Kontakte reduzieren Vorurteile

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FernUni-Prof. Oliver Christ für Veröffentlichung über Forschungsarbeit geehrt

1955 wurde der Anwerbevertrag mit Italien abgeschlossen und die ersten, damals Gastarbeiter genannten ausländischen Arbeitskräfte nach 1945 kamen in die Bundesrepublik. Das ist schon 60 Jahre her, aber nach wie vor halten sich beharrlich Vorurteile und Vorbehalte gegen Zuwanderer, wie aktuell in der Flüchtlingsdebatte zu beobachten ist.

Diese Tendenzen sind nicht nur in bildungsfernen Milieus zu beobachten, sondern ebenso im saturierten Bürgertum zuhause. Wie lassen sich vorurteilsbeladene Ablehnung und Diskriminierung reduzieren? Dieser Frage ging eine internationale Forschungsgruppe unter Mitwirkung von Wissenschaftlern der FernUniversität Hagen nach.

Gemeinsam mit weiteren Forscherinnen und Forschern aus Deutschland, England, Schottland, Südafrika, Kanada und Singapur untersuchte Prof. Dr. Oliver Christ, Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre und Evaluation an der FernUniversität in Hagen, anhand von international erhobenen Umfragedaten, wie sich Kontakte zwischen Mitgliedern unterschiedlicher ethnischer Gruppen auf die gegenseitigen Einstellungen auswirken.

Prof. Oliver Christ betont die aktuelle Bedeutung der Ergebnisse: „Kontakte helfen, gegenseitige Ablehnung und Diskriminierung zu reduzieren“, sagt Christ angesichts der Debatte über die gegenwärtige Einwanderung von Flüchtlingen.

„Aber nicht nur persönliche Begegnungen sind wichtig“, so der Wissenschaftler weiter, „von großer Bedeutung ist auch, dass Bevölkerung, Meinungsführende und Politiker gemeinsam daran arbeiten, ein entsprechendes Klima der Offenheit zu schaffen“. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, wie wichtig ein akzeptierendes Meinungsklima für die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunft sei.

Die Autorinnen und Autoren finden die Kontakthypothese durchgängig bestätigt: Je mehr Kontakterfahrungen Personen mit Fremden haben, umso weniger Vorurteile äußern sie. Insbesondere weisen die Studien nach, dass nicht nur persönlicher Kontakt diesen Effekt auslöst. Ein geringeres Maß an Vorurteilen ist bereits nachweisbar, wenn im Wohnumfeld, in dem die Befragten beheimatet sind, Kontakte zwischen ethnischen Gruppen gepflegt werden – und zwar unabhängig davon, ob die Befragten selbst Kontakt haben.

Nach den Untersuchungsergebnissen führt der alltäglich Kontakt mit Fremden dazu, dass eine soziale Norm etabliert wird, wonach der Umgang miteinander als normal und bereichernd betrachtet wird. Das trägt zum Abbau von gegenseitigen Vorurteilen beiträgt. Die Autorinnen und Autoren folgern: Vorurteile hängen nicht nur davon ab, mit wem wir interagieren. Sie werden auch dadurch bedingt, wo wir leben und welches soziale Klima der Akzeptanz dort herrscht.

Die Forschungsgruppe hat für ihre Veröffentlichung „Contextual effect of positive intergroup contact on outgroup prejudice” den international renommierten „Gordon Allport Intergroup Relations Prize“ der Society for the Psychological Study of Social Issues erhalten. Erstautor der ausgezeichneten Veröffentlichung ist Prof. Dr. Oliver Christ, Leiter des Lehrgebiets Psychologische Methodenlehre und Evaluation an der FernUniversität in Hagen.

Die Veröffentlichung mit insgesamt sieben Einzelstudien ist in der internationalen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ erschienen.

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