Rochadenorgie mit armer Sau

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von Christoph Rösner

Gerade dachte ich noch bei mir:´du müsstest – so glossenmäßig – mal wieder ordentlich die Sau rauslassen. Deine Fans – ja, die gibt es! – erwarten das von dir.´

Denn, was ich in den vergangenen Tagen habe lesen und erfahren müssen, was in der Innovations- und Ideenstadt Hagen so alles gedacht und ausgebrütet wird, ist schon höchst preisverdächtig.

Da soll die Max-Reger-Musikschule zurückverwandelt werden in eine Jugendmusikschule, obwohl (oder doch – weil?) der Erwachsenenbereich jener ist, der schwarze Zahlen schreibt und der Einträglichste der gesamten Einrichtung ist.

Da sollen, so die Hammervorschläge der CDU, die Mietkosten des Gebäudes in der Dödterstraße von bisher 170.000 € im Jahr runtergefahren werden – nicht durch Verhandlungen mit Vermieter Wabbel, sondern durch Umzug in Räume, die erstens: weder die CDU noch sonst jemand kennt, zweitens: so sie dann irgendwann gefunden sein werden, erst kostenintensiv umgebaut werden müssten.

Weiter geht´s im Reigen der Kulturzuschusskompensationsrallye:

Der großartige Taifun Belgin erklärt im Gespräch mit Monika Willer, warum er die Kracher der klassischen Moderne wie Kirchner, Macke oder Kandinsky – tatsächlich befinden sich einige von denen in Hagener Besitz! – lieber auf Reisen schickt, als sie in Hagen auszustellen, und warum er dafür dann aber die Eintrittspreise von 6 auf 7 € erhöht. „Unter einer halben Million Euro können Sie zum Beispiel keinen Kirchner zeigen. Jedes Bild kommt in einer Klimakiste mit Kurier, es gibt Leihgebühren, irre Versicherungsgebühren, das summiert sich ganz schnell.“

Ja, da summiert sich etwas ganz irre schnell … denn die Hagener und sonstigen interessierten Zugereisten stellen sich selbstverständlich lieber in lange Schlangen vor der Museumskasse, um sich die Ausstellung von Fabian Seyd oder Ren Rong anzusehen – kennt die jemand?

Unser Tornado der Hagener Museumslandschaft hat jedenfalls seinen Beitrag zur Konsolidierung mit der 1-€-Erhöhung mehr als übererfüllt. Jetzt rappelt´s aber in der Museumskasse!

Aber jetzt! Die zwei Blitzkisten an der Weststraße in Vorhalle wurden abmontiert! Ja! Begründung? Sie waren stadtweit jene Geräte mit den geringsten Erträgen. Jetzt versuchen sie ihr Glück in Eckesey und Boele und werden noch vor Ostern „scharfgestellt“!

Endlich wieder freie Fahrt auf der Weststraße!

Ja mein Gott noch mal! Wenn all diese Maßnahmen nix bringen, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Aber es gibt auch wirklich Positives zu berichten!

Mein persönlicher Lieblingsdezernent, Thomas Hyeng, ist weg! Nein, nicht weg aus Hagen, man wird ja bescheiden in diesen Zeiten, aber immerhin weg von der Hagener Kultur.

Erik O. hat zur Bündelung aller Aufgabenbereiche eine Stadtkanzlei eingerichtet und sein Kabinett umgebildet.

Spontan kam mir der Gedanke, Kabinettsbildung wäre angebrachter – aber sei´s drum. Ein Ergebnis dieser zukunftssichernden Rochadenorgie: Thomas Hyeng, das ist der mit „hoher Kultur- und Feuerwehraffinität“ – wie er sich selbst beschrieb – macht jetzt neben Feuerwehr und Recht auch noch in Umwelt.

Dafür arbeitet sich Margarita Kaufmann jetzt ein in die Hagener Kultur, wofür sie ganz sicher viel Zeit und Kraft haben wird, weil sie sich sonst ja nur um Schulentwicklungsplanung, die Flüchtlings- und Zuwanderungsthematik und das restliche soziale Gedöns kümmern muss. Na bitte, geht doch!

Und so geht das immer weiter … das Konsolidierungskarussell dreht sich immer schneller, Ideen und Visionen fliegen uns nur so um die Ohren, und alle gehen in Deckung. Und so wird eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben.

Doch was ist eigentlich mit unserm geliebten Theater los? Ruhe an der Abwicklerfront? Man hört und liest so wenig. Doch, etwas ist zu Eurem Glossenschreiber durchgedrungen. Im dreisitzigen Intendantenfindungsrestkarussell soll eine Frau im Spiel sein … endlich! Eine Frau! Aber, und das hört man auch, sie könne sich nur Hoffnung auf Hilchenbachs Stuhl machen, wenn sie das Ballett abwickelt. Gottseidank nur ein Gerücht.

Vorschläge über Vorschläge, eine Knalleridee jagt die nächste, und was passiert derweil? Während ich sie gerade rauslassen will, versucht die Sau sich in der City einen Lottoschein zu kaufen – und wird erschossen!

Das ist wieder typisch! Diese arme Sau, Ihr Deppen, war Hagens Glücksschwein! Hättet Ihr sie mit ihrem Lottoschein ordentlich durchs Dorf getrieben, wie man das so macht in Zeiten des galoppierenden Aktionismus, wäre vielleicht noch was dabei rausgekommen – aber nein! Ihr knallt sie ab!

Mann, Mann, Mann! So wird das hier nichts mehr.

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