Ein olfaktorisches Gesamtkunstwerk

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Rathaus-Allianz des Grauens zieht Bilanz und lobt sich selbst

Der Hagener Suppenküche fehlen 80.000 Euro, die Caritas muss aufgrund der hohen Nachfrage den Zugang zu ihren Armenshops einschränken und Brücken können nicht saniert werden, weil auch hier das Geld fehlt – nur drei Meldungen aus den letzten Tagen, die einen Hinweis darauf geben, wie es um die Volmestadt bestellt ist.

Von diesen und anderen Problemen ist in einem Resümee, das die Rathaus-Allianz des Grauens jetzt präsentierte, nicht die Rede. Stattdessen quillt das Papier über von Lobhudeleien an die eigene Adresse.

Die Kooperation von CDU, Grünen und FDP, zusammen mit Hagen Aktiv, habe sich im Rat „sehr gut bewährt und für die Menschen in der Stadt viel erreicht“. Mal hat man einen „wichtigen Markstein gesetzt“, dann wiederum habe sich die Zusammenarbeit nochmals „bewährt“.

„Begeisterung schwingt mit“ über die eigenen Ideen und man habe „deutliche Überzeugungsarbeit“ geleistet sowie „erkennbar Position bezogen“.

Bei den Christdemokraten muss auch mal ein bisschen Masse herhalten. „27 Anträge“ habe man gestellt, unter anderem zum Hengsteysee: „Nie war unsere Naherholungsperle der Veredelung näher als jetzt.“ Aber: „Dazu braucht es erst einmal eine bessere Sicht auf die Seen.“ Nach Einsatz der Heckenschere sind vermutlich auch keine Investitionsmittel mehr erforderlich, denn von Geld spricht die Allianz-CDU an dieser Stelle nicht.

Davon ist allerdings an einer anderen Stelle die Rede, bei den gegen den Widerstand von Beschäftigten und interessierten Bürgern durchgeboxten Kürzungen im Kulturbereich. Dort hätten „die vier Fraktionen auch den gordischen Knoten bei den Kultursparmaßnahmen im Umfang von 2,25 Millionen Euro durchschlagen“, und zwar „erfolgreich“. Nach Ansicht des GRÜNEN-Fraktionschefs Jochen Riechel hätten jetzt „die Kultureinrichtungen Planungssicherheit“. So kann man das natürlich auch sehen.

Bei der Konsolidierung der problematischen Hagener Finanzsituation sieht Claus Thielmann (FDP) die Mehrheit im Rat auf einem guten Weg: „In der Allianz verstehen wir uns vor allem auch als Motor für einen konsequenten Spar- und Sanierungskurs bei den kommunalen Finanzen. Wir sind stolz, dass es uns gemeinsam mit unseren Partnern gelungen ist, ein zukunftsweisendes Paket zur Haushaltssanierung auf den Weg zu bringen. Diesen Weg wollten wir konsequent weitergehen.“

Im Klartext: Weiter kürzen, bis die Schwarte kracht – da sind wir stolz, der Motor zu sein. Konsequent bis zum Totalschaden.

Eigenlob stinkt, sagt der Volksmund. In diesem Sinne hat die Allianz des Grauens mit ihrer Bilanz ein olfaktorisches Gesamtkunstwerk geschaffen.

Wer sich das Traktätchen in Gänze zu Gemüte führen möchte: Hier ist es zu finden.

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