Theaterdebatte: Wie Schulkinder

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Dr. Bücker (HA AKTIV) hält heldenhaft die Stellung gegen die „geballte bundesdeutsche Kulturkompetenz“

Soll man jetzt lachen oder weinen? Zwei Tage vor dem Theater-Marsch am Donnerstag gibt das Bündnis aus CDU, GRÜNE, FDP und HAGEN AKTIV eine Stellungnahme zur Zukunft der Hagener Bühne heraus, die die Bezeichnung „Allianz des Grauens“ für diesen Zusammenschluss der Fraktionen nicht besser rechtfertigen könnte.

Es ist müßig, die Zeit darauf zu verschwenden, sich im Einzelnen mit den dort vorgebrachten „Argumenten“ auseinanderzusetzen. Schon die Überschrift zeigt, wohin der Hase läuft: „Hagen braucht kreatives Bürgertheater“. Als ob es das nicht schon hätte!

Da werden Dinge unterstellt bzw. gefordert, die immer schon existierten. Das Hagener Theater ist eben keine nur kleine Minderheiten ansprechende Experimentierbühne, sondern hat seit eh und je ein breites Publikum angesprochen. Die hohen Auslastungszahlen sprechen doch eine eindeutige Sprache.

Wenn Wolfgang Röspel das lutzhagen als Vorbild bezeichnet, fragt sich der Betrachter, ob der CDU-Mann die Fäden noch zusammen bekommt: Das lutz ist Teil des Hagener Theaters, das der Fraktionsführer so gerne finanziell an die Kandare nehmen möchte!

Wenn Röspel behauptet: „Ganz Hagen kämpft für die Zukunft des Theaters. Das ist ein gutes Signal!“ dürfte er damit nur an die Teilnehmer am Theater-Marsch am Donnerstag gedacht haben. Sich selbst und seine Spezeln in der Allianz des Grauens kann er nicht gemeint haben.

Die Erklärung von CDU, GRÜNE, FDP und HAGEN AKTIV zum Hagener Theater:

Einigkeit: Hagen braucht kreatives Bürgertheater

„Ganz Hagen kämpft für die Zukunft des Theaters. Das ist ein gutes Signal!“ Auf diesen Nenner bringt der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Röspel die Diskussion der vergangenen Monate. „Auf Drängen der Aufsichtsbehörden haben wir per Ratsbeschluss vom März finanzielle Klarheit für das Theater geschaffen. Nun müssen wir ohne Denkverbote gemeinsam mit dem Theater und den Unterstützern in Förderverein und Stiftung den richtigen Weg finden, um das Haus für ein breiteres Publikum und neue Veranstaltungsformate zu öffnen. Wir brauchen eine bessere Struktur der Eintrittspreise, Kostensenkungen in allen Bereichen, attraktivere Angebote mit Event-Charakter, mehr Präsenz und Kooperation in der Region und eine bessere Mischung aus spezialisierter Hochkultur und attraktiven Programmen mit Breitenwirkung. Ohne Neuausrichtung wird es nicht gehen; vielleicht nicht einmal ohne Verkleinerung des Orchesters. Denn die demografischen Daten zeigen: Die nächsten Generationenwechsel bringen Hagen deutliche Veränderungen. Generationen mit zunehmendem Migrationsanteil wachsen heran. Auch dafür braucht das Theater passende Angebote! Das lutzhagen ist für mich da Vorbild!“

Für den Grünen-Fraktionssprecher Jochen Riechel ist am wichtigsten, dass „wir dem Theater einen breiten Finanz-Korridor absichern konnten: Mit jährlichen 13,5 Millionen Euro ab 2018 kann von Unterfinanzierung keine Rede sein: Das ist immer noch der höchste Zuschuss an eine einzelne Institution im städtischen Haushalt. Die regelmäßigen Anpassungen an die Tariferhöhungen abzüglich einem Prozent sind eine zusätzliche Sonderkondition für das Theater, die keine andere städtische Tochtergesellschaft erhält.“

