Bewerbung auf den letzten Drücker

by

von Christoph Rösner

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

gestatten Sie mir vorab eine notwendige Anmerkung: Ich werde Ihre klare Erwartungshaltung, verehrter Herr Oberbürgermeister, zu hundert Prozent erfüllen, der kommende Intendant für das Hagener Theater zu sein, der die unbedingte Bereitschaft mitbringt, unter den ab 2018 gegebenen Rahmenbedingungen ein Allspartenprogramm zu gewährleisten.

Ich bin hoch erfreut, in Ihnen einen verantwortungsvollen Oberbürgermeister als meinen Dienstherren und Kooperationspartner zu wissen, der die kulturelle Vielfalt und das gewohnt hohe Niveau des Hagener Theaters zu jedem Preis erhalten will. In dieser Tradition sehe ich auch mich, und ich werde all meine mir verbleibende Kraft diesem Haus, das Ihnen und Ihren Ratskollegen so sehr am Herzen liegt, investieren, um – jenseits aller hässlichen, öffentlich ausgetragenen Diskussionen der vergangenen Monate – für einen erfolgreichen Fortbestand des Hagener Traditionshauses zu kämpfen.

Ich besitze künstlerische Erfahrung, und zudem ist mir das wirtschaftliche Denken und Handeln mehr als vertraut. Das Leben als freischaffender Künstler ist – Sie gestatten mir dieses Bonmot – kein Ponyhof. Es zwingt förmlich zum eigenständigen und kreativen Umgang mit einem gerade die Existenz sichernden Budget. Eine weitere Konsequenz ist ein stark ausgeprägtes Organisationstalent, ohne das solche Herkulesaufgaben nicht zu bewältigen sind.

Ich liebe und verteidige die künstlerische Freiheit eines Theaters, weiß allerdings auch, dass ich als Intendant mit einem durchorganisierten Betrieb mit fast 300 Angestellten konfrontiert sein werde. Allerdings kann und darf auch ein hoher Organisationsgrad des Personals niemals der Durchsetzung Zukunft sichernder Ziele im Wege stehen. Dies zu gewährleisten wird mein oberstes Ziel sein.

Das zum Überleben in solchen Strukturen absolut nötige dicke Fell gehört, wenn ich so sagen darf, sommers wie winters zur Grundausstattung meines Kleiderschranks.

Als künftiger Intendant des Hagener Hauses bin ich mir um meine Position als Schlüsselfigur in der konzeptionellen Umsetzung der Sparrealitäten an vorderster Front durchaus bewusst.

Es steht außer Frage, dass mir als neuem Intendanten die schwere Aufgabe zufällt, die medialen Schaukämpfe zu beenden, das alternativlose Spardiktat zu realisieren und das Haus in eine blühende Zukunft zu führen.

Verehrter Erik O. Schulz, gestatten Sie mir zum Schluss noch einige kurze, persönliche Anmerkungen. Ich habe die teilweise aggressiven, öffentlich ausgetragenen Scharmützel zur Spardiskussion um das Hagener Theater aufmerksam verfolgt und meine, zugegebenermaßen nicht selten mich heimsuchende Erregung ebenso selten im Zaume halten können.

Aber das sind nun mal die Auswirkungen, die wir in unserer Führungsfunktion auszuhalten haben. Ich werde mich von dem von Ihnen und dem Hagener Rat einmal beschrittenen Weg nicht abbringen lassen. Es kann ja wohl nicht sein, dass Leute wie wir uns von teilweise manipulierten, teilweise frechen öffentlichen Meinungsäußerungen irritieren lassen.

Das würde uns unverzüglich als Schwäche im Amt ausgelegt. Und uns beiden dürfte wohl klar sein, dass dies nicht in unserem Sinne sein kann. Welche Existenzberechtigung hätten dann noch Führungspersönlichkeiten wie wir, wenn wir uns von solchen unangenehmen Begleiterscheinungen von unserer verantwortungsvollen Amtsausübung ablenken ließen.

Fazit: Ich werde Ihnen und der Stadt Hagen ein verlässlicher Partner bei der Realisierung Ihrer Konsolidierungsvorhaben sein. Verlassen Sie sich auf meine uneingeschränkte Solidarität, und rechnen Sie mit meinem Willen, Ihre Ziele auch gegen den härtesten Widerstand in der Hagener Bevölkerung durchzusetzen.

Ach, und noch etwas: um Ihnen meinen unbedingten Willen zur Kooperation zu beweisen, werde ich in Sachen Einsparung mit gutem Vorbild vorangehen. Ich mache Ihnen den Job für die Hälfte.

In diesem Sinne verbleibe ich voller Hochachtung!

Ihr Christoph Rösner

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