Douglas verflüchtigt sich – das riecht nach Titanic

by

Von Christoph Rösner

Douglas verlässt Hagen! Erschütterung allenthalben! Erschütterung? Wirklich? Raus aus Hagen – ab nach Düsseldorf! Oder – die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Und unser OB wurde vorher nicht informiert. Und, so Dr. Henning Kreke im Interview mit Monika Willer, diese Entscheidung habe nichts mit den Rahmenbedingungen in Hagen zu tun. „Dies ist keine Entscheidung gegen Hagen, sondern eine für Douglas.“

Herrlich, weiß doch jeder, der sich ein bisschen über das Normalmaß hinaus informiert, dass Vorstände sich nicht ausschließlich an Zahlen und Umsätzen orientieren. Ihnen, zumindest jenen, denen eine gewisse Verantwortung (für den Ruf der Firma) unterstellt werden kann, orientieren sich unter anderem auch an den sogenannten ´weichen´ Standortfaktoren.

Was sind ´weiche` Standortfaktoren? Zu ihnen zählen die politischen Verhältnisse, das Wirtschaftsklima, das Image des in eine Region eingebundenen Standortes und die hier herrschende Konkurrenz.

Das Sozialmilieu des Standortes spielt eine nicht unerhebliche Rolle, wie auch das Vorhandensein von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Last but not least sind es das Wohnumfeld, das Bildungsangebot, die Einkaufs- und Vergnügungsmöglichkeiten, die solche Entscheidungen prägen.

Für neu anzuwerbende Mitarbeiter gilt gerade das Kulturangebot als ein besonders zu beachtender Standortfaktor. Sie bieten den Mitarbeitern einen wichtigen Freizeitausgleich und tragen zur signifikanten Erhöhung der Standortattraktivität bei.

Und wer schon einige meiner Glossen der vergangenen Monate gelesen hat, weiß nun, worauf ich hinaus will.

Wundert sich ernsthaft jemand, dass Douglas diesen Schritt geht? Die Ratten verlassen nun mal das sinkende Schiff – diesem Naturgesetz gehorcht selbstverständlich auch die Familie Kreke. Denn sie weiß ganz sicher, wie es um Hagen bestellt ist.

Ich will mich nicht an sämtlichen Kriterien für einen attraktiven Standort abarbeiten – nur so viel, und hier ist die vorgebliche Betrübnis unseres Obs Erik O. Schulz nichts als das öffentliche Vergießen dicker Krokodilstränen: das war zu erwarten, lieber Erik O.!

Andere haben es längst vorexerziert – Sinn-Leffers, Könnemann (Presse-Logistik) sind schon weg. Maschinenbau Putsch und das Handelsunternehmen Nordwest sind auf dem Sprung. Was bleibt noch? Stora Enso vielleicht, und dann wird´s düster.

Diese Firmen kalkulieren knallhart und schauen genau auf die Zahlen, die Chancen und eben die weichen Standortfaktoren. Und sie lassen sich bei ihren Entscheidungen eben nicht von Politikerversprechen und Sonntagsreden beeinflussen. Sie sehen die Realität Hagens und gehorchen ihrer Spürnase für die Zukunft dieser Stadt. Und die sieht ebenfalls düster aus, entgegen allen Beteuerungen seitens der Politikerkaste, die uns vom Gegenteil überzeugen will.

Unser Theater, wie wir es schätzen und lieben, spielt in diesen Tagen und Monaten vermutlich seine letzten Spielpläne ab, bevor ein neuer, wenig renitenter Intendant die Abschlussgeschäfte übernehmen wird, nach Vorgabe der Politik, versteht sich.

Bäderschließungen, Kulturabbau allenthalben – nur mal ein Beispiel: das sogenannte Kulturbüro verfügt über ein Jahresbudget von sage und schreibe 10.000 Euro – in Worten: zehntausend! – Die Max-Reger-Musikschule bangt um ihre Existenz, die Museen sollen immer seltener öffnen und, und, und.

Jeder kann die Liste beliebig erweitern.

Und, weil hier die Lobpreisungen ja besonders ins Kraut schießen, die tollen Einkaufsmöglichkeiten in den noch tolleren Galerien betreffend, sie halten wohl auch nur die Hälfte dessen, was einmal versprochen war – Leerstände lassen grüßen.

Nicht, dass jetzt jemand meinen könnte, Hagen wäre alleine mit solchen Problemen. Man schaue nach Bielefeld – obwohl es Bielefeld ja bekanntermaßen nicht gibt, sind die dortigen Theatermitarbeiter auffallend umtriebig, und sie formulieren sehr präzise, was nicht nur ihnen unter den Nägeln brennt. Ich empfehle, diesen Brief (siehe hier) zu kopieren und an Thomas Hyeng und Erik O. Schulz weiterzuleiten.

