Chance vergeigt

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Städtebündnis kreißt – und gebiert nicht mal eine (Sendung mit der) Maus

In der Ankündigung gestern schwang ein gewisser Stolz mit: Das Städtebündnis „Raus aus den Schulden – Für die Würde unserer Städte“, das sich nach eigener Einschätzung für eine Entlastung der notleidenden Kommunen einsetzt, hatte den Einstieg in die angeblich „sozialen“ Medien angekündigt, um auch die Unterstützung „junger Menschen“ zu gewinnen.

Jetzt ist das Video online. Doch die Chance wurde gründlich vergeigt. Leider.

Unterlegt mit einem eintönigen Gedudel wird ein Filmchen präsentiert, das jedem aufklärerischen Ansatz Hohn spricht. Kein junger (und auch kein älterer) Mensch, der sich nicht schon vorher intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, wird verstehen, was hier eigentlich vermittelt werden soll. Und diejenigen, die eh schon im Stoff sind, brauchen das Video ja nicht.

Welcher Hund soll mit dieser Kreissparkassenoptik eigentlich hinter dem Ofen hervorgelockt werden? Jugendliche und junge Erwachsene, die mit der Ästhetik von Musikvideos und ähnlichem aufgewachsen sind?

Unter „jungen Menschen“ versteht das Städtebündnis wohl Kinder, wenigsten wenn man die Darsteller in dem Clip betrachtet. Aber selbst Kinder sind seit langem eine andere Qualität gewohnt. TV-Angebote wie „Die Sendung mit der Maus“ haben hier Maßstäbe gesetzt, die selbst Zuschauer, die längst dem Kindesalter entwachsen sind, begeistern können. Doch davon scheinen Auftraggeber und Macher dieses Produkts noch nie gehört zu haben.

Aber vielleicht ist das Anliegen des Städtebündnisses auch gar nicht so ernst gemeint. Schließlich sind die darin versammelten Bürgermeister und Kämmerer in der Regel Mitglieder der Parteien, die auch die großkoalitionäre Bundesregierung stellen. Da will man sich sicher nicht allzu sehr auf die Füße treten. Nach eigenen Angaben repräsentiert das Bündnis etwa 8 Millionen Bürger und damit anteilmäßig auch ca. 10 Prozent der Wählerschaft. Das eröffnet Möglichkeiten – wenn man denn will. In den acht Jahren seines Bestehens hat der Städtezusammenschluss bisher aber untertänigst darauf verzichtet, einmal die Werkzeuge vorzuzeigen.

Besonders lächerlich wird es, wenn in einer Pressemitteilung der Stadt zu diesem Film behauptet wird: „Er macht zudem deutlich, warum sich Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Stadtkämmerer Christoph Gernersmann im parteiübergreifenden Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ engagieren und eine Debatte im Deutschen Bundesrat, der Länderkammer, fordern. Damit unsere Stadt nicht kaputtgespart wird.“

Dass der Kämmerer aufgrund eines Tippfehlers „Gernersmann“ genannt wird, darf wohl als Freud’sche Fehlleistung durchgehen. Aber wenn der Oberbürgermeister, der bislang immer als linientreuer Vollstrecker des Kürzungsdiktats auftrat, plötzlich davor warnt, „unsere Stadt“ dürfe „nicht kaputtgespart“ werden, öffnen sich ganz neue Welten.

Die Zukunft wird den Gehalt an Wahrhaftigkeit dieser Worte zeigen. Schulz und sein Fanclub in Gestalt der „Allianz des Grauens“ werden sich daran messen lassen müssen.

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