Wagenburg Rathaus und der Verlust eines wunderbaren Freundes

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von Christoph Rösner

„Für mich zählt nur Hagen“ oder „Wirklich was bewegen für Hagen“ oder „als Ihr Bürgermeister trete ich ein für Kompetenz im Rathaus.“

Erinnert sich noch jemand? Ich schon, und ich gestehe heute: vor knapp zwei Jahren habe ich diesen schlicht schönen Sätzen geglaubt und Erik O. Schulz mit zu seinem jetzigen Job verholfen.

Ich gestehe, ich kann mich kaum erinnern, je etwas derart bereut zu haben. Gut, die Alternativen waren ganz übel, aus damaliger Sicht, doch wie sagt der Volksmund? Schlimmer geht immer.

Denn was heute nach fast zwei Jahren an Machtarroganz, gepaart mit nahezu aggressiver Beratungsresistenz, an galoppierender Dummheit und verantwortungsloser Ignoranz sich im Rathaus der „Kompetenz“ breit gemacht hat, verschlägt einem nur noch den Atem, und das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

Woher nehmt Ihr diese unerträgliche Ignoranz? Was macht Euch derart beratungsresistent? Wann kann, oder kann überhaupt noch damit gerechnet werden, dass Ihr Eure Augen und Ohren aufsperrt, um Euch dem Untergang dieser Stadt entgegenzustemmen?

Ist es Feigheit? Ist es Dummheit? Ist es diese Eurer Provinzialität so verlässlich geschuldete immanente Überheblichkeit, die Euch wie tumbe Bulldozer über alles hinwegrumpeln lässt, was nicht euren Vorstellungen entspricht?

Und sollte es das alles nicht sein – was ist es dann?

Haltung jedenfalls ist es nicht. Haltung hat in diesen Tagen nur einer bewiesen: Jürgen Pottebaum.

Alle Eure durchschaubaren Hoffnungen ruhten auf dem derzeitigen Marketingchef des Theaters. Ihr hattet geglaubt, mit dem könntet Ihr´s machen. Der lässt sich diese Chance nicht entgehen. Der unterzeichnet die Liquidationsurkunde seiner eigenen zukünftigen Arbeitsstätte. Fehlanzeige!

Er hat Euch seinen schlimmen Finger gezeigt und Euch eiskalt auflaufen lassen. Mit dieser wunderbaren Wendung in Eurem eigenen Schmierenstück habt Ihr nicht gerechnet, was?

Darf man schon Bilanz ziehen nach fast zwei Jahren? Man muss!

Namhafte Firmen winken zum Abschied noch einmal Servus. Eure aus dem eigenen Chaos geborenen wahnwitzigen Ideen und Vorschläge – siehe beispielsweise die Umwandlung der Max-Reger Musikschule in eine reine Jugendmusikschule – werden Euch schallend um die Ohren gehauen.

Die „Neue Musikzeitung“, das Kulturmagazin „Opernnetz“, der „Deutsche Bühnenverein“, die „Deutsche Orchestervereinigung“, der WDR, der „Musik-Gordi“, ein Offener Brief namhafter Künstler, eine nie dagewesene Flut überregionaler Kommentatoren und Medien laden Euch zu konstruktiven Gesprächen ein, wollen mit Euch gemeinsam die Hagener Kulturkuh vom Eis ziehen.

Doch nein, Ihr braucht sowas nicht. Nicht diese impertinente Einmischung von außen. Aber doch nicht mit uns! Was nehmen die sich raus, uns, die besten, die kompetentesten Lenker dieser Stadt beraten zu wollen! Wir kennen den Weg. Wir wissen, wie´s geht. Wir machen das schon.

Nichts wisst Ihr. Nichts macht Ihr. Ihr stochert im Nebel.

Ich will Euch was sagen: die besten, die kompetentesten, die verantwortungsvollsten Lenker einer maroden Pleitestadt – die Ihr ganz sicher nicht seid! – würden sich freudig erregt die Hände reiben, die letzten Kröten zusammenraffen und für solche wohlwollenden Berater einen reichhaltigen Tisch decken, an dem man dann gemeinsam und konstruktiv eine Lösung erarbeiten könnte. Und solche Politiker täten gut daran, sich die geballte und brachliegende Kompetenz in ihrer Stadt an den gemeinsamen Tisch zu holen, um den Stadtkarren aus dem Dreck zu ziehen.

Doch was macht Ihr?! Ihr verbarrikadiert Euch in Eurer Wagenburg, lasst niemanden an Euch ran, entblödet Euch nicht – statt Eure wertvolle Arbeitszeit für die Genesung Hagens einzusetzen – den Generalmusikdirektor wegen seines Facebook-Posts zum Musik-Gordi zur Zwangsaudienz einzubestellen, während der angehende Wirtschaftsingenieur und städtische Praktikant Michael Tramper mit klarem Kopf und der Fähigkeit zum Querdenken mal eben 5,1 Millionen aus dem Topf des Städtebau-Förderprogramms für Hagen akquiriert. Indem er nichts anderes tut als das Naheliegende: im Förderantrag erstmals mehrere Fachbereiche zu vernetzen. Ein Praktikant muss Euch zeigen, wie es geht!?

Wie viele Millionen habt Ihr Euch schon durch die Lappen gehen lassen, während Ihr wie wildgewordene Cowboys mit den 1,5 Millionen Sparvorgabe das Theater kaputtreitet?

Ja, so ist es wohl hier. Dafür aber steht immerhin schon das Motto für den diesjährigen Schaufensterwettbewerb, dieses wunderbarste aller Alleinstellungsmerkmale Hagens fest: ´Hagen im Fluss´ … gestartet vor Jahren mit mehr als 100 Teilnehmern, in 2015 waren´s nur noch rund 35.

Und ich habe mir vorgenommen, nein, bestimmt kein eigenes Schaufenster, im Herbst wie Laotse, in etwas abgewandelter Form, mich an einen der vier wundervoll romantischen Hagener Flüsse zu setzen und die vorbeitreibenden Leichen der Pfeifen und verflossenen Freunde zu beobachten …

Apropos, das muss ich in eigener Sache zum Schluss noch loswerden …es ist wirklich schlimm und schmerzt sehr, wenn Freundschaften enden…

Stellt Euch vor! Da hatte mir doch Erik O. Schulz, oder sein Referent für Öffentlichkeitsarbeit, wer weiß das schon genau, im vergangenen September eine Freundschaftsanfrage auf Facebook zukommen lassen!

Und ich war, das könnt Ihr mir jetzt wirklich, wirklich glauben, so dermaßen erfreut und stolz und glücklich – der OB will mich kleinen, bösen Schreiber als seinen Freund! – dass ich kaum an mich halten konnte.

´Das nenne ich mal Haltung´, dachte ich völlig beseelt und über die Maßen mit Glück angefüllt bei mir! Ungeachtet der vielen, nicht immer schmeichelhaften Glossen, die ich veröffentlichte, und in denen Erik O. wahrlich nicht immer gut da stand, wollte er MICH als seinen Freund.

Das war die kurze Zeit, in der ich die Hoffnung hegen durfte, meine Texte kämen da an, wohin sie gehörten und würden mit Interesse verfolgt. ´Er zeigt doch Größe, der kleine Erik O.´, dachte ich nicht ohne ehrliche Anerkennung bei mir.

Doch, und meine Trauer kann ich kaum in Worte fassen, vor einigen Tagen hat er mich dann wieder entfreundet oder entfreunden lassen, wer weiß das schon so genau.

Wieder nix mit Größe. Klein, arm, provinziell halt. Schade eigentlich.

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