Theater: Rat verdunkelt weiter

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Hagener Demokratiemodell: Kürzungsdiskussion wird der Öffentlichkeit entzogen

Seit Monaten sind die geplanten Kürzungen im Kulturbereich, vor allem beim Theater, das beherrschende Thema der politischen Debatte in der interessierten Öffentlichkeit. Trotz dieser Tatsache schrecken Oberbürgermeister und Stadtrat auch weiterhin nicht davor zurück, ihre Diskussionen und Beschlüsse dazu im Dunkel der Nichtöffentlichkeit zu versenken. Dem liegt ein Demokratieverständnis wie im Hause Erdogan zugrunde. Offensichtlich haben die Herrschaften etwas zu verbergen.

So z.B. bei der heutigen Ratssitzung. Im Bürgerinformationssystem findet der Citoyen den Tagesordnungspunkt 5.10 „Wirtschaftsplan 2016/2017 der Theater Hagen gGmbH“. Klickt man nun die Beschlussvorlage (VO) an, stößt der Interessent allerdings mitnichten auf den Wirtschaftsplan, sondern erfährt – und auch das nur unter Einsatz sprachlicher Verrenkungen -, dass im Ältestenrat, einem Gremium, das laut Geschäftsordnung des Rates § 24 außerhalb der Gemeindeordnung agiert (!), beschlossen wurde, die Angelegenheit (mit einer Ausnahme) in die Geheimabteilung zu schieben.

Gegenüber der Öffentlichkeit begründet wird ein solches Vorgehen traditionell nicht. Feudales Gebaren gehört in Hagen nach wie vor zu den Grundpfeilern des Politikverständnisses. Ein von einer ganz breiten Front getragenes Hinterwäldlertum im Jahre 2016.

Auch an dieser Stelle noch einmal der Blick 30 Kilometer westwärts. In Wuppertal stand der Wirtschaftsplan für die Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH am 1. März dieses Jahres auf der Tagesordnung. Selbstverständlich öffentlich. Die hierzulande regelmäßig wie eine Monstranz vorhergetragenen Bedenken sind wohl nur einem speziellen Hagener Landrecht zu verdanken, einer Art Rathaus-Scharia.

Von Wuppertal aus betrachtet liegt Hagen schon wegen der Topographie hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Blickt man ins Rathaus, vergrößert sich die Zahl derer, die aufgrund politischen Kleingeistes nicht über den Tellerrand schauen können, allerdings noch enorm.

Etwa fünf Dutzend Fußbänkchen oder kleine Trittleitern könnten vielleicht fürs Erste weiterhelfen. Die Lösung des Hagener Politikproblems ist das aber nicht.

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