In Syrien Dozentin und Doktorandin, in Hagen Praktikantin

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kouja_ali_-_webAmani Kouja Ali hat einen Herzenswunsch: Die Syrerin möchte unbedingt wieder in ihrem Beruf arbeiten. Vor der Flucht hat sie in ihrer Heimat als Bankerin und Uni-Dozentin gearbeitet. Foto: FernUni

Der Weg in ein neues Leben ist lang und beschwerlich. In Syrien ist Amani Kouja Ali die Karriereleiter Schritt für Schritt nach oben geklettert. Die 28-Jährige hat in Syrien einen Master-Abschluss in Wirtschaft mit Schwerpunkt Finanzen und Versicherungen gemacht. Sie hat bei einer Bank und als Uni-Dozentin gearbeitet. Und sie hatte mit ihrer Promotion begonnen.

Doch dann musste sie von heute auf morgen ihre Heimat Edleb verlassen. 2014 floh sie wegen des Krieges nach Deutschland. „Man konnte und kann nie wissen, wann die nächste Bombe kommt“, sagt sie. In Hagen hat sie mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein neues Zuhause gefunden. Seit Anfang September sammelt sie als erste syrische Praktikantin in der FernUni-Verwaltung wichtige Erfahrungen für den Einstieg ins deutsche Berufsleben. Die Caritas in Hagen hatte die qualifizierte Syrerin beraten und stellte den Kontakt zur FernUni her.

Noch bis zum 7. Oktober ist Amani Kouja Ali Praktikantin in der Abteilung Organisations- und Personalentwicklung im Dezernat 3. Die junge Frau ist neugierig, wie eine Fernuniversität in Deutschland funktioniert. Sie selbst hat an einer Präsenzuniversität in der syrischen Hauptstadt Damaskus studiert, Fernstudienangebote gebe es in ihrer Heimat aber auch. Ihr erster Eindruck an der FernUni: „Die Arbeit ist hier sehr gut organisiert. Das gefällt mir. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich freue mich wirklich sehr, hier arbeiten zu dürfen.“

Beim Vorstellungsgespräch im Frühjahr dieses Jahres lernte auch Personalentwickler Jürgen Deitelhoff dazu. „Ich kannte bislang ja noch niemanden aus Syrien.“ Beten während der Arbeitszeit, gemeinsames Arbeiten mit Männern im Büro – diese Themen sprach er offen an. Amani Kouja Ali musste angesichts seiner Fragen herzhaft lachen. „Ich habe in Syrien doch ganz normal studiert und gearbeitet. Als Bankerin und Dozentin an der Uni.“ Und genau das möchte sie in Deutschland auch so schnell wie möglich. „Ich kann unmöglich den ganzen Tag zu Hause sitzen und möchte unbedingt wieder in meinem Beruf arbeiten“, sagt sie.

Ihre Zeit an der FernUni will sie so effektiv wie möglich nutzen. Derzeit prüft sie, in welchen Fällen Stellenausschreibungen der FernUniversität erfolgreich sind und in welchen nicht. Die Ergebnisse wertet sie mit Hilfe statischer Modelle aus. „Das hat einen Mehrwert und bringt uns weiter“, sagt Jürgen Deitelhoff.

Darüber hinaus möchte Amani Kouja Ali an der FernUniversität Kontakte knüpfen. Sehr gerne würde sie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ihrem Fachgebiet ins Gespräch kommen und sich mit Akademikerinnen und Akademikern aus dem arabischen Raum vernetzen.

Ihre berufliche Perspektive ist nach dem Ende ihres Praktikums ungewiss. Dabei ist sie bereits viele Schritte gegangen. Ihr Aufenthaltsstatus in Deutschland ist geklärt, sie darf mit ihrer Familie bleiben. Ihre syrischen Zeugnisse liegen übersetzt vor. Die Deutschprüfung B1 hat sie bereits bestanden, aktuell steht sie kurz vor der B2-Prüfung. Ihre kleine Tochter wird bei einer Tagesmutter der Caritas betreut. Sie hat bereits ein Praktikum bei der Axa-Versicherung in Arnsberg gemacht. Und sie ist bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet, hat aber bislang noch kein Angebot erhalten.

„Es wäre zu schade, wenn Frau Kouja Ali keine Chance bekommt“, sagt Jürgen Deitelhoff. „Sie ist eine sehr kluge Frau und wäre eine sehr gute Unterstützung in vielen Bereichen, insbesondere in der Wissenschaft.“

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