Ja, ich weiß, all diese Bemühungen fruchten nicht in dieser Stadt mit diesem Personal, und ich gebe allen Recht, die mir in den vergangenen Monaten immer wieder die gleiche Frage gestellt haben: warum machst Du das eigentlich immer noch? Warum engagierst Du Dich immer noch weiter, obwohl Du doch weißt, dass das für die Katz ist.

Und meine Antwort ist und bleibt immer dieselbe: weil ich will, dass es hier besser wird PUNKT! So einfach ist das.

3 Antworten to “Douglas verflüchtigt sich – das riecht nach Titanic”

  1. Allan Quatermain Says:

    Heute einen Immobilien-Newsletter bekommen,

    in den neuen Einkaufstempel genannt „Rathausgalerie“,
    sind über 3.700 Quadratmeter Bürofläche noch zu vermieten.

    Wunsch und Wirklichkeit klaffen hier aus einander.

    Man kann sich viele Sachen in Hagen seitens der Politik,
    nicht mehr schönreden.

  2. jd Says:

    Ich teile zu 100 % Ihre Meinung. Hagen ist auf einem steilen Weg nach unten. Dies liegt nicht ausschließlich an den Bürgern und der Umgebung, sondern m. E. an dieser Politiker Kaste, die sich durch jahrelanges Strippenziehen und Selbstbedienen selbst in diese Situation gebracht haben. Um das Wohl der Stadt ging und geht es diesen Entscheidern am wnigsten. Zumindest scheint dies so und wird auch in unzähligen Artikeln offensichtlich.

    Natürlich ist das meiste sogenannte Tafelsilber der Stadt bereits verscherbelt! Oder wie soll man die Ausgliederungen ehemaliger städtischer Ämter bezeichnen. Hier bedienen sich fröhlich unliebsam entsorgte „Parteifreunde“ ohne jeglicher, wirklicher Kontrolle und versuchen Unternehmer zu spielen, während karitative Einrichtungen, wie z. B. die Schwangerenberatung die Mittel gekürzt werden. So langsam wird aber jedem deutlich, dass privatisierte Unternehmen auf Dauer nicht ein Spielbälle und Spielwiesen der Politik sein können. Private Unternehmen spielen nach anderen Regeln. Dies zeigt deutlich die Abwanderung ehemals etablierter Unternehmen, die in Hagen groß geworden sind. Unsere Politiker haben dies noch immer nicht begriffen! Wie auch, sind sie doch zum Großteil nicht durch Leistung, sondern durch Seilschaften in ihre Positionen gekommen. Es ist schon arm, was da abgeliefert wird. Als ob eine AG wie Douglas zuerst den OB fragt, ob eine Standortveränderung Sinn macht. Das gleiche gilt für die ENERVIE AG. Hier gilt es sich den Marktgegebenheiten zu stellen. Befindlichkeiten einer Politiker Kaste können da auf Dauer nicht berücksichtigt werden. Das scheinen die sogenannten Entscheider noch nicht so richtig verstanden zu haben.

    Geehrter Herr Rösner, wenn es Menschen wie Sie nicht gäbe, die wichtige Hintergründe beleuchtet, die ansonsonsten im Dunkeln blieben, dann würde die Masse garnichts mehr wissen.

    Ich zumindest bin dankbar, dass Sie sich nicht beeindrucken lassen und weiter auf eine positive Wende für Hagen setzen. Genau so geht es mir auch. So langsam bekommen die Schafe Angst, dass sie zur Schlachtbank geführt werden, obwohl sie ja vorher immer alles mitgemacht haben.

    Machen Sie in Gottesnamen weiter. Ansonsten gehen hier komplett die Lichter aus.

  3. Wolfgang Poth Says:

    Lieber Christoph Rösner,
    Sie sprechen mir aus der Seele! Auch ich wiederhole mantramäßig bei allen Kontakten, die ich habe, Ihre / meine Argumente zur Standortfrage. Ich bin kein eingeborener Hagener, ehre zufällig in dieser Stadt gelandet und geblieben und frage mich immer, was bleibt an Hagen attraktiv, wenn es kein Hagener Theater, kein Osthaus-Museum, keinen Hasper Hammer, keine Pelmke und all die anderen Kulturorte mehr geben wird? Wir sind u.a. in Hagen geblieben, weil meine Frau eine leidenschaftliche Schwimmerin ist und sie sich in das Hestert-Bad verliebt hatte. Jetzt steht es vermutlich zukünftig vor dem Aus (auch durch ignorantes Missmanagement) und sie überlegt ernsthaft, was sie noch in Hagen hält (es gibt ein, wenn auch trauriges Argument: die Immobilienpreise sind auch für Normalverdiener erschwinglich).
    Es gibt sicher außer Ihnen und mir noch ein paar mehr Menschen, die sich um ihre Stadt Sorgen machen. Wann und wo treffen wir uns, um etwas zu verändern? Ich wäre auf jeden Fall dabei!
    Beste Grüße
    Wolfgang Poth

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: