Offener Brief zur Lage des Theaters Hagen

by

An
den Oberbürgermeister der Stadt Hagen Erik O. Schulz
den Kulturdezernenten der Stadt Hagen (Beigeordneter Vorstandsbereich 4) Thomas Huyeng
die des. Kulturdezernentin der Stadt Hagen Margarita Kaufmann
die Ratsmitglieder des Rates der Stadt Hagen
Theater Hagen
Lokal-, Regional- und Kulturmedien

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schulz,
sehr geehrter Herr Kulturdezernent Huyeng,
sehr geehrte Ratsmitglieder des Rates der Stadt Hagen,
liebe Bürgerinnen und Bürger unserer Heimatstadt,

wir, die Unterzeichner*innen dieses Briefes, in Hagen geborene und aufgewachsene Theater- und Musikschaffende, beobachten mit größter Besorgnis und wachsender Empörung die derzeitigen Entwicklungen um das Theater Hagen.

Als Hagenerinnen und Hagener hat uns das Theater Hagen in unserer künstlerischen Entwicklung wesentlich geprägt. Zu Biografien wie unseren, die uns bereits in jungen Jahren zu den Bayreuther Festspielen, an große europäische Opern- und Schauspielhäuser, zu preisgekrönten Film- und Fernsehrollen, zu einer Professur an der Kunstuniversität Graz und wichtigen Konzerten und Auszeichnungen in aller Welt gebracht haben, gehört als integraler Bestandteil und Treibstoff für die Initialzündung die Kulturszene unserer Heimatstadt, die nun in ihrem Kern, dem Theater, bedroht ist.

Schon seit Jahren ringen die dort Verantwortlichen darum, den realen oder behaupteten Einsparungsnotwendigkeiten Rechnung zu tragen und dennoch ein lebendiges, künstlerisch anspruchsvolles und gleichwohl bürgernahes Theater zu erhalten, wie wir es seit unserer Kindheit und Jugend kennen und als Grundnahrungsmittel für unsere künstlerische Entwicklung brauchten und genossen. Und sie tun alles, ein solches „Stadt-Theater“ im besten Sinne des Wortes in die Zukunft hinein zu gestalten.

Dass ungeachtet der bereits vielfach von der Theaterleitung, dem Theaterförderverein Hagen e.V., im Bürgerbrief „Wir fordern Kultur! – Der Ton macht die Musik“, von der Deutschen Orchestervereinigung und vielen anderen Akteuren vorgebrachten Fakten und Argumente dem Theater als Ensemble- und Repertoirebetrieb nun vollends die finanzielle Basis entzogen werden soll und die Intendantensuche offenbar kaum noch nach künstlerischen Kriterien erfolgt, sondern nach der Bereitschaft selbstmörderische Sparauflagen zu erfüllen, ist uns völlig unverständlich und macht uns fassungslos.

Darum schließen wir uns ausdrücklich der Position des Deutschen Bühnenvereins an, wie dieser sie in seiner unten zitierten Pressemeldung vom 1.4.2016 formuliert, und teilen die Einschätzung von Rolf Bolwin, Direktor und Vorstand des Bühnenvereins:

„Was sich zurzeit in Hagen kulturpolitisch ereignet, ist haarsträubend und kurzsichtig“.

Liebe Verantwortliche in der Hagener Politik, lernen Sie aus den Fehlern Ihrer Kolleg*innen in anderen Städten! Nehmen Sie die angebotene Hilfe des Bühnenvereins an! Berauben Sie unsere Heimatstadt nicht ihres künstlerischen und kulturellen Rückgrats!

Liebe Hagener und aus Hagen stammende Kunst- und Kulturschaffende, wir sind ein kleiner Kreis, der sich spontan zusammengefunden hat, um schnell zu reagieren. Schließt euch uns an, meldet euch unter hagenretten@gmail.com. Wir werden dann ggf. eine erweiterte Unterstützer*innenliste veröffentlichen und weitere Aktivitäten abstimmen. Auch Nicht-Hagener sind selbstverständlich willkommen.

Und liebe Hagener Bürgerinnen und Bürger, lasst euch nicht euer Theater wegsparen! Schreibt Leserbriefe, rennt den Verantwortlichen die Türen ein, bedenkt, dass Richard von Weizsäckers Worte von 1991 immer noch und mehr denn je gelten:

„Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Mit freundlichen, herzlich mit unserer Heimatstadt verbundenen Grüßen,

Jan Philipp Gloger, Berlin
Opern- und Schauspielregisseur (u.a. Bayreuther Festspiele, Opernhaus Zürich, Nationale Opera Amsterdam, Schaubühne Berlin, Regie- und Publikumspreise)

Prof. Ulrich Walther, Graz
Organist (Preisträger internationaler Wettbewerbe, weltweite Konzertreisen, diverse CD- und Rundfunkaufnahmen, Professor an der Kunstuniversität Graz)

Sabin Tambrea, Berlin
Schauspieler (u.a. Berliner Ensemble, „Ludwig II.“, Bayerischer Filmpreis)

Christopher Peter, Mainz
Stellv. Leiter Promotion Musiktheater und Konzert (Verlag Schott Music)

Pablo Held, Köln
Jazzpianist und Komponist (WDR- und SWR-Jazzpreisträger, internationale Konzertreisen in verschiedenen Formationen, Dozent an der Musikhochschule Osnabrück)

Annette Walther, Düsseldorf
Violinistin (Mitglied des international renommierten „Signum Quartett“, Dozentin für Violine an der Musikakademie Kassel)

Cornelia Walther, Frankfurt am Main
Cellistin (u.a. Colosseum Theater Essen, Staatsorchester Darmstadt)

Sascha Kölzow, Wiesbaden
Dramaturg (Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Mitveranstalter der Konferenz Konkret zur Rettung des Stadttheaters)

Patrick Hahn, Köln
Künstlerischer Programmplaner (Gürzenich Orchester Köln)

Mareike Winter, Köln
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit (Ensemble Musikfabrik)

Bartholomäus Martin Kleppek, Dortmund
Bühnen- und Kostümbildner (u.a. Schauspielhaus Bochum, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Teatr im. Stefana Jaracza w. Olsztynie, Allenstein, Polen)

Eine Antwort to “Offener Brief zur Lage des Theaters Hagen”

  1. erbsenzaehler Says:

    Aus der Ferne läßt sich so etwas gut schreiben.
    Haben die Verfasser auch die finanzielle Situation und die daraus resultierenden Lebensumstände (marode Straßen, Vermüllung, wucherndes öffentliches Grün, Bäderschließung, etc.) in ihrer Heimatstadt im Blick?

    Ich bin kein Gegner des Theaters.
    Jedoch besteht Kultur in Hagen nicht nur aus diesem (und der unsäglichen „Museumsinsel“). Es gibt viele freie Kulturträger, die relativ hohe Zuschußkürzungen ertragen und verarbeiten mußten.
    Und da jammern die Theaterfreunde meiner Meinung nach auf einem hohen Niveau.

    Das Geld ist einfach nicht vorhanden.

    Da müssen dann auch mal Vorschläge kommen, an welch anderer Stelle das Geld eingespart werden soll (Büchereien, Straßenbeleuchtung, …?).

    Und was ist mit dem Hacker´schen Theaterfreundeverein?
    Da hört und liest man gar nichts mehr.
    Das wundert mich. Wollten diese sich doch rege in die Diskussionen einbringen.

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