joseph Trafton, soll sich bereits „zerknirscht“ gezeigt haben, weil Caron ihn bislang nicht in ihre Planungen einbezogen habe.

Das werde sie nachholen, sagte sie der WPWR. Aber erst „wenn ich ernannt bin.“

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