Noch ‘ne Gesellschaft

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Stadtrat beschließt Gründung einer „Wirtschaftsflächenentwicklungsgesellschaft“

In ihrem „Beteiligungsportfolio“ listet die Stadt Hagen inzwischen laut Beteiligungsbericht 35 Unternehmen auf, in die sie unterschiedliche Aktivitäten ausgelagert hat. Jetzt soll eine neue dazu kommen: eine „Wirtschaftsflächenentwicklungsgesellschaft“. Das hat der Stadtentwicklungausschuss  nach einem Bericht der WPWR beschlossen.

In der öffentlichen Tagesordnung wird dieser Punkt zwar erwähnt, nähere Angaben fehlen allerdings völlig. Wie das in Hagen so gehandhabt wird, wenn von vorneherein die Sinnhaftigkeit eines Unternehmens der Öffentlichkeit nur äußerst schwer zu vermitteln ist.

Die neue Gesellschaft soll nach Angaben des Einheitsblatts „die notwendige Schlagkraft entwickeln, um die Gewerbeflächenengpässe in den vier Hagener Flusstälern ein wenig zu entzerren“. OB Schulz erhofft sich danach eine „schmale, schnelle Eingreiftruppe (zu) etablieren mit enger Anbindung an die Stadtentwicklungspolitik“.

Von einer „Eingreiftruppe“ kann allerdings keine Rede sein, da die neue GmbH doch gleichzeitig „über kein eigenes Personal verfügen wird“. Dafür sind gleich zwei Geschäftsführer geplant, „die Kompetenzen der WBH und Fachlichkeiten der Stadt adäquat abbildet“, so die gewohnt gefällige Berichterstattung der WPWR.

Hintergrund der Gründung der neuen Gesellschaft ist der angebliche Mangel an Gewerbeflächen in Hagen, der vor allem von den einschlägigen Lobbygruppen aus Industrie und Gewerbe kontinuierlich vorgetragen wird und von deren Multiplikatoren im Rat und in den politischen Parteien dem Publikum schmackhaft gemacht wird.

Dabei sind Flächen durchaus vorhanden, aber entweder im Privatbesitz oder von den bisherigen Nutzern mit Altlasten hinterlassen worden, die erst auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt werden müssen. So etwas wie ein Verursacherprinzip scheint hier nicht zu gelten.

Das Volk wird stattdessen mit laufenden Hinweisen auf Müllsünder abgelenkt, die auf fruchtbaren Boden fallen, während die Großverursacher völlig aus dem Blick geraten sind.

Auch der Mangel an „restriktionsfreien“ Gewerbeflächen, also Arealen ohne Gifthinterlassenschaften durch Industriebetriebe, wird offenbar maßlos übertrieben, um der Versiegelung bisher offener Böden wie am Böhfeld Vorschub zu leisten. Laut Presse fallen nur 3 Hektar in diese Kategorie, aber allein an der Volmarsteiner Straße in Vorhalle bietet die stadteigene Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH 5 Hektar erschlossene Gewerbefläche an.

Und damit beginnt schon die nächste Ungereimtheit: ein Kuddelmuddel aus dem inzwischen unüberschaubaren Geflecht verschiedener städtischer Gesellschaften, die offensichtlich damit überfordert sind, ihre ursprünglich zugedachten Aufgaben wahrzunehmen.

Kein Wunder, wenn man die Politik der letzten Jahre betrachtet, die unter Anleitung der Verwaltungsspitze fortlaufend damit beschäftigt war, das städtische „Portfolio“ zu ergänzen, umzustricken und zu neuen Einheiten zusammenzulegen. Die Methode „Trial and Error“ war dabei der Leitfaden der beteiligten Akteure: Wir versuchen mal dies – wenn‘s nicht klappt, nehmen wir was anderes.

So auch bei den Gewerbeflächen. Dort finden sich, schon ohne die neue GmbH, fünf verschiedene städtische Mitspieler:

Die HagenAgentur als Wirtschaftsförderungsgesellschaft

„Ob Ansiedlung, Betriebserweiterung oder Unternehmensverlagerung, die jeweiligen Ansprechpartner  beim Unternehmensservice beraten gut und gern. (…)Bei der Suche nach geeigneten Gewerbeflächen oder Immobilien kann die HAGENagentur jederzeit als Vermittler eingesetzt werden.“

Fachbereich Immobilien, Bauverwaltung und Wohnen

Entwicklungsbereich „Unteres Lennetal“ Hagen – Halden

Durch die zweite Verordnung über die Erweiterung des städtebaulichen Entwicklungsbereiches „Unteres Lennetal“ Hagen-Halden vom 9.3.1999 erfolgte die Erweiterung des Entwicklungsbereiches um die Flächen Herbeck, Hammacher und Reh – eine ca. 120 ha große Arrondierungsfläche.

Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Die Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH – kurz HEG – hat sich bei ihrer Gründung im Jahr 2006 die Erschließung und Vermarktung von Grundstücken und Immobilien in der Stadt Hagen zur Aufgabe gemacht.

Gewerbegebiet Volmarsteiner Straße

Wirtschaftsbetrieb Hagen (WHB)

Soll Anteilseigner der neuen GmbH werden, die, laut Presse, „die Kräfte der Stadt (51 Prozent) und des Wirtschaftsbetriebes Hagen (49 Prozent)“ organisatorisch bündeln und „die notwendige Schlagkraft entwickeln“ soll, „um die Gewerbeflächenengpässe in den vier Hagener Flusstälern ein wenig zu entzerren“.

Gesellschaft für Immobilien und aktive Vermögensnutzung der Stadt Hagen mbH (GIV)

Hält nach eigenen Angaben Anteile der HEG

Verwaltungsspitze und Rat halten es nicht für angebracht, dieses Durcheinander aufzuräumen, sondern blasen den Apparat weiter auf, indem sie noch eine weitere Gesellschaft gründen, die naturgemäß die nur endlich vorhandenen Flächen auch nicht erweitern kann.

Garantiert sind dagegen weitere Geschäftsführerposten und Aufsichtsratsmandate, mit denen „verdiente“ Freunde glücklich gemacht werden können.

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