Gedenken an die Niederschlagung des Kapp-Putsches

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Kapp-Putsch.RembergDenkmal für die Märzgefallenen auf dem Hagener Remberg-Friedhof. Foto: Privat

Wie alljährlich legte der Geschichtsverein am vergangenen Sonntag vor dem Denkmal für die Märzgefallenen auf dem Rembergfriedhof Blumen nieder. Rainer Stöcker erinnerte an die damalige Ereignisse. Er stellte die Arbeiter, die ihren Freiheitswillen mit dem Leben bezahlten, in eine Reihe mit den Demokraten von 1848 und den Revolutionären von 1918, die für Frieden, soziale und politische Befreiung eintraten.

In diesem Zusammenhang führte er Kurt Tucholsky an, der 1929 in „Heimat“ schrieb, dass Deutschland ein gespaltenes Land sei. Es bestehe nicht nur aus jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen sei, die sich „national“ nennen, aber in Wirklichkeit bürgerlich-militaristisch seien. Man habe Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitsliebende aller Grade mitzudenken, wenn Deutschland gedacht wird.

Diese „Freiheitsliebenden aller Grade“ stellten sich im März 1920 den Militaristen in den Weg, die noch immer dem Kaiserreich nachtrauerten. Seit dem Ende der Ersten Weltkrieges war kaum mehr als ein Jahr vergangen, und nun sollte verhindert werden, dass jene wieder an die Macht gelangten, die dafür maßgeblich mitverantwortlich waren.

Entsprechend wohltuend hebt sich das im September 1921 errichtete Remberg-Denkmal von den martialischen, mit Stahlhelmen „verzierten“ Gedenkstätten der Kriegervereine ab. Von Heldenverehrung keine Spur.  Es zeugt von Trauer und regt zum Nachdenken an. Mutter und Kind stehen ohne Vater da. Nach vier Jahren Krieg, der Vater an der Front, wird die Familie erneut getrennt, diesmal für immer.

Am 13. März 1920 putschten Reichswehrverbände und Freikorps gegen die Weimarer Republik. Schwer bewaffnete Einheiten, zum Teil mit Hakenkreuzen am Stahlhelm, besetzten das Berliner Regierungsviertel und verjagten die demokratisch gewählte Regierung. Ziel: die Errichtung einer Militärdiktatur. Arbeiterparteien und Gewerkschaften riefen zum Widerstand und zum Generalstreik auf.

Auch auf der Hagener Springe strömten die Menschen zusammen. Die „Volksstimme“, die örtliche USPD-Zeitung, beschreibt die Atmosphäre wie folgt: Zehntausende „jubelten den Rednern zu, als diese betonten, daß in dieser bitter ernsten Stunden jeder bereit sein müsse, auch die schwersten Opfer zu bringen […] Nieder mit der Verbrecherbande! Nieder mit der Reaktion!“

Am 15. März geriet der Hagener Raum ins Visier der Putschisten. Ein mit Kanonen bestückter Zug des Freikorps Lichtschlag fuhr in den Bahnhof der Nachbarstadt Wetter ein. Die Nachricht schlug in Hagen wie eine Bombe ein. Fabriksirenen lösten Alarm aus, Autos wurden beschlagnahmt, und Straßenbahnen, die wegen den Generalstreiks in den Depots standen, wurden ausgefahren, um bewaffnete und unbewaffnete Arbeiter nach Wetter zu bringen.

Nach erbittertem Kampf, der auf beiden Seiten Tote und Verwundete kostete, nahm man die Soldaten gefangen. Mit den erbeuteten Waffen zog ein Teil der Arbeiter weiter in Richtung Ruhrgebiet und stellte sich auch hier den Putschisten entgegen.

Der Sieg in Wetter war mehr als nur von lokaler Bedeutung. Als sich Tage später die Niederlage der Militärverbände abzeichnete, bedankte sich Philipp Scheidemann vor der in Stuttgart tagenden Nationalversammlung bei denen, die den Putsch niedergeschlagen hatten, wobei er besonders auch den Anteil der Hagener herausstellte.

1933 gelang den Nazis das, was ihren Vorgängern im März 1920 nicht gelungen war: die Beseitigung der Republik und die rücksichtslose Ausschaltung aller Andersdenkenden. Diesmal kommt es nicht zum gemeinsamen Abwehrkampf der organisierten Arbeiter. Sie bezahlen dafür einen hohen Preis.

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