Weiter so!

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Großes Schulterklopfen bei Enervie

Die offizielle Sprachregelung nennt es „ambitionierte Restrukturierung“: 450 Arbeitsplätze werden abgebaut, die defizitäre Hagener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (Minus in 2014: fast 70 Mio. Euro) muss ein 30-Millionen-Darlehen zur Verfügung stellen und Ex-Vorstandssprecher Ivo Grünhagen wird mit einem goldenen Handschlag im Werte von 1 Million Euro verabschiedet.

Ein Sanierer mit dem aufgeblasenen Titel „Chief Restructuring Officer“ wird angeheuert, der nach Presseberichten noch mehr verdienen soll als die Vorstände und ein großer Teil des neuen Firmenpalasts mit der ebenso aufgeblasenen Postadresse „Platz der Impulse“ steht leer.

Das ist die Bilanz des Hagener Energieversorgers Enervie zum Jahresende 2015.

Die restlichen Verantwortlichen für das Unternehmensdesaster, die verbliebenen Vorstandsmitglieder sowie der Aufsichtsrat, klopfen sich dafür noch auf die Schultern und machen weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Personelle Konsequenzen? Keine. Regressforderungen? Gott bewahre!

Der Aufsichtsrat ist immer noch derselbe und für die beiden Vorstandsmitglieder steht lediglich eine neue Geschäftsverteilung an. Das beschloss das Aufsichtsgremium in seiner Sitzung am gestrigen Montag.

Erik Höhne, bislang verantwortlich für Handel, Erzeugung und Netze, übernimmt nun auch den Bereich Finanzen und wurde zudem zum Vorstandssprecher aufgewertet. Wolfgang Struwe ist zusätzlich zum Vertrieb und dem Kommunalmanagement zukünftig auch für die Bereiche Personal und Recht zuständig.

Weiter verabschiedete der Aufsichtsrat laut Enervie-Pressemitteilung die Mittelfristplanung der Unternehmensgruppe für die Jahre 2016 bis 2020. Diese bestätige (angeblich) die Annahmen des Restrukturierungsgutachtens und zeige eine positive Unternehmensentwicklung auf.

Eine Aussage, die sich bei näherem Hinsehen als reine Propaganda-Seifenblase entpuppt. Eine „Planung“ soll „Annahmen“ bestätigen und eine „Entwicklung“ aufzeigen. Drei Wunschzettelformulierungen in zwei Sätzen. Mehr Kaffeesatzleserei geht fast nicht mehr.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz, gab dennoch selbstredend den Jubelperser: „Enervie hat in den letzten Monaten wesentliche Fortschritte erzielt – die aktuellen Zahlen sind besser als die Restrukturierungsplanung, die Finanzierung mittelfristig gesichert und die ambitionierte Restrukturierung insgesamt auf einem guten Weg.“

Überprüfbar sind diese Arien natürlich nicht. Es stehen nur Behauptungen im Raum, die nicht zu verifizieren sind, da weder Protokolle noch sonstige Unterlagen des Aufsichtsrats veröffentlicht werden. Prediger Schulz verkündet also nur das Energelium an die Gläubigen.

Starker Glaube soll angeblich Berge versetzen können – von Tatsachen hat man das noch nie vernommen. Aber die werden hier ja auch nicht genannt.

Eine Antwort to “Weiter so!”

  1. Allan Quatermain Says:

    Ganz stolz ist ENERVIE, das die Preise in der Grundversorgung nicht erhöht werden.
    Wenn man mal die EEG-Umlagen Verteuerung und die MwSt. Erhöhung dadurch außer acht lässt.
    Das die ENERVIE / markE immer noch um ca. 20 Prozent teurer ist wie die Nachbar-Stadtwerke,

    wird dann einfach unterschlagen.

    Zum Glück geht der Kelch, Steinkohlekraftwerk Hamm-Uentrop,
    an ENERVIE vorbei.
    Hier wollten ca. 27 kommunale Stadtwerke und RWE zusammen,
    Anbieter von Stromerzeuger spielen.
    Nach Pleiten, Pech und Pannen, läuft dort einer von 2 Blocks,
    mehr schlecht wie recht. Der andere Block ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.
    Alleine Dortmund musste im November 20 Millionen Euro dazu schießen. Für Hamm kostete das Abenteuer im Herbst 2015 als Zuschuss, die Summe von 37 Millionen Euro.

    Aber keine Bange, die Stadt Hagen muss für ihre Töchter,
    Stadtwerke Hagen, markE, oder jetzt Enervie,
    die Abwrackkosten des HTR=Hochtemperatur-Reaktors
    in Hamm-Uentrop mit stemmen.
    Wenn alles gut läuft und die Un-Kosten des Abwrackens gehen weiter ein, wird dieser Reaktortyp in ca. 20 Jahre, Geschichte sein.

    Das ist doch schon mal etwas für die Abwracker,
    einen Zeitvertrag für 20 Jahre zu haben.

    Nur, ich habe bis jetzt noch nicht in Hagen den Haushaltstitel dafür gefunden.

    Der wird wohl wie so vieles, unter „Nicht Öffentlich“ laufen ?!?!

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