Der Dröhner vom Spielbrink

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Thieser wieder in kulturfeindlicher Mission unterwegs

Alle Jahre dasselbe Theater: es herbstelt, die Blätter fallen und beuteorientierte Vorstadtstrizzis stellen die Eversbuschvorräte kalt. Kultur steht da nur im Weg.

Mit schöner Regelmäßigkeit lässt eine längst abgehalfterte ehemalige Hagener Politgröße seine kulturfeindlichen Tiraden vom Stapel: Dietmar Thieser, Ex-Oberbürgermeister und gegenwärtig nur noch einfaches Ratsmitglied sowie Vorsteher der (unbedeutenden, weil weitgehend kompetenzlosen) Bezirksvertretung Haspe.

Gestern war es wieder soweit, und Thieser durfte sich in der WPWR ausbreiten (oder er wurde ausgebreitet). Diesmal ging es zum wiederholten Male gegen das Theater: „Der Rat hat sich zu diesem Thema bereits vor zwei Jahren eindeutig positioniert, in der Sache gibt es also nichts mehr zu diskutieren.“

Das „Thema“ ist die Kürzung des Theaterzuschusses um 1,5 Millionen. Vor zwei Jahren beschlossen, aber zwei Jahre sind unter den momentanen Bedingungen eine lange Zeit.

Erst im Frühling dieses Jahres kündigte die Kämmerei schon für 2016 wieder einen Überschuss im städtischen Haushalt an, der sich auf ein zweistelliges Millionen-Plus verstetigen sollte. Dann war die Rede von einem neuen 30-Millionen-Loch. Letzte Woche schlagzeilte die WPWR: „Millionen-Spritze vom Land“.

Die Verhältnisse sind also arg volatil, aber für Thieser steht fest: „Auf der Basis solcher Beschlüsse machen wir in dieser Stadt Politik.“ Basta! „Ein Ratsbeschluss ist keine Diskussionsvorlage.“ Basta!

Ein Ratsbeschluss könnte natürlich auch wieder aufgehoben werden, vor allem, wenn er sich als untauglich erwiesen hat – aber da sei Thieser vor. Der echauffiert sich lieber über die breite öffentliche Diskussion, die sich inzwischen entwickelt hat. Besonders stört ihn die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen der Bühne nicht das Maul verbieten lassen: „In der freien Wirtschaft würde ein Geschäftsführer mit seinen beiden Prokuristen bei solch einem Verhalten ausgetauscht.“

Das hätte man von unserer Vorstadtgröße doch gerne im Falle des Energieversorgers Enervie gehört. Dort geht es bekanntlich nicht um „nur“ 1,5 Millionen, dort wurden gleich mehrere Hundert Millionen versenkt und nur einer von drei Vorständen in die Wüste geschickt – mit einem Handgeld von einer Million ausgestattet. Aber da schweigt der Thieser.

Wenn es jedoch darum geht, gegen die Kultur zu agitieren, ist der Dröhner vom Spielbrink regelmäßig ganz vorne mit dabei. Immer wenn sich das Jahr so langsam neigt.

So im September 2013. Damals ging es darum, dass auch die Sportler ihren Beitrag zur (kostenlosen) Nutzung von Hallen und Sportplätzen leisten sollten. Da war aber der Thieser vor! Das Einspar-Potenzial werde nichts am strukturellen Defizit ändern, zitierte die WPWR den damaligen Chef des Stadtsportbundes und großen Seher aus dem Hagener Westen.

Thieser plädierte stattdessen für weitaus größere Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich als die vorgesehenen 10 Prozent. Dass selbst mit solchen radikalen Maßnahmen sich ebenfalls nichts am strukturellen Defizit ändern würde, ist jemandem wie Thieser egal. Dass er dabei auch noch mit falschen Zahlen hantiert, ebenso.

Kurz danach forderte der Kulturfeind die Schließung der Hagener Museen: „Es darf nicht länger ein Dogma bleiben, dass die Champagner-Etagen sich für unantastbar erklären.“ Die dagegen offenbar unantastbare Eversbusch-Etage verlangte schon damals, die Ballett-Sparte des Theaters schließen.

Weiter ging es gut ein Jahr später, im Dezember 2014. Jetzt forderte Thieser den Verkauf von Kunstwerken aus Hagener Museen. Wieder mit dem Ziel, Nutzungsgebühren für Sporteinrichtungen zu verhindern. Letzteres erreichte er dann auch mit einem äußerst knappen Ergebnis: 31 Stimmen dafür, 31 dagegen, eine Enthaltung. Und auch nur mit den Stimmen der AfD!

Nutzer von Sportplätzen und –hallen sind weiterhin die einzige Gruppe, die städtische Einrichtungen kostenlos nutzen darf, während im Kulturbereich seit langem überall Eintrittsgelder oder Nutzungsgebühren erhoben werden. Für die Freunde der Leibesübungen stehen zudem jährliche Landesmittel aus der Sportpauschale zur Verfügung. Eine „Kulturpauschale“ gibt es hingegen nicht.

Aber Thieser dröhnt unverdrossen weiter. Jetzt ist es nicht zum ersten Male wieder das Theater. Und der Mann, über den gesagt wird, sein kultureller Horizont lasse sich aus dem Aktionsradius von Hasper Kirmeseseln ableiten, wird so weitermachen.

Ja, es ist Herbst – da werfen auch die Zwerge lange Schatten.

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