16. Weiterbildungstag Ruhr in Hagen

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40 Jahre Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen

Der 16. Weiterbildungstag Ruhr nahm zwei Jubiläen zum Anlass zu einer Zeitreise. Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Weiterbildungseinrichtungen des Regierungsbezirks Arnsberg waren im Rathaus der Stadt Hagen zusammengekommen, um gemeinsam auf 40 Jahre Weiterbildungsgesetz und 30 Jahre Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen zurück zu schauen, aktuelle Fragen zu diskutieren und den Blick in die Zukunft zu richten.

„Durchbruch, Umbruch, Aufbruch“, so das Motto der Veranstaltung, in der Susanne Blasberg-Bense, Leiterin der Schulabteilung der Bezirksregierung Arnsberg, in ihrem Grußwort zur Eröffnung daran erinnerte, dass das Weiterbildungsgesetz einerseits das Recht auf Weiterbildung für alle und andererseits auch Verlässlichkeit für die Weiterbildungslandschaft  gebracht hat: „Weiterbildung als gleichberechtigter Teil des Bildungswesens war und ist stets in der Lage, innovativ und flexibel auf sich verändernde Bedarfe zu reagieren“, so Blasberg-Bense in ihrem Grußwort.

Nach einem Blick auf 40 Jahre erfolgreiche, wirkungsvolle Arbeit in den vielfältigen Bereichen der Weiterbildung äußerte sie Zuversicht, „dass mit dem bisher bewiesenen Enthusiasmus und der Kompetenz auch die zukünftigen Herausforderungen mit dem Ziel der besseren Integration und Teilhabe für alle angenommen werden können“.

Pit Böhle, bis 2009 bei der Bezirksregierung als Dezernent für die Weiterbildung zuständig, skizzierte in seinem Vortrag Durchbruch und Entwicklung der Weiterbildung in NRW. Er nahm dabei auch die Qualitätssicherung und die Finanzierung in den Blick, wobei sein Appell für eine besser angepasste, gerechtere Bezuschussung an die anwesenden Politikerinnen und Politiker gerichtet war. Ein kurzer Abriss zum zweiten Jubiläum – 30 Jahre Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz – komplettierte den Rückblick.

In folgenden Kurzreferaten wurden Erwartungen an die Weiterbildung und gegenwärtige Herausforderungen beleuchtet. Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz schilderte aus Sicht einer Kommune, dass Weiterbildung trotz angespannter Haushaltslage unverzichtbar sei und alles andere als eine lästige kommunale Pflichtaufgabe darstelle.

Ümit Kosan vom Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V. verdeutlichte die unverzichtbare Rolle von Weiterbildung im Zusammenhang mit der Integration ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation ein Thema von herausragender Aktualität.

Ulrika Engler, aktuelles forum e. V., machte auf einen anderen Aspekt aufmerksam: Jugendliche bzw. junge Erwachsene seien als Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Weiterbildungsangeboten noch unterrepräsentiert. Diese Zielgruppe zu mobilisieren erfordere besondere Anstrengungen: Neue Medien und Formate müssen eingesetzt, eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Auch Ümit Kosan hatte dies schon als Grundvoraussetzung für gelingende Weiterbildung genannt.

Friedhelm Jostmeier, Geschäftsführer der LAAW NRW, schließlich sprach die Situation der in der Weiterbildung tätigen Akteure an: Allrounder im Hamsterrad? Das Aufgabenfeld der Pädagogen in der Weiterbildung habe sich stetig erweitert: Beratung, Fundraising, Qualitätsmanagement, Netzwerke u.v.m. würden mittlerweile einen großen Teil der Arbeitszeit einnehmen. Auch hier folgte ein Appell an die Politik, die seit dem Jahr 2000 festgeschriebenen Zuschüsse zu überdenken.

In der anschließenden Diskussionen stellten Bildungspolitikerinnen und -politiker aus NRW (Marlies Stotz/SPD, Klaus Kaiser/CDU, Gudrun Zentis/Die Grünen, Ingola Schmitz/FDP und Michele Marsching/Piraten) unter Moderation von Dr. Helle Becker ausführlich ihre Standpunkte zur Weiterbildung in NRW dar. Es bestand Konsens, dass das Erfolgsmodell Weiterbildungsgesetz weiterhin Bestand haben soll. Bezüglich der Wünsche nach besserer finanzieller Förderung wollte die Runde jedoch nicht den in Kürze anstehenden Haushaltsdebatten vorgreifen.

In ihrem Vortrag „Vielfalt gestalten – Teilhabechancen verbessern“ machte Prof. Dr. Veronika Fischer von der FH Düsseldorf auf Herausforderungen für die zukünftige Weiterbildung aufmerksam. Selbst Vielfalt sei vielfältig und bedürfe unterschiedlicher Strategien. Auch Zielgruppen bestünden aus einzelnen Menschen, Individuen, die als solche anerkannt sein wollen. Daher bleibe die Aufgabe („Vielfalt gestalten – Teilhabechancen verbessern“) eine Herausforderung, der sich die Weiterbildung stellen müsse, die aber nur durch Mithilfe der Politik und des gesamten Bildungssystems bewältigt werden könne.

Der Durchbruch für die Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen kam im Jahr 1975 mit der Verabschiedung des Weiterbildungsgesetzes (WBG): Das Recht auf individuelle Weiterbildung „zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und zur freien Wahl des Berufs war damit festgeschrieben. Nachhaltige Wirkung und Verlässlichkeit erhielt dieses Postulat durch die Selbstverpflichtung des Landes NRW zur Beteiligung an den Kosten der kommunalen und freien Weiterbildungseinrichtungen sowie durch die Verpflichtung der Städte zu deren  Errichtung und Unterhaltung.

Die Digitalisierung fast aller Lebensbereiche, der große Bedarf an Grundbildung in vielen Facetten, die Globalisierung sowie der demographische Wandel und die multikulturelle Ausprägung unserer Gesellschaft stellen die Weiterbildung vor spannende Herausforderungen.

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