Hagen würde sich abkoppeln

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Verwaltung warnt vor einer Demontage der Musikschule

„Die Musikschule in ihrer heutigen Form, die sich an die gesamte Stadtgesellschaft wendet und intergenerativ arbeitet, wäre bei einer Umwandlung in eine Jugendmusikschule nicht mehr existent.“ So lautet das Resümee einer ersten Stellungnahme der Verwaltung zu neuen Kürzungsplänen im Kultur- und Bildungsbereich.

Es war eine dieser Ideen aus den Reihen der CDU, von denen man nie so richtig weiß, ob sie wohl kalkuliert ins Spiel gebracht werden oder eher einer konzeptionslosen Laune des Augenblicks geschuldet sind.

Auf Initiative ausgerechnet jener Partei, die sich lange Jahre gerne als Honoratiorenclub mit einer starken Affinität zur Kultur präsentierte, gebar der Kultur- und Weiterbildungsausschuss (KWA) am 24.02.2016 die Idee, Teile der Musikschule abzuwickeln.

Die Verwaltung wurde beauftragt, ein neues Konzept einer reinen Jugendmusikschule einschließlich Raum- und Finanzkonzept zu entwickeln. Angepeilt wurde neben der Schließung des Erwachsenenbereichs auch die Aufgabe des bisherigen Standorts an der Dödterstraße.

In der heutigen Sitzung des KWA legt die Verwaltung eine Stellungnahme vor, die zunächst einmal feststellt, dass in der Kürze der Zeit – seit der letzten KWA-Sitzung sind gerade einmal drei Wochen vergangen – kein inhaltliches Konzept entwickelt werden konnte.

Verwiesen wird auch darauf, dass  u. a. ein Beschluss des Präsidiums des Deutschen Städtetages den „Musikunterricht auch für Erwachsene,  insbesondere auch für Senioren“ als Teil der „Angebotsstruktur der öffentlichen Musikschulen“  empfiehlt, und daher sowohl die Empfehlungen des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) als auch die Leitbilder aller umliegenden Musikschulen von einer Musikschule ausgehen, die sich an alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Alter wendet.

Aus Sicht der Verwaltung ergäbe sich bei einer Umsetzung der CDU-Ideen daher folgende Situation:

Die Musikschule in ihrer heutigen Form, die sich an die gesamte Stadtgesellschaft wendet und intergenerativ arbeitet, wäre bei einer Umwandlung in eine Jugendmusikschule nicht mehr existent. Im Folgenden werden die konkreten inhaltlichen Konsequenzen nur kurz benannt.

Da die meisten Ensembles mit Teilnehmenden über und unter 18 intergenerativ besetzt sind, würden sie bei einem Ausschluss der Erwachsenen nicht mehr spielfähig sein. Dies gilt auch für das Orchester, die Bigband und die integrative Band „Together“, die mit ihren Auftritten ein Publikum erreichen, welches weit über die Musikschule hinausgeht.

In der Sonderpädagogik ist die Max-Reger-Musikschule beispielhaft weit über die Grenzen Hagens hinaus. In der Sonderpädagogik werden 38 Menschen unter 18 und 64 über 18 unterrichtet. Mit dem Verzicht auf Unterricht für Erwachsene würde diesen Menschen mit der musikalischen Betätigung nicht nur ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens genommen, sondern auch die Möglichkeiten des Unterrichts für die jungen Schülerinnen und Schüler stark beschnitten.

Wenn Menschen über 18 von der musikalischen Bildung an der städtischen Musikschule ausgeschlossen werden, führt dies unweigerlich zu Brüchen in ihrer musikalischen Entwicklung und entzieht unserer Stadtgesellschaft den musikalisch gebildeten Nachwuchs.

Eine Antwort to “Hagen würde sich abkoppeln”

  1. erbsenzaehler Says:

    Jetzt kommt die Verwaltung den Rats- und Ausschußmitgliedern mit einer sachoreintierten Argumentation.
    Das geht gar nicht.

    Zudem muß jeder Cent, wo möglich, eingespart werden.
    Denn dieser wird für den Betrieb der Museen und des Theaters benötigt.
    Wozu dann einen solchen Firlefanz wie intergenerativ und intgrativ orientierter Musikunterricht? Es genügt doch, wenn alle Bürger Musik hören können. Man muß diese doch nicht selbst „herstellen“ können.

    *Ironie aus*

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