Tod eines Wunderheilers

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Subversiver Hagen-Krimi von Horst Eckert

von Dr. Ulrich Schröder
Literatur-Kolumnist des trailer-ruhr-Magazins

Die bizarren Blüten der Komunalpolitik liefern den Hintergrund für einen Kurzkrimi, der kürzlich im Rahmen des internationalen Festivals „Mord am Hellweg“ vor fast vollem Haus im Kulturzentrum Pelmke präsentiert wurde.

Horst Eckerts „Heiler von Hagen“ ist eine 2016 satirisch verarbeitete lokalpolitische Posse um einen „Baumwipfelpfad“ als vermeintlich lukrativer Touristenattraktion in der oftmals als „waldreichste Stadt“ in NRW gepriesenen Kommune.

Horst Eckert bringt nach kurzer Einführung von Astrid Knoche (Kulturbüro Hagen) den rund 40 Gästen  mit einem Kurzkrimi aus der aktuellen „Mord am Hellweg“-Anthologie „Glaube – Liebe – Leichenschau“ (Grafit 2016) eine gute Portion Lokalkolorit ins Wehringhauser Kulturzentrum Pelmke.

Im Fokus der Erzählung steht ein Lokalzeitungsredakteur, dessen krebskranke Ehefrau unter dem Einfluss eines angeblichen Wunderheilers ihre Chemo-Therapie abbricht und kurz darauf stirbt. Zuvor hatte sie noch heimlich eine Hypothek aufgenommen, um die Dienste des dubiosen „Heiler[s] von Hagen“ zu finanzieren. Als dann auch noch die Tochter unter den suggestiven Einfluss des Quacksalbers gerät, schreitet der Redakteur zur Tat und beschafft sich eine Handfeuerwaffe, mit der er den selbsternannten Heiler in dessen Villa unweit der A45 ins Jenseits befördert.

Mit satirischen Anklängen wird hierbei nicht nur der verkehrspolitische Frevel aufs Korn genommen, am Rande eines Jugendstil-Villenviertels eine Autobahn zu bauen. Auch die Schildbürgerstreich-Debatte um die Schaffung einer Touristenattraktion in Krisenzeiten setzt absurde Akzente, mit denen lokalpolitischer Dilettantismus in der hoch verschuldeten Kommune demaskiert wird:

„Ein privater Investor wollte in der waldreichsten Stadt des Landes einen Baumwipfelpfad errichten. Arbeitsplätze würden geschaffen, Touristenströme fließen.“ Um die geplanten „eineinhalb Kilometer Brettersteig mit Aussichtsplattformen und einem Hotel aus Baumhäusern“ ist „heftiger kommunalpolitischer Streit“ entbrannt: „Hagen brauchte wirtschaftliche Belebung, meinten die einen. Aber keine Kirmes im Wald, mauerten die anderen.“

Eine solche Akzentuierung vermeintlicher Provinzpossen ist kein Zufall bei Horst Eckert: „Mich interessieren lokalpolitische Geschichten immer, wenn ich über eine Stadt schreibe“, bekennt der Autor nach der Lesung.

So auch in der Erzählung „Wege zum Ruhm“, die 2006 in der Kurzkrimi-Sammlung „Blutgrätsche“ (Grafit 2006) erschien, mit der Eckert 2007 abermals für den bereits 2001 erhaltenen Friedrich-Glauser-Preis nominiert wurde. Dort geht es um den Abriss des Düsseldorfer Rheinstadions und die kostspieligen Neubau-Pläne einer Arena mit Schiebedach im Zuge der Fußball-WM 2006.

Dieses Vorhaben brachte damals die schwarz-gelbe Koalition in der Landeshauptstadt ins Wanken – und Eckerts kriminalistische Kritik hieran habe das Verbot einer Lesung durch das Büro des Oberbürgermeisters nach sich gezogen.

Mehr unter: trailer ruhr

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