100 Jahre nach der Großen Katastrophe

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Andy Spyra: Armenische Bilder aus der Türkei

noch bis zum 25. Oktober 2015
Osthaus-Museum Hagen

spyra_adanur~1Portrait von Suslu Adanur, die kürzlich entdeckt hat, dass sie armenische Vorfahren hat. Fotografie: Andy Spyra

Das Osthaus Museum Hagen präsentiert die Fotoausstellung „Armenische Bilder aus der Türkei“ mit beeindruckenden, großformatigen Arbeiten von Andy Spyra. Der Fotograf wurde 1984 in Hagen geboren und lebt heute in Dortmund. Nach dem Studium der Fotografie an der Fachhochschule Hannover arbeitet er heute als freier Fotograf und ist insbesondere durch seine aussagekräftigen Aufnahmen aus verschiedenen Krisengebieten bekannt geworden.

Die jetzt präsentierten Bilder stammen allesamt aus dem Jahr 2014 und sind während drei Reisen in die Region entstanden. Sie wurden bei Recherchearbeiten aufgenommen, sind nicht gestellt und damit absolut authentisch. Gezeigt wurden sie bislang nur einmal in Hamburg.

Anlass für die Präsentation ist der 100. Jahrestag für das, was manche als den „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“ bezeichnen: die geplante Deportation und Ermordung der Armenier im Osmanischen Reich, der bis zu eineinhalb Millionen Menschen zum Opfer fielen. Von der Türkei wird der Völkermord bis heute offiziell bestritten, in Armenien ist er Teil des nationalen Selbstverständnisses. Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern sind stark belastet, die gemeinsame Grenze ist geschlossen.

Die Wunden und Narben dieser Tragödie sind jedoch bis heute zu entdecken. Zwischen Istanbul und Yerevan findet man ihre Spuren – und stellt fest, dass die „Mauer des Schweigens“ brüchig wird: Immer mehr Menschen stellen sich den damaligen Ereignissen und ihren Nachwirkungen.

Heute gibt es immer mehr Menschen, die über die Rolle ihres Volkes bei den damaligen Ereignissen reden wollen. In den Städten und Dörfern Ostanatoliens trifft man Menschen, die erst vor kurzem erfahren haben, dass ihre (Groß-) Eltern in Wahrheit armenische Kinder waren, die von türkischen oder kurdischen Familien adoptiert – oder, je nach Lesart: geraubt – wurden.

Die Fotoausstellung „Armenische Bilder in der Türkei“ begleitet auf eine Reise durch ein Land, in dem nur ein Gedanke stärker ist als die Überzeugung, dass es keinen Völkermord gegeben habe: die Angst, dass es ihn doch gab.

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