Bedauerlich findet Riechel, dass es nicht gelungen ist, auf diesem Weg die Theaterleitung einzubinden. „Anstatt die Öffentlichkeit mit Untergangsszenarien zu verunsichern, wäre es ihre Aufgabe gewesen, eine seit 2013 bekannte Konsolidierungsvorgabe, die erst im Jahr 2018 greifen soll, frühzeitig organisatorisch abzusichern. Dieser Verantwortung haben sich weder Hausleitung noch Aufsichtsrat erkennbar gestellt.“

Bedauerlich findet das auch Dr. Josef Bücker, Vorsitzender der Fraktion Hagen Aktiv. „Da wird anlässlich einer Online-Petition behauptet, die Existenz des Theaters sei „massiv bedroht“. Spartenschließungen, Massenabwanderung der Künstler, Abfindungszahlungen, Prestigeverlust und Umwandlung in ein „bespieltes Haus“ mit Fremdproduktionen stünden bevor. Da wird die „geballte bundesdeutsche Kulturkompetenz“ der Interessenvertreter wie Orchestervereinigung, Bühnenverein, und Künstlern aufgefahren, um Ratsmitglieder wie Schulkinder zu maßregeln. Viele Menschen, die am Donnerstag demonstrieren wollen, wissen gar nicht, mit wie vielen Halbwahrheiten sie gelockt werden. Für mich ist das kommunalpolitisch ganz schlechter Stil!“ Dr. Bücker besteht darauf, dem Theater „nicht mehr zu versprechen als wir bezahlen können. Denn sonst wird dort eines Tages abrupt das Licht ausgehen. Und dafür will ich nicht verantwortlich sein!“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann sieht in der derzeitigen Debatte einen wichtigen Fortschritt: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehrere Versuche unternommen, das Theater zukunftsfähig aufzustellen. Selbstkritisch muss ich sagen: Dabei waren wir oft zu halbherzig. Der Rat hat noch vor zehn Jahren einen Intendanten gewählt, der von vorneherein höhere Abstriche beim Budget kategorisch ausgeschlossen hat. Das war eine ehrliche Ansage. Insofern ist Norbert Hilchenbach für seine Amtszeit kein Vorwurf zu machen. Wenn er allerdings heute über Bandansagen die Theaterbesucher für die Zukunft verunsichert, dann mag das seinem Intendanten-Ethos entspringen. Aber im realen Leben schadet er gerade allen potentiellen Nachfolgern. Was wir jetzt brauchen, das ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Der Rat ist dazu bereit.“

Eine Antwort to “Theaterdebatte: Wie Schulkinder”

  1. Allan Quatermain Says:

    Den Bericht von WS ist eigentlich nicht viel zu zu fügen.

    Jetzt weiß man ja, welche Parteien in Hagen man

    NICHT

    mehr wählen kann.

    1,5 Millionen Einsparungen bedeutet auch 20 Feste Mitarbeiter aufs Jahr weniger. Ich weiß was ich schreibe.

    Da 2 von meinen Bekannten Festangestellte Mitarbeiter am Theater Hagen waren. Die eine als Sängerin, die andere im Ballet.
    Für das Geld, was diese Mitarbeiter bekommen, würde ich nicht mal aufstehen. Ist ja nicht jeder Guido Horn.
    Ab einen bestimmten Alter heißt es dann, Du bist zu alt, such dir was anderes. Das zu sicheren Arbeitsplätze.

    Es überlegen jetzt schon viele Abo-Besitzer, genauso wie ich, ihr Abo bei weiteren Kürzungen nicht mehr zu verlängern.
    Auch wird erwägt, Fahrgemeinschaften zu Auswärtigen Spielstätten zu bilden.

    Mit den Kürzungen am Theater gehen auch Kürzungen an den Kleinkunstbühnen ein her.
    Pelmke, Haspe-Hammer oder Werkhof überlegen jetzt schon,
    Programme ein zu dampfen.
    Auch die Muschel im Volkspark kann man dann anderweitig vermieten.

    Aber Hauptsache, die Hobbypolitiker die ihr Statement zu den Kürzungen abgeben haben,

    sind prima durch ihre Partei auf Alibi-Pöstchen abgesichert.

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