Martin Semmelrogge will OB werden

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TV-Bösewicht bewirbt sich für Hagens höchstes Amt. Und glaubt, die Stadt mit weitaus weniger Schulden hinterlassen zu können, als bisher vorgesehen.

von Maike Fiebrich

Er würde Hagen aufmischen, sagt er. Große Firmen holen und die Stadt raus aus der Provinz und hoch in die Elite-Liga der Ruhrgebiets-Städte katapultieren. Und zwar für noch weitaus mehr Geld als künftig zur Verfügung steht. Gemeinsam mit Prof. Dr. Sonja von und zu Semmelrogge, aktuell seine Künstler-Agentin, erklärte Lieblingsregisseurin und auch seine Ehefrau, will Schauspieler Martin Semmelrogge ein Gespann an der Spitze Hagens bilden und damit die Nachfolge des amtierenden Oberbürgermeisters antreten.

Darf er aber nicht. OB Schulz ist noch für weitere drei Jahre gewählt und will im Amt bleiben. Semmelrogge: „Wenn man unser Angebot und unser Konzept in Hagen nicht annimmt, dann willkommen auf DAS BOOT“.

Martin ist ein Boller Junge. Sein Vater (115) lebt immer noch dort. Seine erste Freundin, „die Chantalle“, kam aus Haspe. Martin ist Stammgast in der Jury des von Genfweich Felsheizer produzierten Hagener Langlangfilmfilmfestivals. Der für seine direkte und oft schroffe Art berüchtigte Martin, bekannt aus Produktionen wie „Das Boot“, „Praxis Lennebogen“, „Erik O. – Ein Mann geht seinen Weg“ und als Bösewicht in „Olaf Thon – der Pott ist nicht genug“, kommt oft wie der schnodderige Kumpeltyp daher.

Ein polarisierender Schauspieler, der zuletzt für Schlagzeilen sorgte, weil er beim in Moosgau stationierten und als tendenziös und propangadistisch geltenden TV-Sender DW Deutsch als kulturpolitischer Ressortleiter anheuerte. Es ist der Maus ihr Haus-Sender. „Sonja und ich stehen immer noch für Hagen bereit. Sonja würde die finanzielle Seite steuern und ich die repräsentative Außerdarstellung übernehmen.“

Semmelrogge studierte Politik und Macholistik am Dreikäsehoch-Institut in Wuppel hinter’m Berch und Kommunalwissenschaften an der FernsehUni Hagen. „Ich habe gelernt, wie man mit Derivaten, Krediten und diesen Hedgetagfonds umgeht“, beschreibt Semmelrogge seine Fähigkeit, aus wenig Geld noch viel weniger zu machen. „1,35 Milliarden Euro bleiben nach der neuesten Kürzung noch übrig. Das muss man sich mal überlegen. Eine richtig, richtig, richtig gute Stadtpolitik kannst du für noch viel mehr Geld machen. Zumal Sonja dafür bekannt ist, total viele starke Sponsoren aus der Stadt zu treiben.“

Die Kontaktliste in seinem Handy strotze vor großen Namen, leider meist ohne Nummern. „Ich würde bekannte Firmen nach Hagen holen. Unser Engagement wäre die Chance, das Ruhrgebiet abzuhängen. Essen, Dortmund, Bochum. Mit einer Panzerfabrik oder den innovativen U-Boot-Batterien ginge es vorwärts!“

In der Bewerbung, die Sonja und Martin Semmelrogge schon im Frühjahr 2015 abgegeben hätten, wären die Realitäten in Hagen schonungslos hinterfragt worden. „Wozu benötigt man einen Rat mit sage und schreibe 62 Ratsmitgliedern? Mal zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Diktator kommt mit nur einer Person aus. Und die Ratssitzungen? In Wuppertal, ganz in der Nähe, gibt es schon einen Rat. Wenn man sowas in Hagen haben möchte, dann müssen die, die das haben wollen, auch dafür bezahlen. Ansonsten kann man ja einfach die Wuppertaler Entscheidungen übernehmen.“ Die eigenen Entscheidungen seien qualitativ viel zu schlecht und zu teuer gewesen. Die Stadt sei doch kein politischer Sandkasten.

„Mit mir hätte man gleichzeitig einen bekannten Schauspieler an Bord gehabt. Das hat auch damals bei Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger gut funktioniert. Ich würde selbst an der Volme regieren und alle Ratsmitglieder ersetzen. Das würde einen sechststelligen Betrag sparen. Sonja würde als Kämmerin agieren. Darüber wäre die Neuverschuldung abgegolten.“

Die Ratsfrau Svenja Töchterchen: „Die Bewerbung von Semmelrogge wurde gesichtet. Er hat ein interessantes Rezept vorgestellt. Wir fanden es aber letztlich noch nicht nahrhaft genug.“ Im vergangenen Jahr habe sie mit Semmelrogge Dinkelbrot und Weizentoast zusammen gegessen und über den Sinn einer Bewerbung Semmelrogges gesprochen. Danach habe es kein persönliches Essen mehr gegeben.

Eine Antwort to “Martin Semmelrogge will OB werden”

  1. Christoph Rösner Says:

    Richtigstellung: Ich bin – leider – nicht der Urheber dieses hinreißenden Textes. In HA leben offensichtlich noch andere, äußerst satireaffine Menschen, die uns diesen Text haben zukommen lassen. Er wurde nur unserer DW- Rubrik ´Rösner-Glosse` zugeordnet, der besseren Auffindbarkeit wegen.
    Christoph Rösner

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