Arbeitslosigkeit, Armut und Tristesse

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Deutschland ist ein reiches Land, mit einer boomenden Wirtschaft. Davon kommt allerdings im Ruhrgebiet – der ehemals wichtigen Stahl- und Kohleregion – nichts an. Hier gibt es viele bedürftige Menschen, vor allem so viele bedürftige Kinder, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Und es geht seit Jahren immer mehr bergab. (…)

In Oberhausen hat der Kämmerer in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Politik überall gespart: Bei Kultur, Sport, Jugendarbeit oder in der Organisation der Verwaltung. Schwimmbäder wurden geschlossen, Grundsteuer und Gewerbesteuer erhöht. Aber das habe Grenzen, sagt der Kämmerer:

„Was wir unbedingt vermeiden müssen, ist eine Entwicklung wie in Frankreich, wo in den Banlieues die Leute nur noch wohnen. Und zwar nur noch die, die von der Sozialhilfe leben. Wenn wir uns im Ruhrgebiet in so eine Richtung entwickeln, dann kriegen wir Verhältnisse wie dort.

In anderen Städten des Ruhrgebiets haben die Sparzwänge bizarre Blüten hervorgebracht. Zum Beispiel in Hagen:

„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ – ein Stummfilm-Klassiker. Hier neu vertont vom Komponisten Bernd Wilden, unter seiner Leitung gespielt vom Philharmonischen Orchester der Stadt Hagen. Die Stadt am Rand des Ruhrgebiets leistet sich neben dem Musiktheater auch ein Ballett und ein Schauspiel – noch. Wegen der desaströsen Haushaltslage soll das Theater ab 2018 drastisch sparen, 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Zur Rettung des Hagener Theaters hat der Autor und Kabarettist Christoph Rösner eine Onlinepetition auf den Weg gebracht. Spartenschließungen oder nur noch Gastspiele, ein Theater ohne eigenes Ensemble. Horrorvorstellungen für Christoph Rösner:

„Die Hagener Geschäftsleute, mit denen ich kommuniziere, bei denen laufe ich wirklich offene Türen ein. Weil denen offensichtlich im Vergleich zur Politik sehr klar ist, was es bedeuten würde, wenn nicht nur das Theater und das Haus, sondern die Menschen, die knapp 300 Menschen, die da arbeiten und deren Familien, mehr oder weniger zwangsläufig diese Stadt verlassen würden. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die einfach in Hagen blieben, weil es so schön ist, obwohl das Theater nicht mehr da ist.“ (…)

Quelle: Deutschlandfunk

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